22.08.2016   |

Gehalt

Gehaltsstudie: Wie viel verdienen Elektroingenieure?

Ingenieure in der Elektronik und Elektrotechnik gehören zu den Gutverdienern in Deutschland. Vom Aufwärtstrend der vergangenen Jahre profitierten zuletzt aber nur die Berufseinsteiger. Die Einkommen der berufserfahrenen Elektroingenieure gingen dagegen zurück.

Elektroingenieure mit Berufserfahrung verdienten 2014 im Durchschnitt 2000 EUR mehr als im Jahr zuvor.

Ein Studium der Elektrotechnik lohnt sich.

Foto: Uni Siegen

Für einen Elektroingenieur, bzw. eine Elektroingenieurin, machen sich insbesondere Berufserfahrung und Mitarbeiterverantwortung auf dem Gehaltszettel bemerkbar. Das geht aus der aktuellen Gehaltsstudie des Jobportals ingenieurkarriere.de hervor.

Die komplette Studie „Ingenieureinkommen 2002 - 2015“ können Sie hier beziehen.

Gehaltsvergleich: Elektroingenieure müssen leichtes Minus hinnehmen

Einst waren sie die Geringverdiener unter den Ingenieuren. Doch dann kannte die Vergütung von Elektroingenieuren nur eine Richtung: bergauf. Im letzten Jahr sind die Gehälter wieder zurückgegangen, liegen aber mit durchschnittlichen Jahresgehältern von 60.800 EUR immer noch im Mittelfeld aller Ingenieurberufe.

Besserverdiener finden sich in der Chemie- und Pharmaindustrie, die ihre Ingenieure im Schnitt mit 76.000 EUR Brutto-Jahresgehalt beglückt und damit die mit Abstand höchste Vergütung aufweist. Deutlich mehr wert sind auch die Gehaltszettel von Ingenieuren aus dem Fahrzeugbau. Vergleichbar sind die Gehälter der Elektroingenieure mit denen aus der Informationstechnologie und der Energieversorgung. Und die untere Ende der Rangliste zeigt: Elektroingenieure verdienen nach wie vor gut. Im Baugewerbe bringen es Ingenieure mit Berufserfahrung im Schnitt auf 51.500 EUR, in Ingenieur- und Planungsbüros dagegen nur auf 50.000 EUR.

Dass Elektroingenieure übrigens heiß begehrt sind, bestätigt sich, wenn man auf die Einkommen angrenzender Berufsgruppen schaut: Ein Elektrotechniker etwa kann laut ausbildung.de bis zu 48.000 EUR verdienen. Im Schnitt dürfte es zwar eher 37.200 EUR sein, v.a. wenn der Elektrotechniker keine leitende Position bekleidet. Aber die Fähigkeiten und Kenntnisse von Fachkräften der Elektronik und Elektrotechnik sind gefragt. Das Studium der Elektrotechnik, das als eines der härtesten der Ingenieurwissenschaften gilt, lohnt sich also.

Gehälter   nach Branchen

1.

Chemie   & Pharma

76.000 EUR

2.

Fahrzeugbau

66.000 EUR

3.

Maschinen- & Anlagenbau

61.900 EUR

4.

Informationstechnologie

61.800 EUR

5.

Energieversorgung

61.100 EUR

6.

Elektronik   & Elektrotechnik

60.800 EUR

7.

Baugewerbe

51.500 EUR

8.

Ingenieur- & Planungsbüros

50.000 EUR

Hier finden Sie offene Stellen für Elektroingenieure

Einstiegsgehalt deutlich gestiegen

Arbeitgeber der Elektronik und Elektrotechnik zahlen frischgebackenen Absolventen zurzeit ein durchschnittliches Jahresgehalt von 47.300 EUR brutto. Das bedeutet ein Lohnplus von durchschnittlich 4% oder 1.800 EUR im Vergleich zum Vorjahr. Und das, obwohl das Einstiegsgehalt der Branche zu Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2002 bei mickrigen 35.050 EUR lag. Das waren rund 3400 EUR weniger als die Durchschnittseinkommen aller Jungingenieure. Seither hat sich das erste Gehalt für Elektroingenieure – abgesehen von einem kleinen Dämpfer im Jahr 2011 – kontinuierlich gesteigert.

Allerdings muss man differenzieren. Ein Absolvent, der als Trainee einsteigt, verdient wesentlich weniger als sein Kommilitone, der direkt als Projektingenieur oder Fachingenieur angestellt wird. Hinzu kommt, dass Arbeitgeber die Studienabschlüsse in der Gehaltseinstufung unterschiedlich werten.

Als Faustregel gilt: Absolventen mit einem Dualen Hochschulabschluss haben deutlich aufgeholt und liegen nun gleichauf mit FH-Absolventen. Höher pokern können in ihren Gehaltsverhandlungen allerdings nach wie vor Ingenieuren aus Unis sowie Technischen Hochschulen und natürlich – noch weit vor den Uni-Absolventen – Promovierte.

Was verdient der Bauingenieur?

Je größer die Unternehmen, desto voller die Lohntüte

Ein einflussreicher Faktor beim Gehalt eines Elektroingenieurs ist auch die Größe des Unternehmens. Bereits die Einstiegsgehälter zwischen kleinen Unternehmen der Elektronik und Elektrobranche und deren Big Player variieren um bis zu 9.000 EUR erheblich. So sind Einkommen über 50.000 EUR für Elektroingenieure ohne Berufserfahrung fast nur in Konzernen zu erreichen. Vielleicht ist das ein Grund für die andauernde Beliebtheit von Siemens , Bosch oder Festo unter Elektroingenieuren.

Kombiniert man die Einflussfaktoren Unternehmensgröße und Karrierefortschritt, schaut man sich also etwa den Gehaltszettel eines Abteilungsleiters an, der in einem Großunternehmen arbeitet, fällt die Gehaltserhöhung durch Mehr-Verantwortung noch größer aus: In einem Betrieb mit weniger als 50 Mitarbeitern verdient ein solcher Abteilungsleiter im Schnitt etwa 66.000 EUR, in einem Konzern mit mehr als 5000 Mitarbeitern kann er dagegen über 96.000 EUR einstreichen.

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Regionale Gehaltsunterschiede: Ballungszentren zahlen sich aus

Trotz der vielen Durchschnittswerte: Die Ingenieurgehälter sind keineswegs einheitlich in Deutschland. In wirtschaftlichen Ballungszentren beispielsweise sind sie deutlich höher als in ländlicheren Regionen. Wer eine Stelle im Rhein-Ruhr-Gebiet, im Raum Nürnberg oder etwa um Stuttgart hat, kann sich glücklich schätzen. Diese Regionen führen die Liste der Top-Jahresgehälter an. In Dresden oder Magdeburg müssen sich Ingenieure dagegen auf ein geringeres Gehaltsniveau einstellen, dort fallen aber auch die Lebenshaltungskosten geringer aus.

Auf der Landkarte zeigt sich neben den Unterschieden zwischen Stadt und Land ein deutliches Süd-Nord- und ein noch deutlicheres West-Ost-Gefälle. Ingenieure in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen und Teilen von Sachsen-Anhalt verdienen wohl per se weniger als ihre Kollegen in Baden-Württemberg oder Bayern.

Auch hier sollte man aber differenzieren: In einigen Gebieten gibt es sehr starke Cluster, etwa zur Mikroelektronik in Sachsen oder zur Schifffahrt in Kiel. Diese regional verdichteten, hoch spezialisierten Unternehmen suchen meist ganz spezielle Fachkräfte. Hier gilt die Faustregel: Wer sich auf ein Fachgebiet spezialisiert hat und dort als Experte auftreten kann, darf auch in Regionen mit mäßigem Gehaltsniveau ein überdurchschnittliches Entgelt verlangen.

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Karriereschritte ermöglichen Gehaltssprünge

Wenn Elektroingenieure auf ein und derselben Karrierestufe verharren, wirkt sich die langjährige Erfahrung nur bedingt auf den Gehaltszettel aus. Zwar steigt die Vergütung durch zunehmende Betriebszugehörigkeit und Berufserfahrung, allerdings nicht annähernd in dem Maße, wie bei einem vertikalen Positionswechsel. Mit einem Fortschritt auf der Karriereleiter erzielen Elektroingenieure in der Regel einen deutlichen Gehaltszugewinn. So sind die Einstiegspositionen des Ingenieur-Sachbearbeiters und des Projektingenieurs weit weniger gut dotiert als die höheren Positionen mit größerer Mitarbeiterverantwortung.

Laut der aktuellen Gehaltsstudie von ingenieurkarriere.de vergüten Unternehmen der Elektronik und Elektrotechnik ihre Einstiegspositionen mit einem jährlichen Brutto-Betrag zwischen 41.750 EUR und 52.750 EUR. Die nächsten Schritte auf der Karriereleiter als Projektmanager oder Teamleiter werden mit durchschnittlich 64.600 EUR, bzw. 78.250 EUR vergütet. Als Abteilungsleiter mit Verantwortung gegenüber 20 bis 25 Mitarbeitern verdienten Elektroingenieure bereits ein Jahresgehalt von 80.750 EUR und am meisten verdienten wie in allen Branchen die Bereichsleiter.

Wie in anderen Branchen auch, gilt in der Elektronik und Elektrobranche die Faustregel: Eine Beförderung winkt zwar mit einer besseren Vergütung, dieser Obolus – der eine steigende Arbeitsbelastung, bzw. zunehmende Verantwortung ausgleichen soll – fällt aber deutlich höher aus, wenn der Positions- mit einem Arbeitgeberwechsel einhergeht.

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Zusatzqualifikationen: Auslandserfahrung steigert das Gehalt

Neben der Mitarbeiterverantwortung gibt es eine zweite persönlich zu beeinflussende Variable, die sich äußerst positiv auf das Gehalt von Ingenieuren auswirkt: Auslandserfahrung. Wer mindestens ein Jahr im Ausland verbracht hat, um dort zu arbeiten, verdient über alle Positionen hinweg mehr als die daheim gebliebenen Kollegen. Vor allem fachlich versierte Projektmanager sowie personell orientierte Führungspersonen können ihre im Ausland gesammelte Erfahrung zu Geld machen.

Anders als man vermuten könnte, wirken sich sonstige Zusatzqualifikationen wie Kenntnisse im Programmieren oder in der Mediation nicht in dem Maß aus wie die Mitarbeiterverantwortung und die Auslandserfahrung.

Variable Vergütung erst spät wichtig

Die Einstiegsgehälter von Elektroingenieuren erhalten kaum variable Vergütungsanteile. Die Angaben zum Jahresgehalt beziehen sich somit in den allermeisten Fällen auf Fixgehälter. Bei vertikalem Karriereverlauf nimmt der Anteil der variablen Vergütung am Jahresgehalt jedoch merklich zu und liegt im oberen Quartil der Befragten bei etwa 10%. Über alle Branchen hinweg liegen die Elektroingenieure mit einem variablen Vergütungsanteil von 6,5% des Jahresgehalts im Mittelfeld.

Fazit

Ingenieure in der Elektronik und Elektrotechnik sind Gutverdiener mit einem entscheidenden Vorteil gegenüber ihren Ingenieurkollegen etwa aus dem Maschinenbau oder dem Bauwesen: Um ihr Gehalt zu verbessern, können Elektroingenieure ohne Weiteres in eine andere Branche wechseln, die ihre Fachkräfte im Schnitt noch besser bezahlt. Etwa in den Fahrzeugbau, wo Elektroingenieure dank der Megatrends Elektromobilität und Autonomes Fahren in großer Zahl gebraucht werden. Das spiegeln auch unsere Stellenangebote.

Vor der Gehaltsverhandlung lohnt sich zudem ein Blick in den Tarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie, um das Entgeltniveau der eigenen Region in Erfahrung zu bringen. Falls das angestrebte Unternehmen nicht tarifgebunden ist, gilt die Faustregel: Arbeitgeber, die nicht tarifgebunden sind, zahlen im Schnitt 3.000 EUR bis 4.000 EUR weniger als ihre tarifgebundenen Wettbewerber. Aber wer die Kunst der Verhandlung beherrscht, kann auch diesen Nachteil locker ausgleichen.

Tipp:
Was Sie beim Branchenwechsel beachten müssen.

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von Lisa Schneider

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