02.08.2013   |

Gehalt

Im Check: Die Unternehmensgröße und die Vergütung von Ingenieuren

Stimmt es tatsächlich, dass die Vergütung von Ingenieuren bei großen Unternehmen grundsätzlich höher ist? Welche Werte gelten für Berufseinsteiger? Und was haben mittelständische Betriebe Hochschulabsolventen zu bieten? Die Ergebnisse der Studien dürften viele Ingenieure überraschen.

Vergütung: Beim Mittelstand oft besser.

Foto: iStock / Thinkstock

Kleine und mittlere Unternehmen machen das Gros der Unternehmen in Deutschland aus. Kolportiert wird immer wieder, dass sie ihre Mitarbeiter niedriger vergüten würden als große Konzerne. Tatsache ist aber: Beide Unternehmenstypen setzen unterschiedliche Schwerpunkte in der Vergütung für Ingenieure, wie eine Analyse aktueller Vergütungsdatensätze auf Basis der Towers Watson Vergütungsstudien zeigt. Insbesondere die Vergütungshöhen bei den verschiedenen Mitarbeitergruppen unterscheiden sich signifikant. Mittelständler vergüten einige Funktionen höher, andere niedriger als Konzerne.

Die Vergütung für junge Ingenieure ist beim Mittelstand oft besser

Einstiegsgehälter: Einsteiger in der Produktion oder nach der Ausbildung als Sachbearbeiter/Facharbeiter und Techniker sowie in der Managementlaufbahn profitieren in den mittelständischen Unternehmen von höheren Gehältern auf einem Junior-Level. Dies trifft nicht nur auf das Grundgehalt, sondern auch auf die variable Vergütung für Ingenieure zu. Nach erfolgreicher Ausbildung kann der Absolvent in der Fachlaufbahn ohne Studium in mittelständischen Unternehmen im Laufe der Karriere schnell rund 45.000 Euro Zielbarvergütung erreichen, Großunternehmen bieten dahingegen auf einem vergleichbaren Level ein Barvergütungspaket von rund 38.000 Euro. Hochschulabsolventen können ungeachtet der Unternehmensgröße im Median eine Gesamtbarvergütung von 54.000 Euro erzielen.

Bei der Einstellung neuer Mitarbeiter geben Mittelständler gerne Bewerbern den Vorzug, die von der umfassenden Erfahrung einer Ausbildung oder ersten Berufserfahrung in einem Großunternehmen profitieren konnten. Die Pakete von Großunternehmen sind in Bezug auf die Vergütung von Ingenieuren dagegen attraktiver für den Einstieg von Vertriebsspezialisten und Expertenfunktionen, typischerweise mit Studium.

Zur Vergütung gehört bei Ingenieuren oft auch die Provision

Fachlaufbahn (typischerweise ohne Studium): In kleinen und mittleren Unternehmen liegen die Grundgehälter in den kaufmännischen und technischen Funktionen (ohne Leitungsfunktion) im Mittelwert etwa 9 Prozent höher als in Großunternehmen. Nebenleistungen, wie ein Firmenwagen, sind unabhängig von der Unternehmensgröße für diese Stellen generell unüblich. Diese sind im Mittelstand wie auch bei Großunternehmen den Beschäftigten der mittleren bis oberen Vertriebs- und Managementlaufbahn vorbehalten. Zusätzlich ist zu beobachten, dass Mittelständler einen konstanten prozentualen Zielleistungsbonus (beispielsweise 8 Prozent des Grundgehalts) gewähren, währenddessen Großunternehmen einen steigenden Zielleistungsbonus bei der Vergütung mit steigender Erfahrung der Ingenieure von zum Beispiel 10 Prozent bis 25 Prozent gewähren.

Vertriebsfunktionen: Generell lässt sich sagen, dass Vertriebsfunktionen über alle Ebenen hinweg - auch über die Einstiegsphase hinaus - in Großunternehmen höher vergütet werden. Vertriebsprovisionen werden in mittelständischen Unternehmen seltener gezahlt und sind erst ab dem Seniorlevel marktüblich. Dieses Vergütungsinstrument wird in Großunternehmen gleichermaßen auf den verschiedenen Stufen der Vertriebs-Fachlaufbahn und auf den Management-Ebenen stärker eingesetzt. Hier erhalten rund 50 Prozent der Positionsinhaber eine Vertriebsprovision, teilweise zusätzlich zu Leistungsboni und Gewinnbeteiligung. Die Vertriebsprovisionen rangieren im Median bei den Großunternehmen über alle Stufen hinweg bei 38 Prozent des Grundgehalts.

Spezialisierte Ingenieure erhalten überall eine höhere Vergütung

Expertenlaufbahn: Während Hochschulabsolventen und Young Professionals im Mittelstand mit 42.000 Euro Grundgehalt einsteigen, können in Großunternehmen schon 50.000 Euro Grundgehalt winken. Spezialisten sind bei Unternehmen aller Größen gefragt. Sie werden daher - sowohl im Hinblick auf das Grundgehalt als auch auf das Gesamtbarpaket - unabhängig der Unternehmensgröße ähnlich vergütet. Es ist zu beobachten, dass die Zielbarvergütung für Einsteiger identisch ist im Mittelstand und in Großunternehmen, dass jedoch Mittelständler ihren Ingenieuren generell eine höhere variable Vergütung ermöglichen.

(Top-)Management: Auch im Bereich der Führungsfunktionen finden sich Unterschiede bei der Vergütung der Ingenieure: Während mittelständische Unternehmen in den unteren Managementstufen höher vergüten, zahlen Großunternehmen in den höheren Managementebenen höhere Gehälter in der Grund- und Zielbarvergütung (Summe der garantierten Grundvergütung und der variablen Zielvergütung).

Eine variable Vergütung ist für Ingenieure typisch

Bezüglich des Leistungsbonus lässt sich funktionsübergreifend feststellen, dass bei Mittelständlern eine variable Vergütung der Ingenieure auf allen Karrierestufen - vom ungelernten Arbeiter über Einstiegspositionen bis hin zur strategischen Führungskraft - marktüblich ist. In der Regel ist eine größere Anzahl von Mitarbeitern für einen Leistungsbonus berechtigt als in Großunternehmen, dieser fällt jedoch insgesamt leicht geringer aus als in Großunternehmen.

Auch Gewinnbeteiligungsmodelle (Company Profit Sharing) sind im Mittelstand weit verbreitet: 40 Prozent der Positionsinhaber erhalten eine Gewinnbeteiligung. In Großunternehmen erhalten hingegen durchschnittlich nur 5 Prozent der Positionsinhaber eine reine Gewinnbeteiligung. Jedoch wird eine Gewinnbeteiligung in Großunternehmen häufig im Rahmen anderer variabler Instrumente zur Vergütung der Ingenieure, wie zum Beispiel Leistungsbonus, berücksichtigt.

Zur Vergütung der Ingenieure gehören auch nicht-monetäre Werte

Das Pauschalurteil, dass Großunternehmen Ingenieuren eine höhere Vergütung zahlen, lässt sich anhand der Datenlage also nicht bestätigen. Vielmehr gilt: Mittelständler und Großunternehmen setzen unterschiedliche Vergütungsschwerpunkte. Ihre Attraktivität am Arbeitsmarkt wird daher je nach Mitarbeitergruppe, Berufserfahrung und angestrebten Karrieremöglichkeiten unterschiedlich beurteilt werden, wobei keiner der beiden Unternehmenstypen ausschließlich die Nase vorn hat.

Unternehmen, die nun ihre Vergütungspolitik noch einmal auf den Prüfstand stellen, sollten dabei im Blick behalten, dass für Mitarbeitergewinnung, -bindung und -motivation nicht nur die Grundvergütung und Leistungsbonus, sondern das gesamte Geben und Nehmen zwischen Unternehmen und Mitarbeiter relevant ist. Hierzu zählen auch nicht-monetäre Aspekte, etwa die Karriereentwicklung oder das Arbeitsumfeld. Eine Vergütung für Ingenieure ist dann optimal aufgestellt, wenn sie für die Mitarbeiter den größtmöglichen Wert bietet und gleichzeitig das Verhalten fördert, das für das Unternehmen den größten Return on Investment (ROI) erzeugt.

 
www.towerswatson.de

Anzeige

von Paul Fabiszak, Towers Watson

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Stellenangebote

OLYMPUS SOFT IMAGING SOLUTIONS

Entwicklungsingenieur (m/w) Hardware Development

Vibra Maschinenfabrik Schultheis GmbH & Co.

Diplom-Ingenieur als Projektingenieur (m/w)

Verfahrensingenieur (m/w)

SHW Automotive

Berechnungsingenieur (m/w) für Elektromotoren und deren Ansteuerelektronik

Jungheinrich AG

Senior-Qualitätsingenieur (m/w) Lieferantenentwicklung

Bock 1 GmbH & Co. KG

Projektmanager (m/w) Aluminiumtechnik

AUTOLIV B.V. & Co. KG

Design Lead (Radar) (m/w)

Software Engineer (m/w)

Software-Entwickler (m/w)