04.09.2015   |

Karrierestrategie

Jobchancen für Ingenieure: was ist aus der Energiewende geworden?

Das große Jobwunder durch die Energiewende ist auch nach dem 2011 beschlossenen Ausstieg aus der Kernenergie ausgeblieben. Und in Folge dieses Strukturwandels gehen Arbeitsplätze in der alten Energiewirtschaft verloren. Dennoch: „Die erneuerbaren Energien haben sich zu einem wichtigen Wirtschaftszweig entwickelt, der in nennenswertem Umfang sowohl zur Wirtschaftsleistung als auch zur Beschäftigung in Deutschland beiträgt“, wie das Beratungsunternehmen DIW Econ in einer im April diesen Jahres erschienenen Studie über die gesamtwirtschaftlichen (Netto-) Beschäftigungseffekte der Energiewende feststellte. 

Nicht nur für die Absolventen expliziter Studiengänge, sondern auch für Ingenieure aus den Kerndisziplinen werden sich auf lange Sicht in zunehmendem Maße Jobchancen ergeben. 

Foto: iStock / Thinkstock

Jobchancen

Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung beträgt mittlerweile über 25 Prozent. Die Bundesregierung hat als Ziel ausgegeben, dass bis 2050 der gesamte Energiebedarf zu 60 Prozent durch erneuerbare Energien abgedeckt wird. Nicht nur für die Absolventen expliziter Studiengänge, sondern auch für Ingenieure aus den Kerndisziplinen werden sich somit auf lange Sicht in zunehmendem Maße Jobchancen ergeben. Längst beschäftigen sind nicht mehr nur klein- und mittelständische Unternehmen mit den Erneuerbaren, sondern auch die alten Energieversorger und große Unternehmen aus anderen Branchen haben entsprechende Geschäftsmodelle entwickelt.

Beschäftigungszahlen

Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) arbeiteten 2012 rund 380.000 Menschen in den verschiedenen Branchen rund um die Erneuerbaren. Davon hatten nach Schätzungen 20-35 Prozent einen akademischen Abschluss.

Vor allem durch die Krise in der Photovoltaikbranche gingen von 2012 auf 2013 ca. 40.000 Arbeitsplätze verloren. In der Bioenergiebranche blieb die Zahl mit rund 75.000 in etwa gleich, ebenso in der Geothermie und in der Wasserkraft, doch in den Unternehmen, die sich mit der Windenergie beschäftigen, arbeiteten 2013 mit rund 138.000 Beschäftigten so viele Menschen wie noch nie. Die Windenergiebranche hatte damit den größten Anteil an der Gesamtbeschäftigung in den Branchen der erneuerbaren Energien.

Die Anlagenherstellung sorgt mit insgesamt 230.800 Beschäftigten für die meisten Arbeitsplätze rund um die Nutzung der erneuerbaren Energien. Das Investitionsvolumen für die Anlagen stieg von 10,3 Milliarden im Jahr 2005 auf 16,1 Milliarden in 2013.

Wind

Cuxhaven freut sich, denn Siemens hat nun angekündigt, dort Gondelhäuser für Offshore-Windturbinen bauen zu wollen. Das kann endlich für eine ausreichende Auslastung des Offshore-Basishafen bedeuten, in den die Stadt gemeinsam mit dem Land Niedersachsen 200 Millionen Euro investiert hatte. In der Region sollen insgesamt bis zu 1.000 neue Arbeitsplätze entstehen, nicht zuletzt auch durch das prognostizierte Wachstum im Windservicemarkt, denn Turbinen und Umspannwerke müssen natürlich gewartet werden. Nach Angaben der AG Offshore-Windenergie gingen im ersten Halbjahr 2015 vor den deutschen Küsten 422 Windkraftanlagen mit 1765,4 MW Nennleistung ans Netz. Bis zum Jahresende sollen es 3,3 GW werden.

An Land hat wurden im vergangenen Jahr nach Angaben des Bundesverbandes Windenergie (BWE) sowie des Verbandes der Deutschen Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) 1.766 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 4.750 MW neu errichtet, allerdings wurden auch mindestens 544 alte Windenergieanlagen mit einer Leistung von 364 MW zurückgebaut.

Sonne

Die EEG-Anpassung 2012 wirkte wie eine Bremse für den Ausbau der Photovoltaik in Deutschland. Zwischen 2010 und 2012 waren jährlich jeweils mehr als sechs GW zugebaut worden, 2013 waren es dann nur drei GW. Vor allem wurden nun weniger große Anlagen gebaut, stellte das Leipziger Institut für Energie im vergangenen Jahr in einer Studie fest. Auch der von der Bundesregierung  angestrebte „Zubaupfad“ für 2015 werde wohl nicht erreicht.

Biomasse

Zwar wurden in den letzten 15 Jahren rund 7.000 der insgesamt 8.000 Biogasanlagen neu gebaut - wodurch immerhin  sieben Millionen Haushalte mit Strom versorgt werden können, zusätzlich erzeugen die Anlagen Wärme und liefern Biomethan als Kraftstoff. Doch für 2014 erwartete der Fachverband Biogas einen deutlichen Einschnitt im Neuanlagengeschäft. Die installierte Leistung von Biogas-Neuanlagen wird in den nächsten Jahren wohl nur wenige MW betragen.

Geothermie

Die Geothermie hat es schwer in Deutschland. Das theoretische Potenzial zur Strom- und Wärmeerzeugung ist groß, doch Kraftwerke mit tiefen Erdwärmesonden gibt es nur vereinzelt, und sie sind umstritten, da die Anwohner Angst vor Erdsenkungen und anderen Nachteilen haben. Die oberflächennahe Geothermie mit Kraft-Wärme-Kopplung hat einige erfolgreiche Pilotprojekte hervorgebracht. Doch Arbeitsplätze für Ingenieure in großer Zahl sind im Markt der Geothermie noch nicht möglich.

Netz und Speicher

IKT-Kompetenz wird im Energiesektor zukünftig noch wichtiger sein. Smart Grid-Produkte sollen dafür sorgen, dass die dezentralisierte Einspeisung in die Stromnetze funktioniert und diese effizienter genutzt werden können. Serviceaufgaben und Instandhaltung für die vielen größeren Anlagen und die vielen dezentralen Kleinanlagen zur Strom-und Wärmeerzeugung werden auch für Ingenieure Arbeitsplätze schaffen.  

Die Entwicklung, Fertigung und der Betrieb bzw. die Wartung von Speicheranlagen für Strom und Wärme werden mitentscheidend sein für die umfassende Nutzung erneuerbarer Energien.

Gehalt und Arbeitsbedingungen

Für die Verdienstmöglichkeiten der Ingenieure sind die Betriebsgröße oder ganz einfach die Marktperspektiven eines Unternehmens entscheidend. Große neu entstandene Mittelständler im Windenergiemarkt werden Ingenieure entsprechend ihrer Qualifikationen und ihrer Berufserfahrung im Vergleich zu anderen Branchen adäquat bezahlen, eher noch ein bisschen besser. Und die Entgelte der Ingenieure in den großen etablierten Konzernen werden nicht geringer sein als in den tradierten Märkten - zumal oft tarifliche Regelungen bestehen. Die IG Metall Küste hat über eine Umfrage ermittelt, dass immerhin 56 Prozent der Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung sich angemessen bezahlt fühlen, 97 Prozent bezeichnen ihren Lebensstandard als gut. Aber 81 Prozent der Befragten leisten regelmäßig Überstunden. Dies ist auch in anderen Branchen der Erneuerbaren wohl üblich und normal. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat Daten der Bundesagentur für Arbeit ausgewertet und damit das Gehaltsgefüge untersucht. Die Energiewende sorgte demnach beispielsweise in der Bauinstallationsbrache sowie in Architektur- und Ingenieurbüros für vergleichsweise gut bezahlte Jobs mit hohen Qualifikationsanforderungen. Die Gehälter liegen durchschnittlich 10 Prozent höher als in Vergleichsbetrieben. Aber wenn (junge) Unternehmen etwa in der Solarbranche unter Druck geraten, entscheiden diese Rahmenbedingungen natürlich auch über die Gehälter der Ingenieure.

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von Dr. Manfred Burazerovic

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