13.02.2015   |

Gehalt

Gehaltsverhandlung: Tipps für Ingenieure

Ingenieure, die vor dem Berufseinstieg stehen, sind häufig der Ansicht, dass eine Gehaltsverhandlung die Aussichten auf einen Arbeitsvertrag verkleinert. Tatsächlich sollten auch Anfänger ihren Marktwert kennen und versuchen, diesen durchzusetzen. Wer für eine Gehaltsverhandlung die richtigen Tipps beherzigt, kann sogar den Eindruck verstärken, er sei kompetent und gut informiert.

Auf der Jagd nach dem richtigen Einstiegsgehalt.

Foto: iStock / Thinkstock

Für Absolventen ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge sind die Gehaltsaussichten grundsätzlich gut, was die VDI Einkommensstudie 2013 erneut gezeigt hat. Dennoch stehen auch Ingenieure vor einem Dilemma: Sie wollen sich nicht unter Wert verkaufen, gleichzeitig aber auch nicht zu hart verhandeln. Schließlich ist die Konkurrenz groß, und Unternehmen haben natürlicherweise ein Interesse daran, die Personalkosten im Rahmen zu halten. Noch wichtiger ist es für sie allerdings, einen Ingenieur mit möglichst großer fachlicher Qualifikation einzustellen. Wer seine Kompetenz gut präsentiert, hat daher selbst im Vorstellungsgespräch eine ausgezeichnete Basis für eine Gehaltsverhandlung, sollte aber einige Tipps beachten.

Für eine Gehaltsverhandlung beziehen sich die Tipps stark auf die Vorbereitung

Berufsanfänger sollten grundsätzlich darauf vorbereitet sein, eine Gehaltsverhandlung zu führen. Vorab müssen Sie sich darüber informieren, welches Einstiegsgehalt üblich wäre. Das richtet sich nicht nur nach dem eigenen Abschluss und eventuellen Zusatzqualifikationen, sondern auch nach der Branche und der Größe des Unternehmens ? kleine Betriebe zahlen tendenziell weniger. Zudem gibt es regionale Unterschiede. Die VDI Einkommensstudie 2013 kann also eine Orientierung bieten, der Ingenieur muss das potenzielle Jahresgehalt aber vor jeder Gehaltsverhandlung individuell festlegen. Tipps kann er sich dabei gegebenenfalls von ehemaligen Studienkollegen holen, die bereits einen vergleichbaren Arbeitsplatz haben.

Inzwischen ist es durchaus üblich geworden, dass Personalchefs schon mit den Bewerbungsunterlagen eine Gehaltsvorstellung abfragen. Sinnvoll ist es in diesem Fall, wenn Ingenieure eine Spanne angeben, mit dem Zusatz, dass die Summe auch von der genauen Aufgabenstellung abhinge, was sich in einem Gespräch sicherlich besser klären ließe. Auf diese Weise signalisieren Sie die Bereitschaft, in einer späteren Gehaltsverhandlung auf den Arbeitgeber zuzugehen, machen aber gleichzeitig deutlich, dass Sie für eine anspruchsvolle Tätigkeit auch eine entsprechende Vergütung erwarten.

Im Vorstellungsgespräch muss der Personalchef den ersten Schritt machen

Beim Thema Gehaltsverhandlung lauten die Tipps für Ingenieure häufig, die persönlichen Vorstellungen aktiv anzusprechen und sich dann nicht in die Defensive drängen zu lassen. Das betrifft jedoch nur Ingenieure, die sich bereits in einer Anstellung befinden und eine Gehaltserhöhung fordern möchten. Im Vorstellungsgespräch gilt für Berufseinsteiger: Warten Sie, bis der Arbeitgeber eine Gehaltsverhandlung beginnt. Dann ist jedoch tatsächlich Selbstbewusstsein gefragt. Schließlich haben Sie den Gesprächspartner offensichtlich bereits von Ihrer Kompetenz überzeugt.

Wie schon bei den schriftlichen Bewerbungsunterlagen sollten Sie eine Gehalts-Spanne nennen und dabei im Kopf haben, dass Absolventen dazu neigen, zu wenig zu fordern, um möglichst hohe Chancen auf den anvisierten Job zu haben. Behalten Sie also im Kopf, was für Sie das Mindestgehalt wäre, nennen Sie bei der Gehaltsverhandlung aber eine Summe, die höher liegt. So bleibt genug Spielraum. Achten Sie dabei genau auf das Verhalten Ihres Gegenübers und überlegen Sie sich vor der Gehaltsverhandlung Tipps, wie Sie reagieren könnten, wenn Sie offenbar zu hoch oder auch zu niedrig gepokert haben.

In einer Gehaltsverhandlung können Sie das Ruder mit einigen Tipps herumreißen

Beispiel eins: Der Personalchef stimmt Ihrem Vorschlag schnell zu. Sie haben also vermutlich zu wenig gefordert. In diesem Fall können Sie Ihr Angebot ergänzen, indem Sie darauf hinweisen, dass Sie davon ausgehen, dass Zusatzleistungen üblich sind. Sie könnten sich beispielsweise nach vermögenswirksamen Leistungen oder ? in einer hohen Gehaltsgruppe ? sogar nach einem Dienstwagen erkundigen. Alternativ erklären Sie Ihrem Gesprächspartner, dass es für Sie selbstverständlich ist, nach einem Jahr eine neue Gehaltsverhandlung zu starten ? nachdem er sich von Ihrer Qualifikation überzeugen konnte.

Beispiel zwei: Der Personalchef sagt, Ihre Vorstellungen sprengen seinen Rahmen. Signalisieren Sie in diesem Fall Gesprächsbereitschaft, ohne den Eindruck zu vermitteln, dass Sie sich verkalkuliert haben. Eine gute Methode kann es sein, zu betonen, dass der angebotene Job inhaltlich für Sie so interessant wäre, dass Sie gerne von Ihren Vorstellungen abweichen würden. Falls das aufgrund des Stellenprofils nicht glaubhaft ist, könnten Sie ausführen, dass Sie offen sind für kreative Lösungen wie geldwerte Leistungen. Mitten in einer Gehaltsverhandlung auf eine deutlich niedrigere Summe auszuweichen, gehört nicht zu den besten Tipps. Auf diese Weise würden Sie nur den Eindruck vermitteln, Sie seien nicht gut vorbereitet.

Die erste Gehaltsverhandlung im Job muss sich auf die eigene Arbeit beziehen

Mit dem Antritt der ersten Stelle sollten Sie das Thema Gehaltsverhandlung nicht zu lange zu den Akten legen. Es ist üblich, dass Ingenieure nach einem bis anderthalb Jahren nachverhandeln. Für diese Gehaltsverhandlung gelten andere Tipps: Bereiten Sie inhaltliche Argumente vor, die sich auf Ihre Leistung beziehen, etwa erfolgreich abgeschlossene Projekte oder sogar neue Ideen, die Sie künftig umsetzen möchten. Ihr privater Finanzbedarf ist für Ihren Chef hingegen irrelevant.

Vereinbaren Sie für die Gehaltsverhandlung einen Termin, um die Bedeutung des Themas zu demonstrieren. Außerdem kann Ihr Chef ein spontanes Gespräch auf dem Gang einfacher ohne Ergebnis abbrechen. Wählen Sie dafür nicht die Weihnachtszeit, in der tendenziell viele Mitarbeiter mit Gehaltswünschen auf den Chef zugehen. In der Höhe sollte Ihre Forderung zwischen drei und zehn Prozent liegen. Außerdem ist es sinnvoll, Vorschläge für geldwerte Leistungen vorzubereiten, die durch die andere Besteuerung für den Arbeitgeber günstiger sind, Ihnen aber netto mehr einbringen. Beispiele wären Diensthandy oder Laptop, mit ausdrücklich erlaubter privater Nutzung. Der Arbeitgeber kann auch die Kosten für das Jobticket übernehmen oder sogar steuerfrei Zuschüsse zu Fitness- oder Entspannungskursen wie Yoga oder Rückenschule leisten. Das könnten in einer Gehaltsverhandlung sogar für Ihren Vorgesetzten neue Tipps sein.

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von Nicole Lücke/Thomas Kresser, Redaktionsbüro ContentQualitäten

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