07.03.2003   |

Gehalt

Das Einstiegsgehalt richtig einschätzen

Wer im Vorstellungsgespräch nach seinen Gehaltsvorstellungen gefragt wird, muss schnell sein angepeiltes Einstiegsgehalt nennen. Gerade junge Ingenieure sollten darauf achten, sich nicht unter Wert zu verkaufen – auch wenn sie Angst haben, sich durch zu hohe Beträge ins Aus zu manövrieren.

Beim Einstiegsgehalt ist Zurückhaltung angesagt.

Foto: iStock / Thinkstock

Selten war es für junge Ingenieure so schwierig wie heute, im Bewerbungsprozess die Frage nach der Gehaltsvorstellung zu beantworten. Einerseits schwingen das hohe Einstiegsgehalt der vergangenen Hochkonjunktur im Hinterkopf nach, andererseits hört man von der neuen Bescheidenheit in den Unternehmen. Die Angst sitzt bei den Ingenieuren tief, sich durch eine Gehaltsvorstellung jenseits von Gut und Böse ins Aus zu katapultieren. Andererseits fürchtet man sich vor dem Einstieg unter Wert und den daraus resultierenden langfristigen Folgen auf die persönliche Gehaltsentwicklung.

Möglicherweise sorgt die nachfolgende Betrachtung für die richtige Einstellung des Ingenieurnachwuchses zur Frage nach dem Einstiegsgehalt. Lange schon sind die Zeiten vorbei, in denen der Schlosser-Lehrling den Meister bezahlte, um von ihm das Handwerk zu erlernen. Nun sind Ingenieure keine Lehrlinge und die Unternehmen für den Berufseinstieg keine Meisterwerkstätten. Dennoch darf die Frage gestellt werden, ob ein frischgebackener Hochschulabsolvent aus dem Stand heraus ein Gehalt von 40 - 42 Tsd. Euro und mehr im Jahr wert ist.

Beim Einstiegsgehalt ist Zurückhaltung angesagt

Und so ein kleines bisschen hat es schon mit einer Edellehre zu tun, was der Ingenieur in den ersten Monaten seines Berufslebens an Leistung erbringt und das zu dem Einstiegsgehalt! Nüchtern betrachtet rechnet sich in den meisten Fällen die Einstellung des Ingenieurs ohnehin erst nach ein bis zwei Jahren. Aber auch manch gestandener Ingenieur reibt sich die Augen. Was ihm da der Nachwuchs in Sachen Gehalt vormacht, gelang ihm erst nach mehrjähriger Berufspraxis. Also, etwas weniger darf´s dann schon sein, ohne gleich großes Bedauern auszulösen.

Es ist sicherlich unpassend, den Ingenieur von heute in Sachen Einstiegsgehalt zur Bescheidenheit der grauen Vorzeit zu mahnen. Dennoch, nach der letzten Hochkonjunktur am Arbeitsmarkt ist Normalität eingekehrt und Zurückhaltung wird aller Orten gepredigt. Ein Blick in die Unternehmen zeigt den Einzug der neuen Bescheidenheit. Es wird an allen Ecken und Enden gespart. Beförderungen oder außertarifliche Gehaltserhöhungen fallen moderater aus, finden nicht statt oder werden auf unabsehbarer Zeit verschoben. Arbeitsplätze stehen zur Disposition oder werden auf Sinn und Wirtschaftlichkeit hin streng überprüft. Diese Phänomene tragen die Unternehmen gerne nach Außen, mahnen zur Zurückhaltung bei Gehaltsforderungen, erinnern an die lahmende Weltkonjunktur und die abnehmende internationale Wettbewerbsfähigkeit.

Das Einstiegsgehalt am Unternehmen orientieren

Doch offensichtlich gibt es genug Unternehmen, die sich dem Wehklagen anschließen, ohne selbst betroffen zu sein. Mit anderen Worten: Die Lage ist nicht so aussichtslos wie vorgetragen. Wer heute über ein mögliches Einstiegsgehalt für das Bewerbungsprocedere entwickelt, sollte daher grundsätzlich erst einmal differenzieren: Bewerbe ich mich bei einem Topunternehmen mit guter Wirtschaftslage oder nicht? Die Ertragssituation der imagestarken Großunternehmen ist ohnehin bekannt. Ansonsten verraten Anzeigentexte oder die Recherche im Internet schnell, woran der Bewerber ist.

Geht es den Unternehmen gut, sollte sich der Top-Absolvent das Prinzip zu eigen machen: Gutes kostet! Die Gefahr, dass etwa ein High-Potential aufgrund einer leicht überzogenen Vorstellung vom Einstiegsgehalt von den Unternehmen erst gar nicht zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird, kann eher als gering gesehen werden. Dennoch empfiehlt es sich für diesen Personenkreis, in der Bewerbung Verhandlungsbereitschaft zu signalisieren und sich zur Not von der Maximalvorstellung herunterhandeln zu lassen. Gemäßigte Gehaltsvorstellungen sollten in allen anderen Situationen geäußert werden. Konkret heißt das, recherchieren Sie, was zurzeit und in welcher Branche gezahlt wird, und signalisieren Sie Verhandlungsbereitschaft.

Spannende Arbeit vor hohem Einstiegsgehalt

Selbst wenn auf diese Weise zum Berufseinstieg ein paar Euro verschenkt werden sollten, hängt davon weitaus weniger ab, als vermutet. Den Unternehmen ist schon klar, dass sie gute Mitarbeiter nur durch eine adäquates Einstiegsgehalt halten können. Sie haben das Prinzip der Ingenieure: „Erst fordern, dann leisten!“ umgekehrt. Wer seine Leistung bringt, braucht im Grunde keine Angst zu haben, auf mittlere Sicht am Markt vorbei bezahlt zu werden. Letztlich bleibt den Ingenieur immer noch die Möglichkeit des Unternehmenswechsels, der nach 2 oder 3 Jahren ohnehin von vielen Jungingenieuren realisiert wird. Hier kann dann der satte Gehaltssprung hingelegt werden.

Fazit: Heute ist es wichtiger, sich einen interessanten Arbeitsplatz zu sichern, als um den letzten Euro in der Tasche zu pokern. Die langfristige Gehaltsentwicklung bleibt vom Einstiegsgehalt so gut wie unberührt. Sie hängt mehr von den erbrachten Leistungen ab, wie stark ein Ingenieur intern gefördert wird und wie gut er sich letztendlich beim Stellenwechsel verkaufen kann, dann allerdings schon mit nachweisbaren berufspraktischen Leistungen.

Tipp:

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von Bernd Andersch, Karrierecoach, Aachen

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