08.02.2002   |

Rechtliches zum Zwischenzeugnis

Auch ein Zwischenzeugnis ist bindend

Arbeitnehmer erhalten häufig ein gutes Zwischenzeugnis. Das Abschlusszeugnis fällt nicht selten dagegen eine ganze Note schlechter aus. Dabei ist es meist unerheblich, wie lange die Ausstellung eines Zwischenzeugnis’ her ist. Aber wie soll der Arbeitnehmer reagieren?

Der Arbeitnehmer darf das Zwischenzeugnis selbst schreiben.

Foto: iStock / Thinkstock

Ein Arbeitnehmer kann grundsätzlich nicht durchsetzen, dass er in einem Endzeugnis den gleichen Wortlaut erhält wie im Zwischenzeugnis, auch wenn das Zwischenzeugnis erst vor kurzem erstellt wurde. Es steht dem Arbeitgeber frei, neu zu formulieren. Die meisten Arbeitgeber werden allerdings keinen Doppelaufwand betreiben. Nur – vom Zwischenzeugnis geht eine Bindungswirkung aus.

Nehmen wir an, ein Arbeitnehmer war vier Jahre beschäftigt. Nach dreijähriger Tätigkeit wurde ihm ein gutes Zwischenzeugnis ausgestellt. Dann ist es nicht ohne weiteres möglich, dass er ein Jahr später über die Gesamtzeit nur ein befriedigendes Zeugnis erhält. Weniger verbindlich wäre das Zwischenzeugnis, wenn es bereits nach einem Jahr ausgestellt worden wäre. Aber wie sieht es in den „berühmten“ Fällen aus?

Wie fällt das Zwischenzeugnis im Trennungsfall aus?

Es geht um die Trennung von einem Mitarbeiter. Es wird über einen Aufhebungsvertrag verhandelt. Jetzt kommt der Arbeitnehmer mit dem Wunsch, ein Zwischenzeugnis ausgestellt zu bekommen. Drei Monate später fällt das Abschlusszeugnis deutlich schlechter aus. Von dem zuvor erstellten Zwischenzeugnis geht jetzt eine ganz erhebliche Bindungswirkung aus. Wer dem Richter in einem solchen Fall ein wesentlich besseres Zwischenzeugnis vorlegen kann, hat sehr gute Karten, dass der Arbeitgeber nachbessern muss!

Das Wort Zwischenzeugnis taucht in den einschlägigen Paragraphen nicht auf. Gibt es demnach überhaupt den Anspruch auf ein Zwischenzeugnis? Für Arbeitnehmer gibt es tarifvertragliche Regelungen. Aber die sind so wachsweich, dass sich hier erneut ein Ansatzpunkt zu Streitigkeiten zeigt. Bei Außertariflichen ist der Arbeitgeber verpflichtet, ein Zwischenzeugnis auszustellen. Allerdings muss der Arbeitnehmer immer einen gewichtigen Grund haben wie Versetzung, Wechsel des Vorgesetzten oder er sagt offen, dass er gehen will. Letzteres ist allerdings sehr unklug, da kein Arbeitgeber in einer Bewerbung ein Zwischenzeugnis des aktuellen Arbeitgebers erwartet.

Der Arbeitnehmer darf das Zwischenzeugnis selbst schreiben

Um von vornherein größere Auseinandersetzungen bei Inhalt und Bewertungen von
Arbeitszeugnissen zu umgehen, sollte der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber anbieten, das
Zwischenzeugnis selbst zu erstellen. Dies ist eine durchaus übliche Praxis. Vorteil für den Arbeitgeber ist dann, dass er sich nicht mit diesem für ihn im Grunde völlig unwichtigen Problem lange auseinandersetzen muss. Schreibt ein Arbeitnehmer sein Zeugnis selbst, sollte er sich allerdings vorab von einem Fachmann zum Zeugnisentwurf beraten lassen.

Anzeige

von Bernd Andersch, Karrierecoach, Aachen

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Stellenangebote

Spezialist (m/w) Assistenzsysteme & Autonome Operationen

TE Connectivity Sensors Germany GmbH

Development Engineer (m/f)

Ingenieure (w/m) für Elektrotechnik / Versorgungstechnik (HKLS) im Bereich Gebäudemanagement

Data Engineer Software (m/w)

Stadtwerke Velbert GmbH

Abteilungsleiter (m/w) Gas / Wasser (Netzbetrieb)

AUMA Riester GmbH & Co. KG

Ingenieur (m/w) Zertifizierung / Funktionale Sicherheit

Mitarbeiter (m/w)

MED-EL Medical Electronics

Werkzeugbautechniker (m/w) Spritzguss

AUTOLIV B.V. & Co. KG

Ingenieur für funktionale Sicherheit (m/w)