06.02.2017   |

Gehalt

Gehaltsstudie: Wie viel verdient ein Bauingenieur?

Bauingenieure haben eine magische Gehaltsgrenze erreicht. Und es gibt Hoffnung auf weitere Einkommensbesserung. Wir zeigen Ihnen, welche Faktoren Ihr persönliches Gehalt als Bauingenieur beeinflussen können.

Bau TÜV Rheinland

 Eine höhere Position wirkt sich positiv auf das Einkommen aus.

Foto: TÜV Rheinland

Laut der aktuellen Gehaltsstudie von ingenieurkarriere.de verdiente ein Bauingenieur mit Berufserfahrung im Jahr 2015 durchschnittlich rund 51.500 EUR. Damit konnte er nach einer Steigerung um 3,3% im Vergleich zum Vorjahr die Grenze von 50.000 EUR brutto wieder übertreten. Ein Trend, dem die Einstiegsgehälter im Baugewerbe folgen: Sie liegen bei rund 41.600 EUR und sind damit ebenfalls angewachsen – um knapp 4%.

Ein Blick auf die Entwicklung der letzten Jahre suggeriert, dass sich die Baubranche – und mit ihr das Gehalt für Bauingenieure – stabilisiert. Wir zeigen Ihnen, wie Faktoren Ihr persönliches Gehalt als Bauingenieur beeinflussen können. Von der allgemeinen Branchenentwicklung über die Wahl Ihres Arbeitgebers bis zur vertraglich geregelten Arbeitszeit.

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Gehaltsentwicklung:  Bauingenieure erlebten eine tiefe Krise

Bauingenieure mussten schon in den Jahren 2002 bis 2005 hohe Gehaltseinbußen hinnehmen. Das Brutto-Jahresgehalt eines Bauingenieurs mit mehr als zwei Jahren Berufserfahrung sank in diesem Zeitraum von 57.500 EUR auf 41.500 EUR. Das entspricht auf dem Gehaltszettel einem Minus von satten 27%. Seither stiegen die Gehälter zwar wieder kontinuierlich an, erreichten aber bis zuletzt nicht mehr das Vorkrisenniveau. Nun sind die Einkommen berufserfahrener Bauingenieure wieder etwas gestiegen, die Entwicklung dürfte aber turbulent bleiben.

Die aktuelle Gehaltsstudie weist für das Baugewerbe ein durchschnittliches Ingenieurgehalt von knapp 51.500 EUR brutto im Jahr aus.

Gehaltsvergleich: Unterdurchschnittliches Entgelt in der Bauwirtschaft

Trotz aller Freude über den Anstieg: Erfahrene Bauingenieure werden mit bis zu einem Viertel weniger Gehalt entlohnt als ihre Kollegen anderer Fachrichtungen – oder anders ausgedrückt: Im Schnitt verdienen Ingenieure in anderen Branchen 11.500 EUR brutto mehr im Jahr. Denn die taumelnde Verdienstentwicklung beim Bauingenieur steht dem Trend steigender Ingenieureinkommen gegenüber. In der Energieversorgung bringen es berufserfahrene Ingenieure etwa auf einen Jahresverdienst von 61.000 EUR, im Maschinen- und Anlagenbau sind es gar 62.000 EUR. Dennoch lohnt ein Studium, wenn der Traumberuf im Baugewerbe liegt. Denn ein Bautechniker erhält im Schnitt 38.500 EUR Jahreslohn.

Vergleichbar mit den Ingenieureinkommen im Baugewerbe sind die Gehälter in Ingenieur- und Planungsbüros, die ein durchschnittliches Jahresentgelt von 50.000 EUR beziehen. Diese Parallele kommt keineswegs von ungefähr: Viele Bauingenieure sind nicht direkt in der Bauwirtschaft, also den großen Bauunternehmen wie Hochtief, Züblin oder Bilfinger beschäftigt, sondern bei Planungs- und Ingenieurbüros. Sie fungieren ebenso wie die vielen freiberuflich tätigen Bauingenieure als Dienstleister der Bauindustrie.

Für alle mit der Planung von Bauprojekten beauftragten Freien gilt in Deutschland die „Honorarordnung für Architekten und Ingenieure“ (HOAI). Sie gewährleistet sowohl ein verbindliches Preisniveau als auch die Möglichkeit, festgelegte Honorare vor Gericht einzuklagen. Die Bundesarchitektenkammer beziffert den durchschnittlichen Jahresverdienst eines selbstständigen Architekten etwa auf 45.000 EUR. Klingt gut, aber die Kosten und Mühen von Freiberuflern dürften das Plus gegenüber den fest angestellten Kollegen wieder aufwiegen.

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Einstiegsgehalt: Berufseinsteiger haben das Gehaltsniveau der Vorkrisenzeit erreicht

Die Durststrecke auf der Gehaltsabrechnung traf Berufseinsteiger im Baugewerbe etwas weniger hart. Die Einstiegsgehälter brachen von 2002 bis 2006 zwar ebenfalls um ein Viertel ein, erholten sich aber schneller als die Einkommen der Berufserfahrenen. Seit 2012 verdienen Berufseinsteiger im Baugewerbe im Durchschnitt wieder so viel wie vor der Krise. Im Jahr 2015 wiesen die Gehaltszettel ein durchschnittliches Einstiegsgehalt von 41.600 EUR auf und festigten damit ein neues Einkommensniveau.

Einstiegsgehalt durch Abschluss beeinflussbar

Ein Stück weit kann man sein Einstiegsgehalt beeinflussen, nämlich durch die Wahl des eigenen akademischen Abschlusses. Wer nach dem Bachelor aussteigt, erhält im Schnitt 3.000 EUR weniger als der Kollege mit wissenschaftlichem Hochschul-, sprich Masterabschluss. Der hat sich inzwischen auf dem Niveau des Dipl.-Ing. eingependelt, die Brutto-Einstiegsgehälter rangierten 2015 bei durchschnittlich 46.800 EUR. Der Master-Abschluss scheint langsam seinen angedachten Platz in der Wirtschaft zu finden. Sicher ist jedenfalls, dass nebenbei noch die Wahl der Hochschule an der Gehaltsschraube dreht: Abschlüsse an Universitäten und Technischen Hochschulen werden geringfügig besser dotiert als solche an Fachhochschulen.

Bei all diesen Faktoren, von den Bologna-Abschlüssen über die Hochschulform bis zur Promotion, sollte man bedenken, dass es am Ende immer auf die jeweils angestrebte Position in der Arbeitswelt ankommt, welche Kriterien als Plus- und welche als Minuspunkt wahrgenommen werden. Schließlich kann man nicht nur unter-, sondern auch überqualifiziert sein, gerade wenn viele Studienjahre, aber noch keine Berufserfahrung nachgewiesen werden kann.

Absolventen aus Aachen und München sind am begehrtesten

Vertikale Karriereschritte erhöhen das Gehalt

Der Großteil der Berufseinsteiger ist als Fach- oder Projektingenieur angestellt, d.h. als Mitarbeiter eines Projektteams. In diesen Positionen zahlt das Baugewerbe im Schnitt Brutto-Jahresgehälter um die 45.000 EUR, wobei Berufseinsteiger niedriger eingestuft werden als berufserfahrene Kollegen. Der Gehaltszettel eines Projektmanagers im Baugewerbe weist bereits bis zu 55.000 EUR auf, der eines Gruppen- oder Teamleiter wiederum deutlich mehr.

Eine höhere Position füllt das Portmonee eines Bauingenieurs damit deutlich schneller als eine langjährige Berufserfahrung auf ein und derselben Position. Das liegt daran, dass mit der höheren Position meist auch eine größere Mitarbeiterverantwortung einhergeht. Die Faustregel besagt: Je höher die Position und je größer die Mitarbeiterverantwortung, desto besser ist das Gehalt. Leider steht der persönlichen Karriereplanung aber immer die konjunkturelle Entwicklung der eigenen Branche gegenüber. Und die Baubranche ist alles andere als leicht berechenbar.

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Turbulente Branchenentwicklung im Bau schwächt die Gehälter

Während die Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2008 den meisten Branchen massive Umsatzeinbußen bescherte, konnte das Baugewerbe seinen Umsatz sogar steigern. Grund waren die hohen Investitionen des Bundes in die Infrastruktur und in öffentliche Bauten. Die Gehaltsabrechnung der Bauingenieure zeichnete diese Entwicklung weitgehend nach. Die positive Gehaltsentwicklung legte von der Finanzkrise bis zum erneuten Einbruch 2013 nur einmal eine kleinere Verschnaufpause ein. Und auch die Arbeitslosenzahlen entwickelten sich sehr positiv. Entgegen der allgemeinen Entwicklung nahm die Arbeitslosigkeit im Berufsfeld Bau, Architektur und Gebäudetechnik in den Jahren 2007 bis 2015 um rund 40% ab.

Für den Grund des unterdurchschnittlichen Lohns der Bauingenieure muss man also die Zeitachse noch etwas weiter zurückgehen, genau genommen 13 Jahre bis ins Jahr 2002. Während alle übrigen Ingenieurbranchen ab diesem Zeitpunkt ein kontinuierliches Umsatzplus verzeichneten, taumelte die Baubranche in die Krise. Innerhalb von zwei Jahren fiel der Branchenumsatz zuerst um 18%, um sich dann bis 2006 gerade einmal zu berappeln. Die Anzahl sozialversicherungspflichtig beschäftigter Architekten und Bauingenieure nahm in diesem Zeitraum um über 28% ab. Und auch die Gehälter traf dieser Konjunktursturz schwer: Sie brachen zunächst um 27% auf 42.000 EUR ein und haben sich bis heute nicht gänzlich von dieser Talfahrt erholt.

Augen auf bei der Wahl des Arbeitgebers

Nun haben Arbeitnehmer wenig Einfluss auf die Entwicklung einer Branche oder gar der Konjunktur. Aber an einer Stellschraube lässt sich wunderbar drehen: der Wahl des Arbeitgebers. Denn die Größe des Unternehmens, für das ein Ingenieur tätig ist, ist auch ausschlaggebend für die Höhe der Vergütung. So zahlen mittlere Unternehmen mit einer Beschäftigtenzahl zwischen 50 und 250 durchschnittliche Jahresgehälter von 44.000 EUR. Bei Konzernen mit mehr als 5.000 Mitarbeitern können sich Bauingenieure an allgemeinen Durchschnittslöhnen von 51.000 EUR orientieren, wobei die Spannbreite vom unteren zum oberen Quartil mehr als 10.000 EUR ausmacht.

Dennoch gilt durch alle Branchen hinweg: Je größer das Unternehmen, desto mehr wird am Monatsende gezahlt. Natürlich kann man nun sagen, die kleineren Wettbewerber zahlen zwar weniger, haben aber mindestens ebenso spannende Tätigkeiten für Bauingenieure zu bieten wie die Großen (und man läge damit sicherlich richtig). Aber in Hinblick aufs Gehalt muss der Hinweis erlaubt sein: Wenn das kleine Unternehmen bzw. das Planungsbüro dann noch in einer strukturschwachen Region angesiedelt ist, schlägt das aufs Gehalt durch.

Regionale Gehaltsunterschiede teilen Deutschland

In Deutschland gibt es auch 26 Jahre nach dem Mauerfall noch ein deutliches West-Ost-Gefälle. Die Ingenieurgehälter sämtlicher ostdeutscher Bezirke – mit Ausnahme des Bezirks rund um Frankfurt an der Oder – liegen unterhalb des Gehaltsniveaus im Westen der Republik. Daneben lässt sich ein Nord-Süd-Gefälle ausmachen, das allerdings weniger stark ausgeprägt ist. Eine goldene Nase kann sich also am ehesten der Bauingenieur verdienen, der bei einem großen Unternehmen im Süden Deutschlands anheuert. Zumindest theoretisch. Wenn da nicht all die anderen Einflussfaktoren wären.

So verteilen sich die Ingenieurgehälter über Deutschland

Die Bauingenieurin holt auf

Kaum ein anderer Ingenieurzweig zieht so viele Frauen an wie das Bauingenieurwesen. Im Jahr 2013 waren 28% aller Bachelorabsolventen weiblich. Im gleichen Verhältnis stehen die Bauingenieurinnen mit Masterabschluss zu ihren männlichen Kollegen. In einer verwandten technischen Fachrichtung hat sich das Verhältnis sogar schon umgekehrt: Seit einigen Jahren schließen deutlich mehr Frauen ein Studium der Architektur und Innenarchitektur ab als Männer.

Gehaltstechnisch kann dieser positive Trend aber leider nicht punkten. Denn nach wie vor gibt es einen eklatanten Unterschied in der Bezahlung von Ingenieurinnen und Ingenieuren – auch im Baugewerbe. Um einen Anhalts Wert nennen zu können, wertet die Gehaltsstudie die Gehaltsdaten von insgesamt 350 männlichen und 350 weiblichen Ingenieuren aus, die als Projekt- oder Fachingenieure arbeiten und nicht mehr als fünf Jahre Berufserfahrung aufweisen. Die Ergebnisse waren ernüchternd. Zwar konnten die Ingenieurinnen die Gehaltslücke in den letzten Jahren etwas verringern, noch immer betrug sie im Jahr 2015 aber durchschnittlich 5%. Während die Ingenieure also mit einem durchschnittlichen Jahresentgelt von 49.000 EUR nach Hause kamen, mussten sich viele Ingenieurinnen mit 2.500 EUR weniger zufrieden geben.

In Österreich etwa gibt es nicht zuletzt aus Gründen der Geschlechtergerechtigkeit seit einigen Jahren eine gesetzlich festgelegte Gehältertransparenz. Unternehmen sind seither verpflichtet, Angaben zum Mindestgehalt in der ausgeschriebenen Position zu machen. Das Hauptergebnis dieser Umstellung war, dass viele Unternehmen eine versteckte Diskriminierung in der Bezahlung ihrer weiblichen Belegschaft feststellten. Auch wenn das nicht das angestrebte Ziel der Initiative war, könnte es doch einen Umschwung bringen. Auch in Deutschland wird über die ungleiche Bezahlung zwischen Mann und Frau ausgiebig diskutiert. Bis dieses Kapitel aber abgeschlossen ist, heißt es: gut verhandeln, Mädels.

Wie man sich als Frau in Männerberufen durchsetzt

Arbeitszeit und variable Vergütung beim Gehaltspoker berücksichtigen

Drei Faktoren gilt es im Gehaltspoker besonders zu beachten, denn sie machen einen großen Unterschied beim Jahresentgelt.

  • Steht Ihnen Urlaubs- und/oder Weihnachtsgeld zu?
  • Wie hoch ist Ihre vertraglich geregelte Wochenarbeitszeit?
  • Enthält Ihr Jahresentgelt variable Vergütungsbestandteilt?

Dass Urlaubs- und Weihnachtsgeld den Angestellten erfreuen, ist ohnehin klar. Erklärungsbedürftiger ist das bei der Arbeitszeit:

Bauingenieure gehören zu den Vielarbeitern unter den Ingenieuren. Ihre tarifliche Arbeitszeit beträgt im Schnitt 44 Stunden pro Woche, ebenso hoch liegt sie bei außertariflichen und etwas darunter bei nicht tarifgebundenen Angestellten. Leitende Angestellte kommen dagegen auf eine durchschnittliche Arbeitszeit von 47 Stunden in der Woche. Was das alles mit dem Gehalt zu tun hat? Ganz einfach: Wer eine vertraglich vereinbarte 45-Stunden-Woche hat, jedoch jede Woche im Schnitt eine Stunde unbezahlte Mehrarbeit leistet, drückt das eigene Gehalt am Ende des Jahres um ca. 10%. Vor allem bei Gehaltserhöhungen sollte man diesen Zusammenhang im Hinterkopf haben.

Und nun zu den variablen Vergütungsbestandteilen: Obwohl sie im Baugewerbe im Vergleich zu den anderen Ingenieurdisziplinen keine große Rolle spielen, machen sie im Schnitt doch 5% des Lohns aus, bei Teamleitern etwa. Wichtig sind variable Gehaltsbestandteile auch für Bauingenieure, die in Planungsbüros arbeiten, denn im Verhältnis zum Jahresentgelt können die variablen Anteile deutlich höher ausfallen.

Fazit

Das Jahresgehalt des Bauingenieurs schwankt stark – viel stärker, als es durch die konjunkturellen Rahmenbedingungen zu erklären ist. Die Hauptursache liegt wohl in einem radikalen Einbruch der Entgelte vor etlichen Jahren und der Tatsache, dass viele Bauingenieure entweder freiberuflich tätig oder in kleinen Planungs- und Ingenieurbüros angestellt sind.

Was es heißt, beides miteinander zu verbinden, verrät unser kleiner Gründungsratgeber. Wer lieber auf Nummer sicher gehen möchte und eine feste Anstellung sucht, sollte sich in unserem Jobportal für Bauingenieure umsehen. Und wer überlegt, ob ihn eine Promotion weiterbringen könnte, erhält Rat von der Buchautorin Helga Knigge-Illner. Ansonsten helfen vor allem Verhandlungsgeschick und ein guter Überblick über Plus- und Minuspunkte des eigenen Profils.

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von Lisa Schneider

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