28.04.2017   |

Einkommensstudie 2017

Wie viel verdienen Chemieingenieure?

Ingenieure der Chemie- und Pharmaindustrie sind Spitzenverdiener. Doch das birgt Tücken bei der Formulierung eigener Gehaltsvorstellungen. 

Gute Aussichten für Chemieingenieure.

Foto: BASF SE

Die Einkommen der Ingenieure in der Chemie- und Pharmaindustrie verharren auf sehr hohem Niveau und das, obwohl die Entwicklung der Branchenumsätze seit Jahren alles andere als hervorsticht. Entscheidend für den guten Verdienst in der Branche sind vor allem die beschäftigende Unternehmensabteilung, die Mitarbeiterverantwortung sowie variable Gehaltsbestandteile. Diese und weitere Faktoren sollten Sie kennen, um eine maßvolle Gehaltsvorstellung zu entwickeln.

Gehaltsvergleich: Der Chemieingenieur verteidigt Position als Spitzenverdiener

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Sagenhafte 83.000 EUR verdienten die Ingenieure in der Chemie- und Pharmaindustrie im Schnitt, die im vergangenen Jahr ihre Gehaltsdaten auf ingenieurkarriere.de eingaben und damit die Grundlage bildeten für die alljährliche Einkommensstudie von Ingenieuren für Ingenieure. Damit können die Chemieingenieure ihre Spitzenposition als Vielverdiener unter den Ingenieuren locker verteidigen. Zum Vergleich: Über alle Branchen hinweg verdienten berufserfahrene Ingenieure im vergangenen Jahr 61.610 EUR.

Einstiegsgehalt: Berufseinsteiger büßen Einkommenssprung ein

Der Richtwert, an dem sich Absolventen und Berufseinsteiger in der Chemie- und Pharmaindustrie orientieren können, ist ebenfalls hoch. Die Einstiegsgehälter der Branche liegen derzeit bei rund 51.163 EUR und damit im Schnitt 4.600 EUR über dem Verdienst aller Ingenieur-Einsteiger. Den Spitzenplatz macht also auch den frischgebackenen Chemie- und Pharmaingenieuren keiner streitig.

Die Verdienstmöglichkeiten variieren allerdings. Wer einen Master in der Tasche hat, kann in seiner Gehaltsverhandlung im Schnitt 3.000 EUR mehr rausholen als ein Bachelorabsolvent. Und auch, wer sein Studium an einer Universität oder Technischen Hochschule abgeschlossen hat, bekommt im Schnitt etwas mehr Geld als FH-Absolventen. All diese Zahlen sind jedoch Durchschnittswerte. Wer als Einsteiger einen Auslandsaufenthalt, erste Berufserfahrung oder Zusatzqualifikationen vorweisen kann, die der angestrebte Arbeitgeber braucht, klettert zügig ein, zwei Gehaltsstufen nach oben. Vor allem, wenn er oder sie die Kunst der Gehaltsverhandlung beherrscht.

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Branchenentwicklung spiegelt Gehaltsniveau nur bedingt wider

Der Umsatz der Chemie- und Pharmaindustrie entwickelte sich in den letzten zehn Jahren weitgehend positiv. Im Jahr 2003 lagen die Umsätze aller steuerpflichtigen Unternehmen der Branche bei rund 137,6 Mrd. EUR. In den folgenden Jahren kletterte der Branchenumsatz kontinuierlich auf bis zu 210 Mrd. EUR an, bis die globale Finanz- und Wirtschaftskrise kam und die Entwicklung einiger Jahre rückgängig machte: Die Umsätze brachen um knapp 10% ein. Um seither wieder fröhlich zu steigen und den Ingenieuren der Branche pralle Lohntüten zu bescheren. Diese konjunkturelle Entwicklung ist sicher ein Grund für die Lohnsteigerung der Chemieingenieure in Deutschland.

Allerdings erklärt sie nicht, warum Chemieingenieure die Gehaltstabelle vor Ingenieuren des Fahrzeugbaus oder der Energieversorgung anführen. Denn im Vergleich zu anderen Branchen entwickelte sich der Branchenumsatz der Chemie- und Pharmaindustrie auf einem eher durchschnittlichen Niveau. Während er zuletzt bei 233 Mrd. EUR lag, schoss der Jahreserlös im Fahrzeugbau auf 499 Mrd. EUR und in der Energieversorgung auf 307 Mrd. EUR hoch. Selbst das Baugewerbe setzt seit Jahren mehr um als die Chemie- und Pharmabranche, nur dass von diesem positiven Trend kaum etwas bei den dort beschäftigten Bauingenieuren ankommt.

Viele Chemieingenieure sind in der Forschung

Eine Erklärung für den guten Verdienst von Chemieingenieuren findet sich in der Position. Kaum eine Branche in Deutschland sei so innovativ und forschungsintensiv wie die Chemie- und Pharmaindustrie, schreibt etwa die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Dementsprechend sind viele der rund 6500 Ingenieure und Naturwissenschaftler in der chemisch-pharmazeutischen Industrie in der Forschung tätig.

Nach dem Vertrieb ist Forschung & Entwicklung, kurz FuE, die lukrativste Abteilung in Unternehmen. Ein Fach-, bzw. Projektingenieur bringt es in diesem Bereich auf ein Brutto-Jahresentgelt von durchschnittlich 55.200 EUR. Zum Vergleich: In der Projektierung verdient ein Ingenieur in der gleichen Position 3.000 EUR weniger.

Unternehmensgröße zahlt sich für Chemieingenieure aus

Übrigens kommen hier zwei Faktoren zusammen: Obwohl eine überwiegende Mehrheit der deutschen Chemieunternehmen dem Mittelstand zuzurechnen ist, sind die meisten Beschäftigten in Großunternehmen und Konzernen wie BASF, Bayer, Linde oder Evonik beschäftigt. Und wie in jeder Branche gilt auch in der chemischen Industrie, dass große Unternehmen im Schnitt höhere Löhne zahlen als kleinere.

Da zudem die FuE-Aktivität in Großunternehmen stärker ausgeprägt ist als die des Mittelstands, haben die Chemieingenieure in den FuE-Abteilungen der großen Chemieunternehmen quasi das goldene Los aus dem Gehaltstopf gezogen.

Verantwortungsvolle Positionen pushen das Gehalt

Entscheidend für die Verdienstentwicklung eines Chemieingenieurs ist außerdem die Position innerhalb des Unternehmens. Pauschal kann man sagen: Je mehr Mitarbeiter ein Ingenieur führt, desto höher fällt das Gehalt aus. Zwischen der Position des Projektingenieurs, der in der Regel keinerlei Führungsverantwortung trägt, und der Position des Gruppenleiters, der mindestens drei Personen führt, liegen im Durchschnitt rund 25.000 EUR im Jahr.

So verdient ein Projektmanager in der Chemie- und Pharmaindustrie durchschnittlich 80.400 EUR brutto im Jahr, ein Projektingenieur dagegen 59.200 EUR. Wobei dieser Mittelwert außer Acht lässt, dass besonders viele Berufseinsteiger als Fach- oder Projektingenieure eingestellt werden. Die Spanne dürfte daher wesentlich geringer ausfallen, wenn man nur Ingenieure mit einer Berufserfahrung von mindestens fünf Jahren in dieser Position betrachten würde. Denn auch die Unternehmenszugehörigkeit bzw. die Berufserfahrung beeinflussen am Ende das Gehalt.

Jobs für Ingenieure

Chemieingenieure beziehen hohe variable Vergütungsanteile

Nicht immer verlässlich, dafür aber umso erfreulicher ist die Zahlung des variablen Gehaltsanteils. In den meisten Ingenieurbranchen spielt er keine große Rolle: Insgesamt erhält aber ein Drittel der Berufseinsteiger und jeder zweite berufserfahrene Ingenieur variable Vergütungsanteile. Anders sieht das jedoch in der Chemie- und Pharmabranche aus, in der variable Zahlungen einen wesentlichen Beitrag zu den hohen Brutto-Jahresgehältern leisten.

Im Schnitt betrug der Anteil variabler Vergütungsbestandteile bei Ingenieuren der Chemie- und Pharmaindustrie 11% des Jahresentgelts 2016. Nutznießer sind neben den üblichen Verdächtigen der Gruppen- und Abteilungsleiter auch die Ingenieure auf der unteren Skala der Gehaltsliste: Fach- und Projektingenieure in chemisch-pharmazeutischen Unternehmen haben variable Einkommensbestandteile in Höhe von rund 8%, Projektmanager kommen in der aktuellen Erhebung gar auf satte 13%.

In der Chemie- und Pharmaindustrie ist ein Ingenieur damit enger an den Erfolg seines Arbeitgebers gebunden als in jeder anderen Branche.

Konkurrenz belebt das Geschäft – und hebt regionale Unterschiede auf

Ein entscheidender Faktor für jedes Ingenieurgehalt ist der Standort des Arbeitgebers. Denn auch 25 Jahre nach dem Mauerfall ist in den Gehaltstabellen eine Teilung Deutschlands in Ost und West erkennbar. Wer im Rheinland sowie im Großraum Stuttgart oder Nürnberg lebt und arbeitet, verdient mehr als die Kollegen in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg oder Sachsen. Aber eben nicht immer.

Für Chemieingenieure lohnt sich ein zweiter Blick auf die Deutschlandkarte. Denn die Chemieindustrie hat sich in einigen Clustern konzentriert, wie die Standortkarte des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) sehr schön zeigt. Diese Chemieparks drängen sich vor allem in den Großstädten Berlin, Hamburg, München sowie Frankfurt und darüber hinaus in den Ländern Nordrhein-Westfalen, im östlichen Sachsen-Anhalt und im südlichen Hessen.

Und was machen Löhne, wenn die Arbeitskräftenachfrage regional gebündelt steigt? Sie steigen in aller Regel mit. Insofern können vor allem Chemieingenieure im Osten der Republik aufatmen: Die Ansammlung von Chemieunternehmen in der Region rechtfertigt höhere Gehaltsansprüche, als es sonst regional zu erwarten wäre.

Fazit: Chemieingenieure sind Spezialisten

Das Studium des Chemieingenieurwesens lohnt sich kurz- wie langfristig. Die Jahresgehälter der Berufseinsteiger sind auf einem ebenso überdurchschnittlichen Niveau wie die der berufserfahrenen Ingenieure. Die Ingenieurkollegen anderer Disziplinen schauen den Chemieingenieuren im Rennen um Einkommen seit Jahren nur hinterher. Zum Teil liegt das an hohen variablen Gehaltsbestandteilen in der chemisch-pharmazeutischen Industrie und dem hohen Anteil von Entwicklungsingenieuren in der Branche.

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von Lisa Schneider

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