03.01.2017   |

Karrierestrategie

Weiterbildung, selbstverständlich und - hoffentlich - gut geplant

Ständige Weiterbildung ist für Ingenieure selbstverständlich. Für die Unternehmen und ihre Mitarbeiter gilt es, auf dem neuesten Stand der Technik zu bleiben bzw. durch Innovationen Marktvorteile zu sichern. Aber welche Weiterbildung, zu welchem Zeitpunkt, ist die richtige? Und wer übernimmt die Kosten?

Weiterbildung dient der Karreireförderung.

Foto: iStock / Thinkstock

Ziele von Weiterbildung

Der Fachbereich Maschinenwesen der Fachhochschule Kiel hatte 2006 die Erwartungen und Wünsche an die Weiterbildungsangebote für Ingenieurinnen und Ingenieure in über 300 Unternehmen erfragt. Die damaligen Ergebnisse sind im Wesentlichen sicherlich auch heute noch gültig: Als wichtigste Weiterbildungsziele nannten die befragten Ingenieure, "die eigene Persönlichkeitsentwicklung voranzutreiben", anspruchsvolle Aufgaben zu übernehmen sowie "die Erweiterung der fachlichen Kompetenz". Die Unternehmen sahen dagegen die direkte Umsetzbarkeit der Lerninhalte in die Praxis bzw. Lösungswissen für Anwendungsprobleme in der Praxis als besonders wichtig an. Dieses fachspezifische Know-how kann eine neue Software oder ein ganzes Themenfeld wie beispielsweise Systems Engineering umfassen, in dem Entwicklungsingenieure und Konstrukteure neue weitergehende Skills benötigen.

Jobs für Ingenieure

BWL-Kenntnisse und MBA

Immer wieder heißt es, dass kaufmännisches Wissen für Ingenieure ganz entscheidend sei. Nur, was ist damit gemeint? Ein komplettes BWL-Studium oder doch eher speziell auf die Erfordernisse des Ingenieurberufs ausgerichtetes Wissen, um beispielsweise gut im Vertrieb bestehen zu können. In den Curricula der Ingenieurstudiengänge sind entsprechende Inhalte meist längst verankert, zumal, wenn es sich um Studiengänge handelt, die bereits an den Schnittstellen von Technik und Markt angesiedelt sind. Direkt nach dem eigentlichen Studium einen Aufbaustudiengang zu absolvieren, führt in manchen Fällen dazu, mit dem Handicap eines sehr späten Berufseinstiegs leben zu müssen.

Ergänzend zum grundlegenden Ingenieurstudium und vielleicht erster Berufspraxis erhoffen sich viele Ingenieure von einem zusätzlichen - meist berufsbegleitenden - MBA-Studium die Eintrittskarte für das hohe Management. Es ist aber gut zu überlegen, ob die Kosten für den MBA-Abschluss sich tatsächlich auszahlen. Steht der zeitliche und finanzielle Aufwand in einem vernünftigen Verhältnis zur hinzugewonnen Qualifikation, die dann ja auch von potenziellen Arbeitgebern positiv eingeschätzt werden muss. Für viele Ingenieure sind learning on the job oder kompaktere Formen der Fortbildung im betriebswirtschaftlichen Bereich wohl auch eine Lösung.

Weiterbildungsangebote für Ingenieure finden

Social Skills und Persönlichkeitsentwicklung

Wie führt man eigentlich als Vorgesetzter so ein Mitarbeitergespräch? Spätestens dann, wenn Ingenieure Teamleitungen übernehmen, spüren viele den Bedarf nach strukturierter "Nachhilfe" in Fragen der Kommunikation allgemein und allen Bereichen der Mitarbeiterführung und -motivation. Denn wenn von Führungskräften mit Persönlichkeit gesprochen wird, ist damit meist ihre reflexive Kompetenz gemeint, die es ihnen ermöglicht zu erkennen, was sie tun und warum sie es tun. Eine wichtige Voraussetzung, um Mitarbeiter zu motivieren. Befragungen zeigten deutlich, dass das Arbeitsklima, die Freude an der Arbeit, immer wichtiger wird und sogar bis zu einem gewissen Punkt monetäre Anreize überstrahlt.

Wer zahlt für die Weiterbildung?

Der Etat ist knapp und das laufende Geschäft geht vor. Wenn Vorgesetzte Mitarbeitern mit diesem Argument die Kostenübernahme für eine Weiterbildung verweigern, können sie ein Eigentor schießen. Motivation geht verloren, vielleicht auch für die Firma wichtiges Know-how wird nicht erneuert. Auf die betrieblichen Bedürfnisse eines Unternehmens abgestimmte Weiterbildungen sollten auch von den Unternehmen finanziert werden. Die Bindung an das Unternehmen, die Zufriedenheit mit dem Job und die Leistungsbereitschaft wird auch und nicht zuletzt durch die individuelle Förderung der Arbeitnehmer beeinflusst. Weiterbildungsangebote sind bereits in der Recruitingphase ein wichtiges Argument. Bewerber schauen selbstverständlich darauf, welche Entwicklungsmöglichkeiten ein Unternehmen bieten kann.

Dennoch erhalten technische Fach-und Führungskräfte nicht genügend Weiterbildung. Diese überraschende Ansicht vertraten knapp ein Drittel der Geschäftsführer und Personalverantwortlichen von Unternehmen, die das VDI Wissensforum im Rahmen der Umfrage "VDI-educating II" 2012 befragt hatte. Eine paradoxe Situation: Zwar waren fast alle befragten Geschäftsführer und Personaler überzeugt, dass die Qualifikation der Mitarbeiter für ihr Unternehmen ein wichtiger Wettbewerbsvorteil ist (98,2 Prozent) und Weiterbildung maßgeblich zum Unternehmenserfolg beiträgt (94,6 Prozent), dennoch gab ein Viertel der Befragten an, ihren Mitarbeitern in nicht ausreichendem Maße Weiterbildung anzubieten.

Finanzielle Förderung

Wenn die Weiterbildung vor allem der persönlichen Entwicklung und damit auch der Karriereplanung von Ingenieuren dient, ist eher Eigeninitiative und auch finanzielles Engagement gefragt. Wer beruflich in eine Sackgasse geraten ist und vielleicht nach bereits langen Berufsjahren durch Weiterbildung seine Qualifikation neu aufbauen möchte, muss sich natürlich über die Kosten Gedanken machen. Nicht zuletzt gibt es verschiedene Fördermöglichkeiten wie den Bildungsgutschein und die Bildungsprogramme der Länder. mehr

Trend zu Inhouse-Schulungen besteht weiter

Grundsätzlich gibt es in den Unternehmen schon länger den Trend, Trainings, Schulungen etc. als Inhouse-Veranstaltungen durchzuführen, um möglichst zeit- und kostensparend arbeiten zu können. Aber auch die Möglichkeiten der Technik (Stichwort E-Learning) werden voll genutzt und altersspezifische Lehrmethoden verfeinert, um den Bedürfnissen älterer Mitarbeiter gerecht zu werden. Konzerne und größere Mittelständler haben häufig ihre Weiterbildungseinrichtungen nach amerikanischem Vorbild in sogenannte Corporate Universities umgewandelt. Diese Akademien sind aber mit staatlichen Hochschulen nicht zu vergleichen, da ja allein den Unternehmensinteressen entsprechend weiter- und ausgebildet wird. Große Konzerne kooperieren meist mit besonders renommierten internationalen Ausbildungsstätten wie dem MIT (Massachusetts Institute of Technology), um ihrem Spitzenpersonal deren Ausbildungsstandard bieten zu können.

Mit den Hochschulen verbundene Weiterbildungseinrichtungen

Im Zuge ihrer marktorientierten Neuausrichtung hatten auch die staatlichen Universitäten und Fachhochschulen bereits in den 1990er Jahren das Thema Weiterbildung als Geschäftsmodell vorangetrieben, um eigene Manpower und Infrastrukturen gewinnbringend nutzen zu können. Seitdem sind viele Einrichtungen entstanden, die Ingenieuren zielgerichtete Angebote für Weiterqualifikationen anbieten. Für die inhaltliche Kompetenz spricht die personelle und räumliche Nähe zu Forschung und Lehre sowie zur regionalen Wirtschaft.

Orientierung

ingacedemy.de, das Weiterbildungsportal für Ingenieure, ermöglicht einen Überblick über ingenieurspezifische Angebote zur Weiterbildung in den fachlichen Themengebieten, aber auch im Managementbereich im weitesten Sinne.

Zeitbedarf der Weiterbildung richtig einschätzen

Zeit kostet Geld, heißt es so schön. Aber seine Zeit neben dem Beruf für Weiterbildung zu nutzen, bedeutet meist, dass Familie und Freunde zu kurz kommen, der eigene, auch notwendige, Müßiggang wegfällt. Darüber muss man sich im Klaren sein, damit es nicht zu Überlastungen und Frustrationen kommt. Mit Widerwillen und angezogener Handbremse in die Fortbildung reinzugehen macht wenig Sinn. Realistische Planung, ein gutes Zeitmanagement und ehrliche Absprachen mit dem Lebenspartner und je nach Situation auch mit dem Arbeitgeber verhindern hoffentlich Ärger und Frust.

Tipp: 
 Programmieren lernen in Online-Kursen

Welche Zuschüsse gibt es für eine Weiterbildung als Ingenieur?

Anzeige

von Dr. Manfred Bergheim

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Stellenangebote

Roof Systems Germany GmbH

Process Engineer (m/w)

Tröger + Cie. Aktiengesellschaft

Vertriebsingenieur (m/w) Antriebstechnik

Entwickler (m/w) für die Themen Luftführung / Kapselungen / Ölabscheidung

Schlatter Deutschland GmbH & Co. KG

Senior-Konstrukteur und Projektleiter Webtechnik (m/w)

Trainee Production Engines (f/m)

Hochschule Aalen

W2 Professur "Digitale Systemintegration im Maschinenbau"

Professur (W2) Fachgebiet "Elektrische Energieverteilung"

Technischer Angestellter (m/w) für die Planung von Elektroanlagen

Andreas KARL GmbH & Co. KG

Vertriebs- und Marketingleiter