25.04.2017   |

Einkommensstudie 2017

Wie viel verdient ein Bauingenieur?

Bauingenieure bleiben mit ihren Einkommen über der magischen Grenze. Und es gibt Hoffnung auf weitere Einkommensbesserung. Wir zeigen Ihnen, welche Faktoren das Gehalt des Bauingenieurs beeinflussen.

Bau TÜV Rheinland

 Eine höhere Position wirkt sich positiv auf das Einkommen aus.

Foto: TÜV Rheinland

Laut der aktuellen Gehaltsstudie von ingenieurkarriere.de verdiente ein Bauingenieur ebenso wie eine Bauingenieurin mit Berufserfahrung im Jahr 2016 durchschnittlich rund 50.400 EUR. Damit blieben die Gehälter der Ingenieure im Baugewerbe über der magischen Grenze von 50.000 EUR brutto. Die Einstiegsgehälter im Baugewerbe halten ebenfalls ihr im Vorjahr erreichtes Niveau: Sie liegen bei rund 41.500 EUR, einem Rekordwert seit Beginn der Erhebung 2002.

Ein Blick auf die Entwicklung der letzten Jahre suggeriert, dass sich die Baubranche – und mit ihr das Gehalt für Bauingenieure – stabilisiert. Wir zeigen Ihnen, welche Faktoren Ihr persönliches Gehalt als Bauingenieur wirklich beeinflussen und welchen Unterschied es zwischen den Geschlechtern gibt. Von der allgemeinen Branchenentwicklung über die Wahl Ihres Arbeitgebers bis zur vertraglich geregelten Arbeitszeit.

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Gehaltsentwicklung:  Die Krise im Baugewerbe dämpft die Gehälter

Bauingenieure mussten in den Jahren 2002 bis 2005 hohe Gehaltseinbußen hinnehmen. Das Brutto-Jahresgehalt eines Bauingenieurs mit mehr als zwei Jahren Berufserfahrung sank in diesem Zeitraum von 57.500 EUR auf 41.500 EUR. Das entspricht auf dem Gehaltszettel einem Minus von satten 27%. Seither stiegen die Gehälter zwar wieder kontinuierlich an, erreichten aber bis zuletzt nicht mehr das Vorkrisenniveau. Die aktuelle Gehaltsstudie weist für das Baugewerbe ein durchschnittliches Ingenieurgehalt von knapp 50.400 EUR brutto im Jahr aus.

Gehaltsvergleich: Unterdurchschnittliches Entgelt in der Bauwirtschaft

Trotz aller Freude über den Anstieg der vergangenen Jahre: Erfahrene Bauingenieure werden deutlich geringer entlohnt als ihre Kollegen anderer Fachrichtungen. Im Schnitt verdienen Ingenieure in anderen Branchen 11.200 EUR brutto mehr im Jahr. Denn die taumelnde Verdienstentwicklung beim Bauingenieur steht dem Trend steigender Ingenieureinkommen gegenüber. Im Maschinen- und Anlagenbau bringen es berufserfahrene Ingenieure etwa auf einen Jahresverdienst von 62.700 EUR, In der Energieversorgung sind es gar 64.850 EUR. Dennoch lohnt ein Studium, wenn der Traumberuf im Baugewerbe liegt. Denn ein Bautechniker erhält üblicherweise rund 40.000 EUR Jahreslohn.

Vergleichbar mit den Ingenieureinkommen im Baugewerbe sind die Gehälter in Ingenieur- und Planungsbüros, die ein durchschnittliches Jahresentgelt von 50.500 EUR beziehen. Diese Parallele kommt keineswegs von ungefähr: Viele Bauingenieure sind nicht direkt in der Bauwirtschaft, also den großen Bauunternehmen wie Hochtief, Züblin oder Bilfinger beschäftigt, sondern bei Planungs- und Ingenieurbüros. Sie fungieren ebenso wie die vielen freiberuflich tätigen Bauingenieure als Dienstleister der Bauindustrie.

Für alle mit der Planung von Bauprojekten beauftragten Freien gilt in Deutschland die „Honorarordnung für Architekten und Ingenieure“ (HOAI). Sie gewährleistet sowohl ein verbindliches Preisniveau als auch die Möglichkeit, festgelegte Honorare vor Gericht einzuklagen. Die Bundesarchitektenkammer beziffert den durchschnittlichen Jahresverdienst eines selbstständigen Architekten auf 45.000 EUR. Klingt gut, aber die Kosten und Mühen von Freiberuflern dürften das Plus gegenüber den fest angestellten Kollegen wieder aufwiegen.

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Einstiegsgehalt: Berufseinsteiger haben das Gehaltsniveau der Vorkrisenzeit erreicht

Die Durststrecke auf der Gehaltsabrechnung traf Berufseinsteiger im Baugewerbe etwas weniger hart. Die Einstiegsgehälter brachen von 2002 bis 2006 zwar ebenfalls um ein Viertel ein, erholten sich aber schneller als die Einkommen der Berufserfahrenen. Seit 2012 verdienen Berufseinsteiger im Baugewerbe im Durchschnitt wieder so viel wie vor der Krise. Im Jahr 2016 wiesen die Gehaltszettel ein durchschnittliches Einstiegsgehalt von 41.500 EUR auf und festigten damit ein neues Einkommensniveau.

Einstiegsgehalt durch Abschluss beeinflussbar

Ein Stück weit kann man sein Einstiegsgehalt selbst beeinflussen, nämlich durch den eigenen akademischen Abschluss. Wer nach dem Bachelor aussteigt, erhält im Schnitt 3.000 EUR weniger als der Kollege mit wissenschaftlichem Hochschul-, sprich Masterabschluss. Der hat sich inzwischen über dem Niveau des Dipl.-Ing. eingependelt und scheint damit seinen angedachten Platz in der Wirtschaft zu finden. Nebenbei dreht noch die Wahl der Hochschule an der Gehaltsschraube: Abschlüsse an Universitäten und Technischen Hochschulen werden geringfügig besser dotiert als solche an Fachhochschulen.

Bei all diesen Faktoren, von den Bologna-Abschlüssen über die Hochschulform bis zur Promotion, sollte man bedenken, dass es am Ende immer auf die jeweils angestrebte Position in der Arbeitswelt ankommt, welche Kriterien als Plus- und welche als Minuspunkt wahrgenommen werden. Schließlich kann man nicht nur unter-, sondern auch überqualifiziert sein – gerade wenn viele Studienjahre, aber noch keine Berufserfahrung nachgewiesen werden kann.

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Vertikale Karriereschritte erhöhen das Gehalt

Ein Großteil der Berufseinsteiger ist als Fach- oder Projektingenieur angestellt, d.h. als Mitarbeiter eines Projektteams. In diesen Positionen zahlt das Baugewerbe im Schnitt Brutto-Jahresgehälter um die 45.000 EUR, wobei Berufseinsteiger niedriger eingestuft werden als berufserfahrene Kollegen. Der Gehaltszettel eines Projektmanagers im Baugewerbe weist bereits rund 55.350 EUR auf, der eines Gruppen- oder Teamleiter entsprechend mehr.

Eine höhere Position füllt das Portmonee eines Bauingenieurs damit deutlich schneller als eine langjährige Berufserfahrung auf ein und derselben Position. Das liegt daran, dass mit der höheren Position meist auch eine größere Mitarbeiterverantwortung einhergeht. Die Faustregel besagt: Je höher die Position und je größer die Mitarbeiterverantwortung, desto besser ist das Gehalt. Leider verläuft die persönliche Karriereplanung selten unabhängig von der konjunkturellen Entwicklung der eigenen Branche. Und die Baubranche ist alles andere als leicht berechenbar.

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Turbulente Branchenentwicklung im Bau lässt Einkommen einbrechen

Während die Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2008 den meisten Branchen massive Umsatzeinbußen bescherte, konnte das Baugewerbe seinen Umsatz sogar steigern. Grund waren die hohen Investitionen des Bundes in die Infrastruktur und in öffentliche Bauten. Die Gehaltsabrechnung der Bauingenieure zeichnete diese Entwicklung weitgehend nach. Die positive Einkommensentwicklung legte von der Finanzkrise bis zum erneuten Einbruch 2013 nur einmal eine kleinere Verschnaufpause ein. Und auch die Arbeitslosenzahlen entwickelten sich sehr positiv. Entgegen der allgemeinen Entwicklung nahm die Arbeitslosigkeit im Berufsfeld Bau, Architektur und Gebäudetechnik in den Jahren 2007 bis 2015 um rund 40% ab.

Um den unterdurchschnittlichen Lohn der Bauingenieure zu erklären, muss man also die Zeitachse noch etwas weiter zurückgehen, genau genommen 13 Jahre bis ins Jahr 2002. Während alle übrigen Ingenieurbranchen ab diesem Zeitpunkt ein kontinuierliches Umsatzplus verzeichneten, taumelte die Baubranche in eine Krise. Innerhalb von zwei Jahren fiel der Branchenumsatz zuerst um 18%, um sich dann bis 2006 gerade einmal zu berappeln. Die Anzahl sozialversicherungspflichtig beschäftigter Architekten und Bauingenieure nahm in diesem Zeitraum um über 28% ab. Und auch die Gehälter traf dieser Konjunktursturz schwer: Sie brachen zunächst um 27% auf 42.000 EUR ein und haben sich bis heute nicht gänzlich von dieser Talfahrt erholt.

Augen auf bei der Wahl des Arbeitgebers

Nun haben Arbeitnehmer wenig Einfluss auf die Entwicklung einer Branche oder gar der Konjunktur. Aber an einer Stellschraube lässt sich wunderbar drehen: der Wahl des Arbeitgebers. Denn die Größe des Unternehmens, für das ein Ingenieur tätig ist, ist auch ausschlaggebend für die Höhe der Vergütung. So zahlen mittlere Unternehmen mit einer Beschäftigtenzahl zwischen 50 und 250 durchschnittliche Jahresgehälter von 44.900 EUR. Bei Konzernen mit mehr als 5000 Mitarbeitern können sich Bauingenieure an allgemeinen Durchschnittslöhnen von 51.700 EUR orientieren, wobei die Spannbreite vom unteren zum oberen Quartil mehr als 12.000 EUR ausmacht.

Dennoch gilt über alle Branchen hinweg: Je größer das Unternehmen, desto mehr wird am Monatsende gezahlt. Natürlich kann man nun sagen, die kleineren Wettbewerber zahlen zwar weniger, haben aber mindestens ebenso spannende Tätigkeiten für Bauingenieure zu bieten wie die Großen (und man läge damit sicherlich richtig). Aber in Hinblick aufs Gehalt gilt: Ein kleines Unternehmen bzw. Planungsbüro, das in einer strukturschwachen Region angesiedelt ist, zahlt im Schnitt geringere Löhne als die großen Wettbewerber.

Im Westen wird mehr Gehalt gezahlt

In Deutschland gibt es auch 26 Jahre nach dem Mauerfall noch ein deutliches West-Ost-Gefälle. Die Ingenieurgehälter sämtlicher ostdeutscher Bezirke – mit Ausnahme des Bezirks rund um Frankfurt an der Oder und Neubrandenburg – liegen unterhalb des Gehaltsniveaus im Westen der Republik. Die besten Chancen im Gehaltspoker kann sich also der Bauingenieur ausrechnen, der bei einem großen Unternehmen im Westen Deutschlands anheuert. Zumindest theoretisch. Wenn da nicht all die anderen Einflussfaktoren wären.

Hier gibt’s die höchsten Ingenieurgehälter Deutschlands

Die Bauingenieurin holt auf

Kaum ein anderer Ingenieurzweig zieht so viele Frauen an wie das Bauingenieurwesen. Rund ein Drittel der Bachelor- und Masterabsolventen, diej jedes Jahr aus den Hochschulen kommen, sind weiblich. In einer verwandten technischen Fachrichtung hat sich das Verhältnis sogar schon umgekehrt: Seit einigen Jahren schließen deutlich mehr Frauen ein Studium der Architektur und Innenarchitektur ab als Männer.

Gehaltstechnisch wirkt sich dieser positive Trend aber leider nicht aus. Denn nach wie vor gibt es einen eklatanten Unterschied in der Bezahlung von Ingenieurinnen und Ingenieuren – auch im Baugewerbe. Um einen Anhaltspunkt nennen zu können, wertet die Gehaltsstudie die Gehaltsdaten von insgesamt 300 männlichen und 300 weiblichen Ingenieuren aus, die als Projekt- oder Fachingenieure arbeiten und nicht mehr als fünf Jahre Berufserfahrung aufweisen. Die Ergebnisse sind ernüchternd. Zwar konnten die Ingenieurinnen die Gehaltslücke in den letzten Jahren etwas verringern, noch immer beträgt sie im Jahr 2016 aber durchschnittlich 6,9%. Während die Ingenieure also mit einem durchschnittlichen Jahresentgelt von 52.650 EUR nach Hause kamen, mussten sich viele Ingenieurinnen mit 3.650 EUR weniger zufrieden geben.

Seit kurzem gibt es in Deutschland allerdings ein Gesetz für mehr Lohngerechtigkeit zwischen Frauen und Männern. Betriebe mit mehr als 200 Beschäftigten müssen ihren Mitarbeitern künftig über ihre Lohnstrukturen Auskunft geben, wer mehr als 500 Personen beschäftigt, muss zudem über den Stand der Gleichstellung und Lohngleichheit im Unternehmen informieren. Wer im Vergleich zu den Kollegen bei gleichwertiger Arbeit weniger verdient, kann das künftig einklagen.

Arbeitszeit und variable Vergütung beim Gehaltspoker berücksichtigen

Drei weiche Faktoren gilt es im Gehaltspoker besonders zu beachten, denn sie machen einen großen Unterschied beim Jahresentgelt.

  • Steht Ihnen Urlaubs- und/oder Weihnachtsgeld zu?
  • Wie hoch ist Ihre vertraglich geregelte Wochenarbeitszeit?
  • Enthält Ihr Jahresentgelt variable Vergütungsbestandteilt?

Dass Urlaubs- und Weihnachtsgeld den Angestellten erfreuen, ist ohnehin klar. Erklärungsbedürftiger ist das bei der Arbeitszeit: Bauingenieure gehören zu den Vielarbeitern unter den Ingenieuren. Die wöchentliche Arbeitszeit tariflich Beschäftigter beträgt im Schnitt 45 Stunden pro Woche, ebenso hoch liegt sie bei außertariflichen und etwas darunter bei nicht tarifgebundenen Angestellten. Leitende Angestellte kommen dagegen auf eine durchschnittliche Arbeitszeit von 46 Stunden in der Woche. Was das alles mit dem Gehalt zu tun hat? Ganz einfach: Wer eine vertraglich vereinbarte 45-Stunden-Woche hat, jedoch jede Woche im Schnitt eine Stunde unbezahlte Mehrarbeit leistet, drückt das eigene Gehalt am Ende des Jahres um ca. 10%. Vor allem bei Gehaltserhöhungen sollte man diesen Zusammenhang im Hinterkopf haben.

Und nun zu den variablen Vergütungsbestandteilen: Obwohl sie im Baugewerbe im Vergleich zu den anderen Ingenieurdisziplinen keine große Rolle spielen, machen sie im Schnitt doch 6,7% des Lohns aus. Wichtig sind variable Gehaltsbestandteile auch für Bauingenieure, die in Planungsbüros arbeiten, denn ihre variablen Anteile liegen bei über 7%.

Fazit: Bauingenieure sollten gut verhandeln

Das Jahresgehalt des Bauingenieurs schwankt stark – viel stärker, als es durch die konjunkturellen Rahmenbedingungen zu erklären ist. Die Hauptursache liegt wohl in einem radikalen Einbruch der Entgelte vor etlichen Jahren und der Tatsache, dass viele Bauingenieure entweder freiberuflich tätig oder in kleinen Planungs- und Ingenieurbüros angestellt sind.

Wer eine feste Anstellung sucht, kann sich in unserem Jobportal für Bauingenieure umsehen. Und wer überlegt, ob ihn eine Promotion weiterbringen könnte, erhält Rat von der Buchautorin Helga Knigge-Illner. Ansonsten helfen vor allem Verhandlungsgeschick und ein guter Überblick über Stärken und Schwächen des eigenen Profils.

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von Lisa Schneider

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