13.02.2017   |

Gehalt

Gehaltsstudie: Wie viel verdienen Chemieingenieure?

Ingenieure der Chemie- und Pharmaindustrie sind Spitzenverdiener. Doch das birgt Tücken bei der Formulierung eigener Gehaltsvorstellungen. Denn obwohl die positive Einkommensentwicklung der Branche ein langfristiger Trend ist, gibt es immer wieder zwischenzeitliche Einbußen – zuletzt 2015.

Gute Aussichten für Chemieingenieure.

Foto: BASF SE

Die Einkommen der Ingenieure in der Chemie- und Pharmaindustrie konnten zuletzt nicht weiter zulegen. Sie verharrten jedoch auf sehr hohem Niveau und das, obwohl die Entwicklung der Branchenumsätze seit Jahren alles andere als hervorsticht. Entscheidend für den guten Verdienst in der Branche sind vielmehr die beschäftigende Unternehmensabteilung, die Mitarbeiterverantwortung sowie variable Gehaltsbestandteile. Diese und weitere Faktoren sollten Sie kennen, um eine maßvolle Gehaltsvorstellung zu entwickeln.

Gehaltsvergleich: Der Chemieingenieur verteidigt Position als Spitzenverdiener

Ingenieurgehälter nach Branchen

1.

Chemie & Pharma

76.000 EUR

2.

Fahrzeugbau

66.000 EUR

3.

Maschinen-   & Anlagenbau

61.900 EUR

4.

Informationstechnologie

61.800 EUR

5.

Energieversorgung

61.100 EUR

6.

Elektronik   & Elektrotechnik

60.800 EUR

7.

Baugewerbe

51.500 EUR

8.

Ingenieur- & Planungsbüros

50.000 EUR

Zehntausend Euro. In Zahlen: 10.000 EUR. Das ist der Unterschied zwischen dem Brutto-Jahreseinkommen eines Chemieingenieurs und dem durchschnittlichen Jahresgehalt eines Ingenieurs im Fahrzeugbau. Damit können die Chemieingenieure ihre Spitzenposition als Vielverdiener unter den Ingenieuren unangefochten behaupten. Das belegt die aktuelle Gehaltsstudie von ingenieurkarriere.de „Ingenieureinkommen 2002 bis 2015“. 

Im Durchschnitt verdienten berufserfahrene Ingenieure in Deutschland im vergangenen Jahr 60.650 EUR. Chemieingenieure mit mindestens zwei Jahren Berufserfahrung verdienten dagegen 76.000 EUR und lassen die Gutverdiener aus dem Fahrzeugbau damit weit hinter sich. Zur Spitzenposition führte die Chemie- und Pharmaindustrie nicht zuletzt ein sattes Lohnplus um satte 8,9% im vorangegangenen Jahr. Auf diesem Niveau ruhten sich die Gehälter 2015 zunächst aus.

CV-Datenbank für Ingenieure

Einstiegsgehalt: Berufseinsteiger büßen Einkommenssprung ein

Der Richtwert, an dem sich Absolventen und Berufseinsteiger in der Chemie- und Pharmaindustrie orientieren können, ist generell hoch. Die Einstiegsgehälter der Branche liegen derzeit bei rund 48.500 EUR und damit im Schnitt 3.000 EUR über dem Verdienst aller ingenieurgeprägten Berufseinsteiger. Das Superniveau von über 50.000 EUR, das die vergangene Gehaltsstudie festhielt, konnte damit zwar nicht gehalten werden. Den Spitzenplatz macht aber auch den frischgebackenen Chemie- und Pharmaingenieuren keiner streitig.

Die Verdienstmöglichkeiten sind jedoch nicht für alle in der Branche gleich. Wer einen Master in der Tasche hat, kann in seiner Gehaltsverhandlung im Schnitt 3.500 EUR mehr rausholen als ein Bachelorabsolvent. Das Studium an einer Universität oder Technischen Hochschule wird ebenfalls mit rund 3.000 EUR mehr Erstgehalt verrechnet als ein Fachhochschulstudium.

All diese Zahlen sind jedoch Durchschnittswerte. Wer als Einsteiger einen Auslandsaufenthalt, erste Berufserfahrung oder Zusatzqualifikationen vorweisen kann, die das suchende Unternehmen zufällig braucht, klettert zügig ein, zwei Gehaltsstufen nach oben. Vor allem, wenn er oder sie die Kunst der Gehalts-Verhandlung beherrscht.

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Branchenentwicklung spiegelt Gehaltsniveau nur bedingt wider

Der Umsatz der Chemie- und Pharmaindustrie entwickelte sich in den letzten zehn Jahren weitgehend positiv. Im Jahr 2003 lagen die Umsätze aller steuerpflichtigen Unternehmen der Branche bei rund 137,6 Mrd. EUR. In den folgenden Jahre kletterte der Branchenumsatz kontinuierlich auf bis zu 210 Mrd. EUR an, bis die globale Finanz- und Wirtschaftskrise kam und die Entwicklung einiger Jahre rückgängig machte: Die Umsätze brachen um knapp 10% ein. Um seither wieder fröhlich zu steigen und den Ingenieuren der Branche pralle Lohntüten zu bescheren. Diese konjunkturelle Entwicklung ist sicher ein Grund für die Lohnsteigerung der Chemieingenieure in Deutschland.

Allerdings erklärt sie nicht, warum Chemieingenieure die Gehaltstabelle vor Ingenieuren des Fahrzeugbaus oder der Energieversorgung anführen. Denn im Vergleich zu anderen Branchen entwickelte sich der Branchenumsatz der Chemie- und Pharmaindustrie auf einem eher durchschnittlichen Niveau. Während er zuletzt sogar um 2,4% auf 222 Mrd. EUR sank, schoss der Jahreserlös im Fahrzeugbau auf 425 Mrd. EUR und in der Energieversorgung auf 334 Mrd. EUR hoch. Selbst das Baugewerbe setzt seit Jahren mehr um als die Chemie- und Pharmabranche, nur dass von diesem positiven Trend kaum etwas bei den dort beschäftigten Bauingenieuren ankommt.

Viele Chemieingenieure sind in der Forschung

Eine Erklärung für den guten Verdienst von Chemieingenieuren findet sich in der Position. Kaum eine Branche in Deutschland sei so innovativ und forschungsintensiv wie die Chemie- und Pharmaindustrie, schreibt etwa die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Dementsprechend sind viele der rund 6500 Ingenieure und Naturwissenschaftler in der chemisch-pharmazeutischen Industrie in der Forschung tätig.

Nach dem Vertrieb ist Forschung & Entwicklung, kurz FuE, die lukrativste Abteilung in Unternehmen. Ein Fach-, bzw. Projektingenieur bringt es in diesem Bereich auf ein Brutto-Jahresentgelt von durchschnittlich 53.700 EUR. Zum Vergleich: In der Projektierung verdient ein Ingenieur in der gleichen Position 1.000 EUR weniger.

Unternehmensgröße zahlt sich für Chemieingenieure aus

Übrigens kommen hier zwei Faktoren zusammen: Obwohl eine überwiegende Mehrheit der deutschen Chemieunternehmen dem Mittelstand zuzurechnen ist, sind die meisten Beschäftigten in Großunternehmen und Konzernen wie BASF, Bayer, Linde oder Evonik beschäftigt. Und wie in jeder Branche gilt auch in der chemischen Industrie, dass große Unternehmen im Schnitt höhere Löhne zahlen als kleinere.

Da zudem die FuE-Aktivität in Großunternehmen stärker ausgeprägt ist als die des Mittelstands, haben die Chemieingenieure in den FuE-Abteilungen der großen Chemieunternehmen quasi das goldene Los aus dem Gehaltstopf gezogen.

Verantwortungsvolle Positionen pushen das Gehalt

Entscheidend für die Verdienstentwicklung eines Chemieingenieurs ist außerdem die Position innerhalb des Unternehmens. Pauschal kann man sagen: Je mehr Mitarbeiter ein Ingenieur führt, desto höher fällt das Gehalt aus. Zwischen der Position des Projektingenieurs, der in der Regel keinerlei Führungsverantwortung trägt, und der Position des Gruppenleiters, der mindestens drei Personen führt, liegen im Durchschnitt rund 25.000 EUR im Jahr.

So verdient ein Gruppenleiter in der Chemie- und Pharmaindustrie durchschnittlich 85.000 EUR brutto im Jahr, ein Projektingenieur dagegen knapp 60.000 EUR. Wobei dieser Mittelwert außer Acht lässt, dass besonders viele Berufseinsteiger als Fach- oder Projektingenieure eingestellt werden. Die Spanne dürfte daher wesentlich geringer ausfallen, wenn man nur Ingenieure mit einer Berufserfahrung von mindestens fünf Jahren in dieser Position betrachten würde. Denn auch die Unternehmenszugehörigkeit bzw. die Berufserfahrung beeinflussen am Ende jedes Jahres das Gehalt.

Chemieingenieure beziehen hohe variable Vergütungsanteile

Nicht immer verlässlich, dafür aber umso erfreulicher ist die Zahlung eines variablen Gehaltsanteils. In den meisten Ingenieurbranchen spielt er keine große Rolle: Insgesamt erhält nur ein Drittel der Berufseinsteiger variable Vergütungsanteile, unter den berufserfahrenen Ingenieuren ist es etwa die Hälfte. Anders sieht das jedoch in der Chemie- und Pharmabranche aus, in der variable Zahlungen, etwa Gewinnbeteiligungen, einen wesentlichen Beitrag zu den hohen Brutto-Jahresgehältern leisten.

Im Schnitt betrug der Anteil variabler Vergütungsbestandteile bei Ingenieuren der Chemie- und Pharmaindustrie 7,7% des Jahresentgelts 2015. Damit liegen sie trotz eines kleinen Rückschritts im Vergleich zum Vorjahr auf Vorkrisenniveau. Welches erst 2014 wieder erreicht wurde. Nutznießer sind neben den üblichen Verdächtigen der Gruppen- und Abteilungsleiter auch die Ingenieure auf der unteren Skala der Gehaltsliste: Fach- und Projektingenieure in chemisch-pharmazeutischen Unternehmen haben variable Einkommensbestandteile in Höhe von rund 8%, Projektmanager kommen in der aktuellen Erhebung gar auf satte 15%.

In der Chemie- und Pharmaindustrie ist ein Ingenieur damit enger an den Erfolg seines Arbeitgebers gebunden als in jeder anderen Branche.

Konkurrenz belebt das Geschäft – und hebt regionale Unterschiede auf

Ein entscheidender Faktor für jedes Ingenieurgehalt ist der Standort des Arbeitgebers. Denn auch 25 Jahre nach dem Mauerfall ist in den Gehaltstabellen eine Teilung Deutschlands in Osten und Westen erkennbar. Das Gefälle zwischen den ostdeutschen Bundesländern und den westdeutschen ist besonders offensichtlich, es gibt aber auch eines zwischen dem Norden der Republik und dem Süden. Grundsätzlich gilt: Wer im Rheinland sowie im Großraum Stuttgart oder Nürnberg lebt und arbeitet, verdient mehr als die Kollegen in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg oder Sachsen. Aber eben nicht immer.

Für Chemieingenieure lohnt sich ein zweiter Blick auf die Deutschlandkarte. Denn die Chemieindustrie hat sich in einigen Clustern konzentriert, wie etwa eine Standortkarte des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) sehr schön zeigt. Diese sogenannten Chemieparks liegen vor allem in Berlin, Hamburg, München, Frankfurt und Düsseldorf und darüber hinaus in Nordrhein-Westfalen, im östlichen Sachsen-Anhalt und im südlichen Hessen.

Und was machen Löhne, wenn die Arbeitskräftenachfrage regional gebündelt steigt? Sie steigen in aller Regel mit. Insofern können vor allem Chemieingenieure im Osten der Republik aufatmen: Die Ansammlung von Chemieunternehmen in der Region rechtfertigt höhere Gehaltsansprüche, als es sonst regional zu erwarten wäre.

Fazit

Das Studium des Chemieingenieurwesens lohnt sich kurz- wie langfristig. Die Jahresgehälter der Berufseinsteiger sind auf einem ebenso überdurchschnittlichen Niveau wie die der berufserfahrenen Ingenieure. Die Ingenieurkollegen anderer Disziplinen schauen den Chemieingenieuren im Rennen um Einkommen seit Jahren nur hinterher. Zum Teil liegt das an hohen variablen Gehaltsbestandteilen in der chemisch-pharmazeutischen Industrie und dem hohen Anteil von Entwicklungsingenieuren in der Branche.

Wer also einen Job in der Chemiebranche sucht oder in der Forschung, kann sich in unserer Jobbörse direkt auf die Suche nach einer passenden Vakanz machen. Und wer noch Tipps fürs Vorstellungsgespräch oder das perfekte Anschreiben braucht, findet Anregungen in unserem Magazin.

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von Lisa Schneider

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