22.12.2014   |

Start im Job

Wie sich Ingenieure als Berufseinsteiger verhalten sollten

Fallen lauern für Berufseinsteiger überall: Egal, wie motiviert und wissend Ingenieure in den neuen Job starten: Im Anfangseifer unterläuft ihnen mancher Fauxpas, der den Einstieg verpatzt. Die gute Nachricht: Anfängerfehler lassen sich vermeiden! Auf einige Tipps sollten Sie dafür achten

Fallen lauern für Berufseinsteiger überall.

Foto: iStock / Thinkstock

Geschafft! Das aufreibende Studium. Das harte Auswahlverfahren für den Job. Endlich kann es losgehen. Ein Zustand, der junge Ingenieure als Berufseinsteiger in Euphorie versetzen kann. In der Firma, die eben noch den neuen Kollegen umworben hat, sind bestimmt alle ähnlich erfreut ob des tatkräftigen Einsteigers. Oder? „Neueinsteiger werden oft für sie unerwartet kühl empfangen. Sie gelten als Störfaktor“, rückt Jürgen Hesse vom Büro für Berufsstrategie Hesse/Schrader das rosarote Bild zurecht.

„Nicht selten wird die Einarbeitungszeit als blanker Horror erlebt.“ Die Landung auf dem harten Boden der Tatsachen fasst Hesse für Berufseinsteiger im Feld der Ingenieure mit den Worten zusammen: „Nach der Bewerbung ist vor der Bewerbung. Keine Berufsphase sei so sensibel wie der Einstieg. Hesse: „Man muss sich den Platz in der Firma erst erkämpfen.“ Und dabei unterlaufen Einsteigern viele vermeidbare Fehler.

Berufseinsteiger sollten sich gegenüber anderen Ingenieuren zurückhalten

In der, verglichen mit der Uni, anderen Welt gehe es härter zu, sagt Hesse, nicht wie im Fair-Play-Fußball, sondern eher wie im American Football: „Da wird geholzt, gerempelt, gefoult – man braucht einen Schutzhelm.“ Und: Taktik, Feingefühl, Steh- und Kommunikationsvermögen. „Die Einstiegsfehler bei Jung-Ingenieuren lauern für Berufseinsteiger weniger auf der fachlichen Seite, sondern im Bereich der Soft Skills“, weiß Anke Quittschau von der Karriereberatung korrekt!

„Fachliche Fehler werden einem Berufseinsteiger am Anfang verziehen, Schwächen im Auftritt nicht.“ Auch hier gelte für Ingenieure: Der erste Eindruck zählt. „Und der basiert zum Großteil auf Äußerlichkeiten“, sagt Quittschau. Also sollte der Kleidungsstil den Kollegen angepasst werden, es sollten unbedingt Hierarchien beachtet werden, was auch heißt, von allzu flotten Duz-Angeboten abzusehen. Fragen nach Urlaub, Smartphone und Dienstwagen sollten ohnehin tabu sein, was aber längst nicht jedem klar ist.

Ingenieure sollten ihr Image als Berufseinsteiger aktiv formen

Was gerade Ingenieure mitunter erstaunt, ist die Prioritätensetzung der Karriereprofis: „Es gilt für Berufseinsteiger zunächst, Sympathie aufzubauen und nicht vorrangig fachlich zu glänzen“, rät die Expertin. Fachlich lauerten ohnehin selten Fallschlingen. Natürlich seien die Kollegen neugierig, wer der oder die Neue ist. Das sollten Ingenieure stets im Kopf behalten.

„Wer nichts von sich erzählt und sein Image selbst gestaltet, bekommt dies im Zweifel von anderen verpasst“, sagt die Trainerin. Fraglich, ob das dann immer so ausfällt, wie man es sich wünscht. Daher rät Quittschau, als Berufseinsteiger möglichst offen für die anderen Ingenieure zu sein. Nicht nur mit dem direkten Kollegen zum Mittagessen gehen, sondern möglichst mit vielen abwechselnd und Netzwerke nutzen, etwa für Neueinsteiger, wenn die Firma so etwas anbietet.

Berufseinsteiger sollten erfahrene Ingenieure um Feedback bitten

„Gut ist herauszufinden, wem man trauen kann, wer einen unterstützt, von wem man etwas lernen kann – das machen gute Beziehungen aus“, sagt Jürgen Hesse. Sein Rat, wie das gelingt: „Demut und eine gewisse Zurückhaltung sind besser, als zu forsch und naseweis aufzutreten.“ Überhaupt sollten Berufseinsteiger unter den Ingenieuren ein Drittel ihrer Einstiegszeit beobachten, wie es in der Firma läuft (Umgangston, Arbeitstempo, Hierarchien, ungeschriebene Regeln…), ein weiteres Drittel damit, herauszufinden, auf wen man sich verlassen kann und ein Drittel damit, zu beweisen, was man fachlich drauf hat.

Zu dem stillen Teil der Einarbeitung gehört auch, Chef und Kollegen um ein Feedback zur eigenen Arbeit zu bitten. Wie haben Sie mich erlebt? Was kann ich besser machen? Das sind Fragen, die anfangs im Wochentakt gestellt werden sollten, ist Hesses Tipp für Berufseinsteiger: „Auch wenn das Ingenieuren schwerfallen dürfte.“ Aber: Sollte wirklich etwas querliegen, bietet sich so die Chance, dass die eingesessene Mannschaft beizeiten ihren Brass ablassen kann. „Das ist allemal besser, als am Ende der Probezeit überraschend die Papiere zu bekommen“, meint Hesse.

Grobe Schnitzer können Berufseinsteiger vermeiden

Auch wenn es ein kitzliges Geschäft ist, sich in die Unternehmenskultur einzufinden, gibt es grobe Schnitzer, die den Einstieg erschweren. Etwa, sofort das Rad mit einer vermeintlich genialen Idee neu erfinden zu wollen. Quittschau: „Besserwisserei kommt nie gut.“ Ebenso wenig wie Kritik, an was auch immer. Das darf natürlich nicht zu totaler Passivität führen, die leicht als mangelnde Motivation erscheint. Quittschau: „Ideen sollten so verpackt werden, dass sich die neuen Kollegen abgeholt fühlen. Fachwissen sollte sympathisch an den Mann gebracht werden.“ Zunächst sollten Berufseinsteiger bei anderen Ingenieuren hinterfragen, warum der Prozess genau so ist und nicht anders.

Weitere No-Gos: Lästereien und Arroganz gegenüber Assistenten sowie Sekretärinnen. Eigene Fehler nie nach dem Motto „Aber das hat mir keiner gesagt“ anderen in die Schuhe schieben. „Lieber einmal zu viel Mea culpa sagen. Verzeihen ist besser als streiten, wobei etablierte Kollegen dem Neuen bei einer Auseinandersetzung schon zeigen werden, wer der Stärkere ist“, sagt Hesse. Außerdem dürfen Fehler einem Berufseinsteiger passieren und schaden auch deshalb nicht, weil sich so die alten Hasen unter den Ingenieuren nicht durch den Schwung des Neuen bedroht fühlen.

Berufseinsteiger sollten ihren Eifer als Ingenieure bremsen

Stichwort Schwung: Zu viel Eifer zählt zu den Hauptfehlern junger Ingenieure. Quittschau: „Wer als Berufseinsteiger mit zu viel Elan unterwegs ist, riskiert, dass die Reserven aufgebraucht sind, bevor man überhaupt richtig losgelegt hat.“ Wer anfangs täglich 150 Prozent Leistung bringe, könnte dem neuen Arbeitgeber vermitteln, dass dies sein normales Tempo sei. Der Chef wird entsprechend viel verlangen – der Burn-out ist vorprogrammiert. Quittschau: „Wichtig ist eine realistische Selbsteinschätzung, um nicht Schiffbruch zu erleiden!“ Ich bin neu und schlau! Und ich kann alles besser! Und die anderen können mir nicht das Wasser reichen! Und ich bin sowieso unschlagbar... Wer so denkt, wird Probleme bekommen.

Quelle: Ingenieur Karriere 1/2014

Anzeige

von Chris Löwer

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Stellenangebote

STADT UND LAND Wohnbauten-Gesellschaft mbH

Technischer Gebäudemanager/Property-Manager/Facility-Manager (m/w)

Research and Development Engineer (m/w) Deep Neural Networks und Machine Vision

Doktorand im Konstruktiven Ingenieurbau

Fuel Cell Scientist

Applikationsingenieur (m/w) Produkt und Charakterisierung Spezialist Sensor

ElringKlinger Motortechnik GmbH

Entwicklungsingenieur (m/w) Automotive

Fuel Cell Scientist

MAXIMATOR GmbH

Konstrukteur - Mechanik (m/w)

IAT Universität Stuttgart

Ingenieurwissenschaftler / Produktentwickler / Psychologe / Designer als akademischer Mitarbeiter