17.10.2016   |

Karrierestrategie

Der verdeckte Stellenmarkt: Expertentipps zur Jobsuche

Was tun Ingenieure, wenn sie sich auf Stellensuche begeben? Sie surfen stundenlang im Internet auf der Suche nach einer passenden Stelle, schreiben eine optimale Bewerbung nach allen Regeln der Kunst und versenden sie. Nachdem sie ja gute Voraussetzungen mitbringen und auch bewerbungstechnisch alles richtig gemacht haben, gehen sie davon aus, dass ihnen der Job schon so gut wie sicher ist.

Eine gute Sichtbarkeit erhöht die Jobchancen!

Foto: iStock / Thinkstock

Verdeckter Stellenmarkt versus offene Stellenausschreibung

Was geschieht aber auf der anderen Seite bei der Firma, die die Ingenieur-Stelle ausgeschrieben hat? Dort landet die Bewerbung in einem mehr oder weniger großen Stapel von zahlreichen Mitbewerbern, die auch nicht schlecht sind. Anschließend siebt die Firma aus: nach Untersuchungen werden überhaupt nur vierundzwanzig Bewerbungen näher inspiziert, ca. sieben Bewerber werden zum Vorstellungsgespräch eingeladen, einer bekommt die Stelle. Obwohl die formalen Voraussetzungen gut auf die Position gepasst haben, ist die Wahrscheinlichkeit groß, aufgrund der zahlreichen Mitbewerber aussortiert zu werden und eine Absage zu erhalten. Die Chance ist 1 zu X, dass Sie auf diese Art eine Stelle finden.

Setzen Sie nicht zu stark auf Bewerbungen!

Auch wenn das immer noch wenig bekannt ist: Bewerbungen auf offene Ausschreibungen sind die schlechteste Methode, einen Job zu bekommen, weil Stellensuchende hier die meisten Mitbewerber haben und daher die schlechtesten Chancen, zu einem Gespräch eingeladen zu werden! Nehmen Sie es also nicht persönlich, wenn Sie trotz einer noch so schön gestalteten Bewerbung und scheinbar guten fachlichen Voraussetzungen dennoch eine Absage erhalten. Nehmen Sie es erst recht nicht persönlich, wenn Sie fachlich keine guten Voraussetzungen haben. Bewerbungen sind nur einer der Wege nach Rom. Die meisten Stellensuchenden setzen allerdings immer noch viel zu stark auf das klassische Bewerbungssystem. Dabei werden nachweislich die meisten Stellen gar nicht durch den "offenen Stellenmarkt", also Bewerbungen auf Stellenausschreibungen im Internet und in Zeitungen, besetzt.

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Wie entstehen Stellen?

Diese nachweisbare Tatsache wirft die entscheidende Fragen auf: Wie entstehen Stellen eigentlich? Und wie werden sie wirklich besetzt? Eine Stelle entsteht mehr oder weniger plötzlich, zum Beispiel durch die Kündigung eines Mitarbeiters, Zusatzaufträge, den drohenden Absprung von Kunden wegen Problemen bei der Lieferung oder mit der Qualität, durch Anforderungen wegen einer neuen Gesetzeslage. Allerdings ist die Stelle zunächst nur im Kopf eines Chefs. die Stelle existiert zwar, ist aber nicht offen ausgeschrieben. Erfahrungsgemäß erkundigt sich ein Arbeitgeber zunächst in seiner Umgebung, um die Mühen und Risiken eines langen Auswahlprozesses zu vermeiden: kennt jemand jemanden, der diese Stelle besetzen könnte? Wie war der letzte Praktikant? Hat nicht jemand neulich erzählt, sein früherer Kollege wolle sich verändern? Diese direkte Vorgehensweise hat für Arbeitgeber viele Vorteile: sie funktioniert schneller, ist preiswert und führt auch zu verlässlichen Kandidaten, denn niemand wird einen Versager empfehlen. Mitarbeiter, Kollegen, der Freundes- und Bekanntenkreis, Steuerberater und andere Personen erfahren also als Erste von freien Stellen.

Diese Situation ist entscheidend für das Verständnis des verdeckten Stellenmarkts: Wenn Sie es schaffen, dass irgendjemand an Sie denkt und Ihr Name fällt, haben Sie die besten Karten. Sie haben hier kaum Konkurrenz und damit die größten Chancen, zu einem Gespräch eingeladen zu werden. So können Sie Stellen ergattern, die Sie normalerweise nie bekommen hätten. Nur, wenn ein Arbeitgeber keinen passenden Ingenieur findet, schreibt er die Stelle schließlich offen aus. So gelangt sie auf den "offenen Stellenmarkt". Aber dann ist es in der Regel zu spät: in einem Stapel hat man kaum Überlebenschancen, erst recht als Nicht-Idealkandidat.

Machen Sie sich sichtbar

Was können Sie selbst dazu beitragen, um in der entscheidenden Zeitspanne ins Spiel zu kommen? Das entscheidende Schlüsselwort: arbeiten Sie an Ihrer Sichtbarkeit!

Im Internet:

Nutzen Sie social media Kanäle wie Xing, LinkedIn, Facebook, fachliche Blogs um Ihre beruflichen Fähigkeiten und Kompetenz zu präsentieren. Tragen Sie Ihr Profil in Bewerberdatenbanken ein und bei bei professionellen Personalberatern, Zeitarbeitsfirmen und auch bei der Arbeitsagentur. Seien Sie kontaktierbar und halten Sie das Profil aktuell.

CV-Datenbank für Ingenieure

Im privaten Umfeld:

Informieren Sie Freunde und Bekannte was Sie sich für Ihre berufliche Zukunft vorstellen und was Sie leisten können, je konkreter desto besser. Ihr Bekannten- und Freundeskreis netzwerkt für Sie mit.

Im beruflichen Umfeld:

Gehen Sie auf Messen, Kongresse, Fachtagungen etc., seien Sie auf so vielen Events wie möglich. Dort können Sie potenzielle Arbeitgeber direkt ansprechen, sich inhaltlich und fachlich profilieren und sich noch weiter vernetzen. 

Je mehr Sie auf dem verdeckten Stellenmarkt tun, je aktiver Sie sind, je mehr Sie Ihre Sichtbarkeit steigern, desto wahrscheinlicher ist es, dass Sie eine Stelle zu finden.

Für Personen, die aufgrund "lebenslauftechnische Handicaps" normalerweise in einem Stapel keine Chance bekommen, zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden, sind also die Aktivitäten auf dem verdeckten Stellenmarkt die besten Möglichkeiten, frühzeitig von Stellen zu erfahren und eine neue Stelle zu finden.

Tipp:
Muster Lebenslauf für die klassische Bewerbung

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von Madeleine Leitner

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