22.04.2005   |

Berufliche Entwicklung

Führungskraft oder fachliche Karriere?

Nicht jeder junge Ingenieur peilt die schnelle Karriere als Führungskraft an. Wer das seinem Arbeitgeber zu früh signalisiert, bleibt unter Umständen bei zukünftigen Personalentwicklungsmaßnahmen links liegen. Schnell werden ihm fehlende berufliche Ambitionen unterstellt. Das gilt besonders, wenn der Vorgesetzte den jungen Ingenieur zur Führungskraft aufbauen will.

Karriere als Führungskraft: Bis Mitte 30 starten!

Foto: iStock / Thinkstock

Wie sollte sich der Ingenieur in einer solchen Situation verhalten, wenn er sich zur Führungskraft entwickeln möchte? Es gibt viele Gründe, warum Ingenieure die frühe Managementkarriere ablehnen. So ist es nachvollziehbar, dass sich anfangs von der Technik begeisterte Maschinenbau-, Verfahrens- oder Elektrotechniker in der Praxis beweisen wollen und in Aufgaben der Forschung, Entwicklung oder Konstruktion voll aufgehen.

Führungskraft oder fachliche Expertise?

So kann man sich gut vorstellen, dass ein Ingenieur der Fahrzeugtechnik lieber in der Versuchsabteilung arbeitet und sich mit dem neuesten schweren LKW-Modell auf die Schlechtwegstrecke zum Test begibt, statt als Führungskraft in Management-Meetings zu sitzen.

Die Crux der Sache? Wer als begeisterter Ingenieur an der technischen Basis überzeugende Leistungen bringt, empfiehlt sich häufig dem Management als Führungskraft für „höhere“ Aufgaben. Dies können anspruchsvollere Projekte sein, es kann sich aber auch um Managementaufgaben handeln, die den Ingenieur weit von der Technik wegführen. Es stellt sich dem Ingenieur die Frage, ob er ein derartiges Angebot überhaupt ausschlagen kann und ob für ihn die Karriere im Unternehmen gelaufen ist, wenn er ablehnt.

Karriere als Führungskraft bis Mitte Dreißig starten

Generell ist festzustellen: Eine Karriere als Führungskraft kann noch im Alter von Mitte bis Ende Dreißig eingeleitet werden. Ein zu schneller Abstand zur Technik verbaut Nachwuchsinge-nieuren die fachliche Karriere, insbesondere dann, wenn nur geringe praktische Erfahrungen vor und während des Studiums gemacht wurden. Geht das Experiment im Management daneben, sind häufig die Türen für die fachliche Karriere verschlossen. So können bereits zwei Jahre Abstinenz von konstruktiven Aufgaben ein schweres Hindernis darstellen. Guter Rat ist teuer, wenn es jetzt um die Frage geht, wie die Karriere fortzusetzen ist?

Viele Beispiele aus der Praxis zeigen, dass sich fachlich hervorragende Ingenieure durchaus eine sehr gute Ausgangsbasis für eine spätere Karriere als Führungskraft schaffen. Da gibt es den Produktionstechniker, der sich über Jahre als Ingenieur-Sachbearbeiter mit der Optimierung eines Produktes beschäftigte. Sein Produkt benötigte letztlich neue Produktionsanlagen, die er beschaffte und federführend aufbaute. Später managte er die Produktionslinie. Sein Produkt wurde zur Erfolgsstory und er steigt zum Leiter der Gesamtproduktion und in die Geschäftsführung auf.

Durch die fachliche Karriere zur Führungskraft

Ein anderes Beispiel ist die Entwicklung eines Verfahrensingenieurs, der sich über lange Zeit Erfahrungen im Anlagen-Engineering, der Produktion, der Wartung und Instandhaltung als Betriebsbetreuer und Betriebsingenieur holte. Aufgrund seines breiten und tiefen Wissens wird er mit 40 Jahren Leiter der Technik in einem größeren Unternehmen und steigt so zur Führungskraft auf.

Mit anderen Worten: Für die fachliche Karriere kann es für jüngere Ingenieure schnell zu spät sein, verlieren sie erst einmal die Tuchfühlung zur Technik. Die Karriere im Management oder als Führungskraft kann durchaus ein paar Jahre warten. Der Zug ist dann noch nicht abgefahren. Wer sich als Ingenieur in der ersten acht bis zehn Jahren nicht in der Managementschiene sieht, sollte dies seinem Vorgesetzten klar mitteilen. Parallel dazu sollte er sich für technisch anspruchsvollere Aufgaben anbieten und signalisieren, dass er durchaus bereit ist, Projekte in Regie zu übernehmen, sofern sich diese ganz klar in der Nähe der Technik abspielen.

Beim eigenen Arbeitgeber wird dies im Normalfall zu keinen Konsequenzen führen. Schließlich wird er froh sein, den Fachmann an der Basis zu haben. Bleiben die Türen später für die Entwicklung zur Führungskraft verschlossen, kann immer noch das Unternehmen gewechselt werden.

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von Bernd Andersch, Karriere-Coach, Düsseldorf

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