19.04.2017   |

Einkommensstudie 2017

Wie viel Maschinenbauingenieure verdienen

Ingenieure im Maschinen- und Anlagenbau verdienen gut. Doch Vorsicht bei der Gehaltsforderung: Der Gehaltspoker hält nicht nur Trümpfe bereit.

Die Gehälter von Maschinenbauingenieuren sind im Jahresvergleich um über 1000 EUR gestiegen.

Verschiedene Faktoren beeinflussen die Höhe des Gehaltes.

Foto: Gildemeister

Von guten Gehältern im Maschinen- und Anlagenbau profitierten sowohl berufserfahrene Maschinenbauingenieure als auch Berufseinsteiger. Beide konnten ihre Gehälter im Vergleich zum Vorjahr steigern. Die Entwicklung des eigenen Gehalts hängt jedoch neben der Berufserfahrung von Faktoren ab, die man selbst beeinflussen kann. Das ergibt die aktuelle Gehaltsstudie von ingenieurkarriere.de „Ingenieureinkommen 2002-2016“.

Einflussfaktoren auf das Entgelt eines Maschinenbauingenieurs

Gehaltsvergleich: Gehälter von Maschinenbauingenieuren stabil

Seit Jahren entwickeln sich die Ingenieurgehälter über alle Branchen hinweg positiv, bis der Maschinen- und Anlagenbau letztes Jahr einen moderaten Rückgang der Gehälter aufwies. Den machen die Ingenieure in der aktuellen Erhebung wieder wett und weisen ein Jahreseinkommen von durchschnittlich 62.700 EUR auf. Als Ingenieurin oder Ingenieur werden in der Studie – im Gegensatz zu den Berufseinsteigern – Arbeitnehmer mit mehr als zwei Jahren Berufserfahrung bezeichnet.

Im Vergleich mit den Ingenieurkollegen in anderen Branchen liegen die Maschinenbauingenieure im gesunden Mittelfeld. Wesentlich mehr Jahresgehalt erzielen nur die Ingenieure in der Chemie- und Pharmaindustrie (83.000 EUR) sowie im Fahrzeugbau (67.500 EUR). Vergleichbar sind die Löhne der Maschinenbauingenieure hingegen mit denen in der Energieversorgung (64.900 EUR), der Informationstechnologie (63.700 EUR) und der Elektronik und Elektrotechnik (61.100 EUR).

Detaillierte Gehaltsinformationen verschiedener Branchen, unterteilt etwa nach Studienabschlüssen und Positionen von Ingenieuren finden Sie in der aktuellen Gehaltsstudie von ingenieurkarriere.de.

Einstiegsgehälter: Masterabschluss bei Personalern beliebt

Wer am Anfang seiner Karriere steht, muss in allen Branchen mit einem erheblich niedrigeren Gehalt rechnen als die erfahrenen Kollegen. Im Maschinen- und Anlagenbau etwa verdienen Berufsanfänger mit einem abgeschlossenen Studium durchschnittlich 46.300 EUR im Jahr. Das Einstiegsgehalt von Maschinenbauabsolventen bewegt sich damit auf dem Niveau der üblichen Vergütung für Berufseinsteiger aller Ingenieurbranchen.

Unterschiede zeigen sich jedoch, wenn man die Vergütung nach Art des Studienabschlusses vergleicht. Master-Absolventen wurden von der Wirtschaft 2015 bei rund 48.200 EUR Bruttojahresentgelt eingestuft, einem Plus von 2,8 % im Vergleich zum Vorjahr. Damit liegen sie mittlerweile zuverlässig über den Diplom-Ingenieuren, sowohl von Unis als auch Technischen Hochschulen. Ebenfalls verbessern konnten sich die Bachelorabsolventen. Sie kamen auf ein durchschnittliches Jahreseinkommen von 45.500 EUR brutto.

Bei der Gehaltseinstufung spielt die Art der Hochschule offenbar eine Rolle. So verdienen Bachelor-Ingenieure mit Fachhochschul-Abschluss beim Einstieg in den Arbeitsmarkt im Mittel 2000 EUR weniger als ihre Mitbewerber von Universitäten und Technischen Hochschulen. Beim Master liegen FH-, TH und Uni-Absolventen dagegen gleichauf.

Blick ins Nachbarland Österreich

In Österreich scheinen Ingenieure deutlich weniger zu verdienen als in Deutschland. Der Gehaltskompass des Arbeitsmarktservice weist für einen Maschinenbauingenieur ein durchschnittliches Einstiegsgehalt von 36.700 EUR aus. Dafür haben die österreichischen Arbeitnehmer einen gesetzlich festgelegten Urlaubsanspruch von fünf Wochen, also 25 Werktagen. In Deutschland beträgt der gesetzliche Mindestanspruch 20 Tage. Selbstverständlich können die Arbeitgeber sowohl in Österreich als auch in Deutschland großzügiger sein mit dem Erholungsurlaub als gesetzlich vorgesehen – verhandeln hilft also, insbesondere da viele Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau sich an einen Tarifvertrag mit 25 Urlaubstagen anlehnen.

Was verdient eigentlich ein Bauingenieur?

Mitarbeiterverantwortung zahlt sich aus

Verhandeln kann, wer etwas mitbringt, etwa Berufserfahrung oder Kenntnisse in der Personalführung. Dann kann man die üblichen Einstiegspositionen des Fach- und Projektingenieurs überspringen und eine höher dotierte Position anstreben. Während sich die Gehaltsunterschiede zwischen den Hochschulabschlüssen über die Zeit ausgleichen, gewinnen Positionswechsel an Wert: Über alle Berufsjahre gerechnet kommt ein Projektingenieur im Maschinenbau beispielsweise auf ein Jahreseinkommen von 52.800 EUR. Ein Projektmanager verdient 65.800 EUR und ein Teamleiter erhält im Durchschnitt 79.000 EUR.

Jahresgehalt im Maschinenbau nach Position

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Diese Angaben lassen sich natürlich nicht von der Berufserfahrung trennen, da kein Hochschulabsolvent als Abteilungsleiter einsteigt. Daneben spielt auch der Einsatzbereich eine wichtige Rolle, im Vertrieb etwa stehen die Chancen auf eine hohe Vergütung am besten. Dort gibt es aber auch die höchsten variablen Anteile, dazu kommen wir später.Diese Steigerung hat zum einen mit der zunehmenden Berufserfahrung und eventuell langjähriger Betriebszugehörigkeit zu tun. Vor allem zahlt sich aber die Mitarbeiterverantwortung aus. So erhält ein Teamleiter bzw. eine Teamleiterin mit 20 bis 25 Mitarbeitern rund 20 % mehr Durchschnittsgehalt als ein Kollege bzw. eine Kollegin, der oder die weniger als fünf Mitarbeiter führt. Bei einem Abteilungsleiter macht der Sprung von unter fünf zu über 50 geführten Mitarbeitern im Schnitt ein Gehaltsplus von 25 % aus.

Die Faustregel zur unternehmensinternen Gehaltssteigerung lautet jedenfalls: Je mehr Personalverantwortung mit einer Position einhergeht, desto höher fällt das Gehalt aus.

Gehaltstest: Kostenfrei teilnehmen!

Je größer das Unternehmen, desto höher das Gehalt

Ein weiterer wichtiger Einflussfaktor für die Höhe des Gehalts ist die Wahl des Arbeitgebers. Hier lässt sich folgende Regel ableiten (von der es glücklicherweise immer Ausnahmen gibt): Große Unternehmen zahlen mehr als kleine. Schon deshalb, weil sie häufiger tarifgebunden sind. In Zahlen: Berufseinsteiger kommen in kleinen Unternehmen mit höchstens 50 Mitarbeitern derzeit auf jährlich 42.600 EUR. Darunter sind auch viele Ingenieurdienstleister oder Ingenieurbüros. Großunternehmen aus der Industrie wie Audi, Siemens, Bosch oder ThyssenKrupp zahlen im Schnitt deutlich mehr. Der Gehaltsunterschied für Einstiegspositionen zwischen kleinen und großen Arbeitgebern beträgt statistisch gesehen um die 9.000 EUR im Jahr.

Ingenieurgehalt nach Berufsstatus

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Die Grafik zeigt, dass Arbeitnehmer, die tariflich entlohnt werden in etwa dasselbe verdienen wie solche, die außertariflich eingruppiert sind. Das wird deshalb sichtbar, weil die Untersuchungsteilnehmer beim Gehaltstest auch ihre wöchentlich geleistete Arbeitsbelastung angegeben haben (nicht zu verwechseln mit der vertraglich vereinbarten Wochenarbeitszeit). Außertariflich Beschäftigte und leitende Angestellte verdienen, zieht man nur die Gehaltsdaten zu Rate, mehr. Sie leisten aber im Schnitt viel mehr Wochenarbeitsstunden als tariflich Beschäftigte, ihre Verdienst verringert sich daher, wenn man ihn auf eine 40-h-Woche umrechnet. Das wurde für die Grafik gemacht. 

Regionale Gehaltsunterschiede: Ballungszentren zahlen sich aus

Trotz der vielen Durchschnittswerte: Die Ingenieurgehälter sind keineswegs einheitlich in Deutschland. In wirtschaftlichen Ballungszentren beispielsweise sind sie deutlich höher als in ländlicheren Regionen. Wer eine Stelle in Hannover, Düsseldorf oder Stuttgart hat, kann sich glücklich schätzen. In diesen Regionen werden landesweit die höchsten Jahresgehälter gezahlt. In Dresden oder Magdeburg müssen sich Ingenieure dagegen auf ein geringeres Gehaltsniveau einstellen, wobei dort immerhin die Lebenshaltungskosten geringer sind.

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Bei diesen Zahlen sollte man eines beachten: Gerade hoch spezialisierte Mittelständler suchen vorwiegend ganz spezielle Fachkräfte, die sie entsprechend entlohnen. Außerdem gibt es in einigen Gebieten sehr starke Cluster für Maschinenbau, etwa in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen oder Thüringen. Wer sich also als Spezialist in einem Fachgebiet profilieren kann, wird auch in den Regionen, die ein mäßiges Gehaltsniveau aufweisen, eine pralle Lohntüte erwarten dürfen.Neben den Unterschieden zwischen Stadt und Land zeigt die Landkarte der Gehälter ein deutliches West-Ost-Gefälle. Ingenieure in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen und Teilen von Sachsen-Anhalt verdienen wohl per se weniger als ihre Kollegen in Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen. Das Nord-Süd-Gefälle, das in den vergangenen Jahren genauso stark war, scheint dagegen immer schwächer zu werden.

Ingenieure in der Schweiz: Kein Grund, neidisch zu werden

Im Vergleich zur Schweiz wirken die meisten deutschen Gehälter irgendwie mickrig. Ein berufserfahrener Maschinenbauingenieur verdient dort durchschnittlich zwischen 115.000 CHF und 130.000 CHF, das sind etwa 105.000 EUR bis 120.000 EUR. Dafür hat der alpenländische Kollege allerdings wesentlich weniger Urlaubsanspruch, nämlich 20 Werktage. Zwar legen die Gesamtarbeitsverträge häufig einen Ferienanspruch von 25 Tagen fest, doch mancherorts gilt noch das „Senioritätsprinzip“. Junge Ingenieure kommen also nur schwer über die festgeschriebene Zahl der Ferientage hinaus. Damit dürften die meisten Ingenieure in der Schweiz de facto weniger Urlaubstage haben als Kollegen aus Österreich und Deutschland.

Ein zweiter Blick auf die Lohnzettel der Eidgenossen lässt das Gehalt aber wirklich nicht mehr ganz so gigantisch aussehen. Denn die Lebenshaltungskosten in der Schweiz sind enorm: Um den Lebensstandard eines durchschnittlichen deutschen Maschinenbauingenieurs zu erreichen, muss der Kollege im kleinen Alpenland rund 96.000 EUR verdienen, so das Gehaltsportal lohnanalyse.de. Ein Großteil des Gehaltsplus geht also für Energie, Miete, Bekleidung oder Lebensmittel drauf.

Zusatzqualifikationen: Auslandserfahrung steigert das Gehalt

Wer unabhängig vom jeweiligen Lohnniveau ins Ausland möchte, wird davon langfristig profitieren – persönlich wie beruflich. Auslandserfahrung wirkt sich nämlich äußerst positiv auf das Gehalt von Ingenieuren aus. Wer mindestens ein Jahr im Ausland verbracht hat, um dort zu arbeiten, verdient über alle Positionen hinweg mehr als die daheimgebliebenen Kollegen. Bei Projektmanagern etwa kann die im Ausland gesammelte Erfahrung bis zu 12 % mehr Gehalt einbringen.

Anders als man vermuten könnte, wirken sich sonstige Zusatzqualifikationen nicht in dem Maß aus wie die Mitarbeiterverantwortung und die Auslandserfahrung. Das Zweitstudium, das rund ein Fünftel der Ingenieure in Deutschland aufweisen kann, dürfte aber mehr Gewicht in die Waagschale legen als die Zusatzqualifikation zum Schweißfachingenieur, die immerhin jeder dritte Ingenieur absolviert hat. Viele Zusatzqualifikationen wie CAD-Spezialkenntnisse, Patente oder eine Fortbildung zum Gefahrgutbeauftragten, dürften aber nur von einigen Arbeitgebern gefragt sein und deswegen statistisch nicht aufs Gehalt ausstrahlen.

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Variable Vergütung nimmt leicht zu

Immer mehr Ingenieure beziehen variable Vergütungsanteile. Im Branchendurchschnitt erhielten 2016 knapp die Hälfte der Ingenieure mit Berufserfahrung einen variablen Gehaltsanteil. Bei den Berufseinsteigern schwankt die Zahl Jahr für Jahr, zuletzt waren es rund 35 % und damit deutlich mehr als im vorherigen Erhebungszeitraum.

Im Maschinen- und Anlagenbau liegt der variable Vergütungsanteil am Jahreseinkommen 2016 bei durchschnittlich 8,2 %, im Vorjahr waren es noch 6,7 %. Das obere Quartil dürften Ingenieure im technischen Vertrieb sowie im technischen Verkauf beisteuern: In diesen Einsatzbereichen sind die variablen Anteile an den Ingenieurgehältern mit 8 % bis 12 % vergleichsweise hoch.

Als Faustregel gilt: Je verantwortungsvoller die Position, desto höher sind auch die variablen Vergütungsbestandteile.

Fazit: Flexibilität lohnt sich

Maschinenbauingenieure konnten ihr Gehalt in den letzten Jahren im Schnitt kontinuierlich erhöhen. Zuletzt gab es einen Zuwachs von 1,36 % bei den berufserfahrenen Ingenieuren und ein Plus von 1,66 % bei den Beschäftigten, die gerade erst von den Hochschulen in die Unternehmen kamen. In der Realität partizipierten nicht alle Ingenieurinnen und Ingenieure gleichermaßen von dieser Entwicklung: Je nach Unternehmensgröße, Position und Region weichen die Gehälter im Maschinen- und Anlagenbau stark von den hier genannten Durchschnittswerten ab. Diese beruhen auf den tatsächlichen Gehaltsdaten von 7.341 Ingenieurkolleginnen und –kollegen aus dem vergangenen Jahr.

Der große Vorteil von Maschinenbauingenieuren: Sie gehören zu den flexibelsten Ingenieuren und sind an keinen Industriezweig gebunden. Welche Bandbreite einem Maschinenbauingenieur zur Verfügung steht, sehen Sie in unseren Stellenangeboten

Tipp:
Wie sieht die Gehaltsentwicklung bei Elektroingenieuren aus?

Was verdienen Ingenieure im Fahrzeugbau?

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von Lisa Schneider

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