20.04.2017   |

Einkommensstudie 2017

Wie viel verdienen Elektroingenieure?

Ingenieure in der Elektronik und Elektrotechnik gehören zu den Gutverdienern in Deutschland. Ein Blick auf die Gehaltsdaten Tausender Kollegen zeigt: Vom Aufwärtstrend profitierten zuletzt Berufserfahrene und -einsteiger gleichermaßen. 

Elektroingenieure mit Berufserfahrung verdienten 2014 im Durchschnitt 2000 EUR mehr als im Jahr zuvor.

Ein Studium der Elektrotechnik lohnt sich.

Foto: Uni Siegen

Für einen Elektroingenieur, bzw. eine Elektroingenieurin, machen sich insbesondere Berufserfahrung und Mitarbeiterverantwortung auf dem Gehaltszettel bemerkbar. Das geht aus der aktuellen Gehaltsstudie des Jobportals ingenieurkarriere.de hervor, an der zuletzt über 7300 Ingenieure aus Deutschland teilnahmen. Die komplette Studie „Ingenieureinkommen 2002 - 2016“ gibt es hier.

Gehaltsvergleich: Solides Jahreseinkommen in der Elektronik und Elektrotechnik

Einst waren sie die Geringverdiener unter den Ingenieuren. Doch seit einigen Jahren kennt die Vergütung von Elektroingenieuren nur noch eine Richtung: bergauf. Zwar legen die Elektroingenieure keine eklatanten Gehaltssprünge hin, sie liegen mit durchschnittlichen Jahreseinkommen von 61.100 EUR aber im soliden Mittelfeld aller Ingenieurberufe.

Die mit Abstand höchste Vergütung weist die Chemie- und Pharmaindustrie auf, die ihre Ingenieure im Schnitt mit 83.100 EUR Brutto-Jahresgehalt beglückt. Deutlich höher fallen auch die Gehaltszettel von Ingenieuren aus dem Fahrzeugbau aus. Vergleichbar sind die Gehälter der Elektroingenieure hingegen mit denen aus der Informationstechnologie und dem Maschinen- und Anlagenbau. Und die untere Ende der Rangliste zeigt: Im Baugewerbe bringen es Ingenieure mit Berufserfahrung im Schnitt auf 50.400 EUR, in Ingenieur- und Planungsbüros auf 50.500 EUR.

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Das Studium der Elektrotechnik gilt als eines der härtesten der Ingenieurwissenschaften, aber es lohnt sich. Wenn man auf die Einkommen angrenzender Berufsgruppen schaut, wird das deutlich. Ein Elektrotechniker verdient laut ausbildung.de im Schnitt 36.600, ein Elektroniker bringt es auf ein Jahressalär von rund 40.200 EUR.

Einstiegsgehalt deutlich gestiegen

Frischgebackenen Absolventen zahlen Arbeitgeber der Elektronik und Elektrotechnik zurzeit ein durchschnittliches Jahresgehalt von 48.150 EUR brutto. Das bedeutet ein Lohnplus von durchschnittlich 1,8% oder 865 EUR im Vergleich zum Vorjahr. Und das, obwohl das Einstiegsgehalt der Branche zu Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2002 bei mickrigen 35.050 EUR lag. Das waren rund 3400 EUR weniger als die Durchschnittseinkommen aller Jungingenieure zu der damaligen Zeit. Seither hat sich das erste Gehalt für Elektroingenieure – abgesehen von einem kleinen Dämpfer im Jahr 2011 – kontinuierlich gesteigert.

ingenieurkarriere.de Gehaltsrechner

Allerdings muss man differenzieren. Ein Absolvent, der als Trainee einsteigt, verdient wesentlich weniger als sein Kommilitone, der direkt als Projekt- oder Fachingenieur angestellt wird. Hinzu kommt, dass Arbeitgeber die Studienabschlüsse in unterschiedliche Gehaltsstufen eingruppieren.

Als Faustregel gilt: Der Master ist mittlerweile der am höchsten eingruppierte Studienabschluss und liegt vor den Diplomingenieuren und vor den Bachelorabsolventen. Absolventen mit einem Dualen Hochschulabschluss haben deutlich aufgeholt und liegen gleichauf mit FH-Absolventen. Höher pokern können in ihren Gehaltsverhandlungen nur Ingenieuren aus Unis sowie Technischen Hochschulen und natürlich – noch weit vor den Uni-Absolventen – Promovierte.

Je größer die Unternehmen, desto voller die Lohntüte

Ein einflussreicher Faktor beim Gehalt eines Elektroingenieurs ist die Größe des Arbeitgebers. Bereits die Einstiegsgehälter zwischen kleinen Unternehmen der Elektronik und Elektrobranche und deren Big Player variieren um bis zu 9.000 EUR. So sind Einkommen über 50.000 EUR für Elektroingenieure ohne Berufserfahrung fast nur in Konzernen zu erreichen. Vielleicht ist das ein Grund für die andauernde Beliebtheit von Siemens, Bosch und Festo bei Ingenieuren der Elektrotechnik.

Jobs für Ingenieure

Kombiniert man die Einflussfaktoren Unternehmensgröße und Karrierefortschritt, schaut man sich also etwa den Gehaltszettel eines Projektmanagers an, der in einem Großunternehmen arbeitet, fällt die Gehaltserhöhung durch Mehr-Verantwortung noch größer aus: In einem Betrieb mit weniger als 50 Mitarbeitern verdient ein Projektmanager oder auch eine Projektmanagerin im Schnitt etwa 56.500 EUR, in einem Konzern mit mehr als 5000 Mitarbeitern kann er oder sie dagegen rund 80.000 EUR einstreichen.

Regionale Gehaltsunterschiede: Ballungszentren zahlen sich aus

Trotz der genannten Durchschnittswerte: Ingenieurgehälter sind keineswegs einheitlich in Deutschland. In wirtschaftlichen Ballungszentren beispielsweise sind sie deutlich höher als in ländlicheren Regionen. Wer eine Stelle in Hannover, Düsseldorf oder im Großraum Stuttgart hat kann sich glücklich schätzen. Diese Regionen führen die Liste der Top-Jahresgehälter an. In Dresden oder Magdeburg müssen sich Ingenieure dagegen auf ein geringeres Gehaltsniveau einstellen.

Auf der Landkarte zeigt sich neben den Unterschieden zwischen Stadt und Land ein deutliches West-Ost-Gefälle. Ingenieure in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen und Teilen von Sachsen-Anhalt verdienen im Schnitt per se weniger als ihre Kollegen in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen oder Hamburg.

Auch hier sollte man aber differenzieren: In einigen Gebieten gibt es sehr starke Cluster, etwa zur Mikroelektronik in Sachsen oder zur Schifffahrt in Kiel. Diese regional verdichteten, hoch spezialisierten Hersteller und Zulieferbetriebe suchen meist ganz spezielle Fachkräfte. Hier gilt die Faustregel: Wer sich auf ein Fachgebiet spezialisiert hat und dort als Experte auftreten kann, darf auch in Regionen mit mäßigem Gehaltsniveau ein überdurchschnittliches Entgelt erwarten.

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Karriereschritte ermöglichen Gehaltssprünge

Wenn Elektroingenieure auf ein und derselben Karrierestufe verharren, wirkt sich die langjährige Erfahrung nur bedingt auf den Gehaltszettel aus. Zwar steigt die Vergütung durch zunehmende Betriebszugehörigkeit und Berufserfahrung, allerdings nicht annähernd in dem Maße, wie bei einem vertikalen Positionswechsel. Mit einem Fortschritt auf der Karriereleiter erzielen Elektroingenieure in der Regel einen deutlichen Gehaltszugewinn. So sind die Einstiegspositionen des Ingenieur-Sachbearbeiters und des Projektingenieurs weit weniger gut dotiert als die höheren Positionen mit größerer Mitarbeiterverantwortung.

Laut der aktuellen Gehaltsstudie von ingenieurkarriere.de vergüten Unternehmen der Elektronik und Elektrotechnik ihre Einstiegspositionen mit einem jährlichen Brutto-Betrag von 53.800 EUR. Die nächsten Schritte auf der Karriereleiter als Projektmanager oder Teamleiter werden mit durchschnittlich 64.600 EUR, bzw. 73.000 EUR vergütet. Als Abteilungsleiter mit Verantwortung gegenüber 20 bis 25 Mitarbeitern verdienten die Elektroingenieure der Studie ein Jahresgehalt von 92.300 EUR und am meisten verdienten sie als Bereichsleiter.

Wie in anderen Branchen auch, gilt in der Elektronik und Elektrobranche die Faustregel: Eine Beförderung winkt grundsätzlich mit einer besseren Vergütung. Dieser Obolus – der eine steigende Arbeitsbelastung, bzw. zunehmende Verantwortung ausgleichen soll – fällt noch einmal höher aus, wenn der Positions- mit einem Arbeitgeberwechsel einhergeht.

Ihr Gehalt im Vergleich: Kostenfreier Gehaltstest für Ingenieure

Zusatzqualifikationen: Auslandserfahrung steigert das Gehalt

Neben der Mitarbeiterverantwortung gibt es eine zweite persönlich zu beeinflussende Variable, die sich äußerst positiv auf das Gehalt von Ingenieuren auswirkt: Auslandserfahrung. Wer mindestens ein Jahr im Ausland verbracht hat, um dort zu arbeiten, verdient über alle Positionen hinweg mehr als die daheim gebliebenen Kollegen. Vor allem fachlich versierte Projektmanager sowie personell orientierte Führungspersonen können ihre im Ausland gesammelten Erfahrungen zu Geld machen.

Anders als man vermuten könnte, wirken sich sonstige Zusatzqualifikationen wie besondere Programmier- oder CAD-Spezialkenntnisse nicht in dem Maß aus wie die Mitarbeiterverantwortung und die Auslandserfahrung.

Variable Vergütung erst spät wichtig

Die Einstiegsgehälter von Elektroingenieuren erhalten kaum variable Vergütungsanteile. Die Angaben zum Jahresgehalt beziehen sich somit in den allermeisten Fällen auf Fixgehälter. Bei vertikalem Karriereverlauf nimmt der Anteil der variablen Vergütung am Jahresgehalt jedoch merklich zu und liegt im oberen Quartil der Befragten bei 13%. Über alle Branchen hinweg liegen die Elektroingenieure mit einem variablen Vergütungsanteil von 7,9% des Jahresgehalts im Mittelfeld.

Fazit: Elektroingenieure profitieren von ihrer Vielseitigkeit

Ingenieure in der Elektronik und Elektrotechnik sind Gutverdiener mit einem entscheidenden Vorteil gegenüber ihren Ingenieurkollegen etwa aus dem Maschinenbau oder dem Bauwesen: Um ihr Gehalt zu verbessern, können Elektroingenieure ohne Weiteres in eine andere Branche wechseln, die ihre Fachkräfte im Schnitt noch besser bezahlt. Etwa in den Fahrzeugbau, wo Elektroingenieure dank der Megatrends Elektromobilität und Autonomes Fahren in großer Zahl gebraucht werden. Das spiegeln auch unsere Stellenangebote.

Vor der Gehaltsverhandlung lohnt sich zudem ein Blick in den Tarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie, um das Entgeltniveau der eigenen Region in Erfahrung zu bringen. Falls das angestrebte Unternehmen nicht tarifgebunden ist, gilt die Faustregel: Im Schnitt zahlen Arbeitgeber, die nicht tarifgebunden sind, 3000 EUR bis 4000 EUR weniger als ihre tarifgebundenen Wettbewerber. Aber wer die Kunst der Verhandlung beherrscht, kann auch diesen Nachteil locker ausgleichen.

Tipp:
Was Sie beim Branchenwechsel beachten müssen.

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von Lisa Schneider

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