17.07.2015   |

Karrierestrategie

Absolventen aus Aachen und München am begehrtesten

Foto: PantherMedia

Hochschule ist nicht gleich Hochschule

Personaler unterscheiden sehr genau, an welcher Hochschule ein Bewerber seinen Abschluss erworben hat. Punkten kann, wer aus einer Münchner oder Aachener Schmiede kommt. Das sagen jedenfalls die 540 Personaler, die das Beratungsunternehmen Universum zu einer Einschätzung der deutschen Hochschullandschaft befragte. Sie haben klare Favoriten. Wer wissen will, wie nah die eigene Hochschule an den Bedürfnissen der Wirtschaft ausbildet, sollte sich die Tabellen weiter unten genau ansehen. Aber zunächst zu den allgemeinen Ergebnissen.

Angesagte Universitäten für Ingenieure

Bei den Universitäten haben zwei alte Bekannte die Nase vorn: Die RWTH Aachen belegt in den Fachrichtungen Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen den ersten Rang. Jeweils rund ein Viertel der Befragten sahen die RWTH, die übrigens die größte Universität für technische Studiengänge in Deutschland ist, vor der Konkurrenz. Bei den Studiengängen Elektrotechnik, Wirtschaftsinformatik und Informatik vertrauen die deutschen Personaler am liebsten auf die TU München. Besonders einig waren sie sich bei der Fachrichtung Elektrotechnik: 27% halten die Technische Universität München in diesem Fach für den absoluten Spitzenreiter. Die RWTH Aachen verlor ihren Spitzenplatz vom letzten Jahr und fiel von 37% Zustimmung auf nun 23%.
Der große Verlierer in der Unternehmensgunst ist aber der Liebling des letzten Jahres: das Karlsruher Institut für Technologie. Das KIT landete in keinem der Fächer, die es letztes Jahr anführte, ganz vorne. Zumindest einen dritten Platz konnte das KIT sich im Fach Wirtschaftsingenieurwesen sichern. Mit einem vierten Platz muss es sich dagegen in den Fachrichtungen Maschinenbau und Elektrotechnik begnügen.

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Quelle: Universum-Hochschulranking 2015
 

Angesagte (Fach-)Hochschulen für Ingenieure

Auch bei den (Fach-)Hochschulen verteilt sich die Gunst der Wirtschaft für die Ingenieurwissenschaften klar auf zwei Hochschulen. Die Hochschule München punktet in den Fachrichtungen Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftsingenieurwesen und Informatik. Obwohl die Zustimmungen mit Werten zwischen 18% und 13% deutlich geringer ausfallen als bei den Universitäten, bei denen die Personaler offensichtlich klarere Favoriten haben. Dasselbe Bild zeigt sich bei der Elektrotechnik und dem Maschinenbau, die von der Fachhochschule Aachen angeführt werden. Jeweils rund 13% der Personaler sehen die FH Aachen in diesen Fachrichtungen vor der Konkurrenz.
Letztes Jahr war das Feld noch wesentlich breiter verteilt. Jede ingenieurwissenschaftliche Fachrichtung wurde von einer anderen Hochschule angeführt. Über alle Fachrichtungen hinweg lassen sich dennoch auch im Jahr 2014 Lieblinge ausmachen: So brachten es sowohl die HS Karlsruhe als auch die HTW Berlin und die FH Aachen jeweils dreimal unter die Top Drei Hochschulen 2014.So gesehen hat sich die FH Aachen im Jahresvergleich leicht verbessert, während die HS Karlsruhe deutlich verlor. Die HTW Berlin schafft es 2015 immerhin in jeder Disziplin unter die Top Ten.

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Quelle: Universum-Hochschulranking 2015

 
Persönlichkeit auch irgendwie wichtig

Neben der akademischen Herkunft ist für die befragten Personalverantwortlichen vor allem die Art des Abschlusses entscheidend. Irgendwie klar – ob der Bewerber einen Bachelor, einen Master oder ein Diplom vorweisen kann, interessiert die Unternehmensleute. Auch, mit welcher Note die Abschlussprüfung abgelegt wurde, wird geprüft. Und natürlich zählen schließlich innere Werte: Die Persönlichkeit des Bewerbers steht ganz oben auf der Checkliste der Personaler. Schließlich soll der Kandidat nicht nur fachlich, sondern vor allem menschlich ins Team passen. Absolventen staatlicher Hochschulen sollen ihren Altersgenossen aus privaten Hochschulen hier eine Nasenlänge voraus sein. Ein Großteil der Personaler bescheinigt ihnen einen Vorteil beim Thema Kollegialität und Teamfähigkeit.
Weitere Kriterien, die den Wirtschaftsvertretern wichtig sind: Praxiserfahrung und fließende Englischkenntnisse. Da wiederum seien die Absolventen privater Hochschulen im Vorteil, sie hätten in ihrer Studienzeit im Schnitt mehr Auslandserfahrung gesammelt als die Absolventen staatlicher Hochschulen. Wenn Persönlichkeit, Abschlussnote und Englischkenntnisse aber passen, machen Personaler keinen Unterschied zwischen den Hochschulformen. Dann können sie sogar über die Absenz einer Promotion, einen fehlenden MBA-Abschluss oder mangelnde weitere Fremdsprachen hinwegsehen.

Absolventen steht Tür zum Arbeitsmarkt offen

Anhand der Tabellen wird offensichtlich, welche Hochschulen ihre Absolventen am besten für die Bedürfnisse der Unternehmen ausbilden. Zumindest aus Sicht der 540 Personaler, die ihre Einschätzung im Zuge der Universum-Studie abgegeben haben. 60% sagen zudem, dass Absolventen wirtschaftsnaher Studiengänge gute oder sehr gute Chancen haben, einen entsprechenden Arbeitsplatz zu finden. Universum-Deutschland-Chef Stefan Lake sagt, die Absolventen hätten auf dem Arbeitsmarkt derzeit gute Karten. Wer über die richtigen Softskills verfüge und einen akademischen Abschluss in einem wirtschaftsnahen Fachbereich vorweisen könne, müsse sich um einen Arbeitsplatz in der Regel keine Sorgen machen.
Gerade für Ingenieure und Informatiker hat sich das Blatt ohnehin zum Besten gewendet. Die Unternehmen streiten sich eher um die größten Talente, als dass die Bewerber vor verschlossenen Türen stehen. Auch wer an keiner der Top-Ten-Hochschulen studiert, kann sich also Hoffnungen auf einen guten Job machen. Die Wahl der Hochschule spielt nur eine Rolle im großen Stück der Einstellungsentscheidung.

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von Lisa Schneider

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