09.06.2016   |

Bewerbung

Karrierechancen für flexible Ingenieure - Arbeiten im Ausland

Eine andere Kultur und interessante Stellen – das Arbeiten im Ausland kann für Ingenieure sehr attraktiv sein. Wer sich innerhalb Europas bewerben möchte, sollte jedoch die landestypischen Gepflogenheiten kennen und hinterfragen, ob seine Sprachkenntnisse ausreichend sind.

Arbeiten im Ausland kann sehr attraktiv sein.

Foto: iStock / Thinkstock

Das vereinte Europa hat gute Voraussetzung für die grenzüberschreitende Stellensuche geschaffen. Der Mobilität sind innerhalb der EU keine Grenzen gesetzt, was die Wahl des Arbeitsortes angeht. Die Motivation, ins Ausland zu gehen, kann sehr verschieden sein. Der Student möchte seinen Lebenslauf durch die viel geforderte internationale Station durch ein Auslandspraktikum aufwerten. Ingenieure, die geringe Chancen am hiesigen Arbeitsmarkt haben, weichen in andere Länder aus. Andere Ingenieure möchten aus privaten Motiven das Arbeiten im Ausland ausprobieren.

Am Anfang der Jobsuche sollte bei Ingenieuren fürs Arbeiten im Ausland die Frage stehen, mit welcher Ernsthaftigkeit und welchem Aufwand in einem speziellen Land ein Job gesucht werden soll. Da gibt es schon einen bedeutenden Unterschied, ob jemand eine Praktikantenstelle "irgendwo" in Europa sucht oder ein gestandener Professionell unbedingt seine berufliche Laufbahn in einem bestimmten Land fortsetzen möchte, um sein Leben finanzieren zu können. Natürlich spielen auch die finanziellen Möglichkeiten bei der europaweiten Jobsuche eine große Rolle und letztlich natürlich die sprachlichen Voraussetzungen.

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Arbeiten im Ausland für Ingenieure: Arbeitsagenturen vor Ort

Den besten Überblick bringt auch im elektronischen Zeitalter ein Besuch im speziellen Ausland. Innerhalb von einer Woche kann ganz gut ausgelotet werden, wie man in dem Land an einen Job kommt, welche Voraussetzungen es gibt, ob die eigenen Sprachkenntnisse ausreichen, wie ausländische Arbeitgeber deutschen Bewerbern begegnen. Zudem können die staatlichen und privaten Jobagenturen aufgesucht werden, die im Ausland meist völlig anders arbeiten als bei uns. Vielleicht entscheiden sich Ingenieuren fürs Arbeiten im Ausland auch für eine kostenpflichtige Beratung vor Ort.

Preiswerter als die Informationssuche vor Ort ist die Internetrecherche fürs Arbeiten im Ausland. Wenn Ingenieure die Adressen der landesspezifischen Online-Arbeitsmärkte kennen, kann die Informationssuche bereits im heimischen Wohnzimmer beginnen. Allerdings deckt das Internet nicht das Gesamtangebot der vakanten Stellen ab. Wer sich nicht alleine auf die Stellenangebote verlassen möchte, sollte den Weg der Initiativbewerbung gehen. Er kann hierzu das Internet nutzen, um potenzielle Arbeitgeber in dem entsprechenden Land aufzutun, deren Adressen und Namen von Personalentscheidern.

Arbeiten im Ausland für Ingenieure: Landestypische Merkmale recherchieren

Der aussichtsreichste Weg, im Bewerbungsprozess ernst genommen zu werden und relativ weit zu kommen lautet: Landesüblich aufgemachte Bewerbung (Lebenslauf, Anschreiben, Unterlagen) in der jeweiligen Landessprache. Wer sich im Ausland bewirbt, sollte sich intensiv mit den dort herrschenden Bewerbungskonventionen auseinandersetzen. Welchen Eindruck soll ein Personalentscheider gewinnen, wenn er feststellt, dass sich der Kandidat in keiner Weise mit den Bewerbungsspielregeln auseinandergesetzt hat, obwohl er als Ingenieur das Arbeiten im Ausland anstrebt?

Abgesehen vom Gebrauch der Landessprache kann es zu einer Reihe von Besonderheiten bei Anschreiben und Lebenslauf in dem speziellen Land kommen, was insbesondere die folgenden Punkte betrifft: Stellung von Adresse, Absender, Betreff im Anschreiben, Art und Weise der Formulierung des Anschreibens (eher zurückhaltend oder direkt, sachlich oder emotional), Inhalte des Lebenslaufes (Weiterbildung, Ehrenämter, Hobbys, Unterschrift), zeitliche Gliederung des Lebenslaufes (chronologisch, gegenchronologisch), Anlagen (Foto, Zeugniskopien). Das sollten Ingenieure berücksichtigen, die sich fürs Arbeiten im Ausland interessieren.

Arbeiten im Ausland für Ingenieure: Bewerbungen ersatzweise in Englisch

Nicht jedem ist das Glück beschert, neben Englisch eine oder mehrere weitere Fremdsprachen zu beherrschen. Dennoch hoffen auch solche Ingenieure auf eine Chance fürs Arbeiten im Ausland. Die grundsätzliche Überlegung mag nicht verkehrt sein. Neben den Professionals trifft dies besonders bei Praktikanten zu. Schließlich ist Englisch herrschende Weltsprache und dient vielen Unternehmen als Konzernsprache. Also liegt es auf der Hand, eine englischsprachige Bewerbung abzugeben. Man darf dann aber auch nicht eingeschnappt sein, wenn der Arbeitgeber in seiner Landessprache antwortet und damit signalisiert: Nur mit Englisch geht's bei uns nicht!

Lebensläufe werden zeit-, funktions- oder zielorientiert gegliedert. Oberstes Gebot: Keep it short! Keep the language clear and crisp! Beschränkung auf das Wesentliche ist angesagt. Länger als eine Seite darf der CV von Ingenieuren fürs Arbeiten im Ausland nur in Ausnahmen sein. Fotos sind nicht gefragt. Die rein zeitliche Gliederung entspricht fast dem deutschen Lebenslauf, allerdings wird mit der aktuellen Lebenslaufstation gestartet und die älteste Station an unterster Stelle gebracht. Die letzten zehn Jahre werde detailliert dargestellt (Stationen+Tätigkeiten). Zuvor liegende Fakten können zusammengefasst werden. Bei den Zeiträumen reicht eine jahresgenaue Darstellung.

Arbeiten im Ausland für Ingenieure: Funktionale Gliederung des CV

Der CV eines Ingenieurs fürs Arbeiten im Ausland startet mit persönlichen Daten. Danach kommt der Schwerpunkt „education“. Er verfolgt die Ausbildung vom Studium zurück bis zur Hochschulzugangsberechtigung. Nun folgt die wesentliche Passage "experience" mit drei bis fünf Schwerpunkten. Die Überschriften der Schwerpunkte werden augenfällig in Fett gebracht, etwa Teamwork, Projectmanagement, Communication, Languages. Zu den Begriffen werden untereinander bis zu fünf Details aufgeführt, etwa designed and introduced a new project controlling system. Die Eröffnung des Details erfolgt also durch ein Verb, meist solche, die hohe Aktivität oder Verantwortung signalisieren: plan, control, investigate, enforce, design, introduce, establish, initiate etc. Den Abschluss des Lebenslaufes bilden Referenzen.

Er sieht grundsätzlich genauso aus wie der CV mit funktionaler Gliederung. Er wird allerdings noch vor den persönlichen Daten mit einer Zeile zum Jobziel eröffnet, etwa Job Target - Production Manager. Beim zielorientierten Lebenslauf (targeted resume) ist allerdings nicht die Frage, was der Bewerber in der Vergangenheit getan hat. Er dokumentiert viel mehr zu den Schwerpunkten unter "experience", welche Aufgaben er sich zutraut. Es spielt also keine Rolle, ob der Bewerber die aufgeführten Punkte durch theoretische Ausbildungen oder einschlägige Berufspraxis nachweisen kann! Das sollten Ingenieure bei der Stellensuche fürs Arbeiten im Ausland im Kopf behalten.

Arbeiten im Ausland für Ingenieure: Unterlagen zur englischen Bewerbung

Hier gelten bei Ingenieuren fürs Arbeiten im Ausland im Grunde die gleichen Regen wie bei deutschen Bewerbungen. Allerdings darf die Sprache ruhig blumiger und emotionaler gewählt werden. Wichtig ist auf jeden Fall, dass mit jedem Satz Fakten vermittelt werden, die zeigen, dass der Bewerber wichtige gefragte fachliche Qualifikationen und Softskills zu seinem Berufsfeld abdeckt. Werden Unterlagen beigefügt, sollten diese von einem professionellen und staatlich anerkannten Dolmetscher/Übersetzer ins Englisch übersetzt worden sein.

Bei den Abschlüssen und Berufsbezeichnungen sollte darauf geachtet werden, dass diese im Ausland richtig eingeschätzt werden. Es sind insbesondere Master und Bachelortitel anzugeben. Das Wort "Diploma" sollte nicht verwendet werden, weil dies im Englischen für vielfältige (nicht akademische) Ausbildungen eingesetzt wird. Bei den Positionsbezeichnungen ist darauf zu achten, ob eine 1:1 Übersetzung wirklich der Bezeichnung auf internationalem Level entspricht. Hier kann es sehr schnell zu Irritationen kommen, wenn Ingenieure das Arbeiten im Ausland anstreben.

Arbeiten im Ausland für Ingenieure: Die Übersetzung der Unterlagen

Manche Bewerber ziehen die bequeme Art vor. Sie übersetzen ihren Lebenslauf einfach 1:1 aus dem Deutschen ins Englische (oder lassen ihn übersetzen). Die Signale sind für den Leser im nichtenglischen Sprachraum eindeutig: Der Bewerber kennt sich nicht mit den landesüblichen Standards und der Landessprache aus, macht sich aber auch nicht die Mühe, das Ganze in die im angelsächsischen Sprachraum übliche Form zu bringen. Wenn es sich nicht gerade um den Starkandidaten handelt, empfiehlt sich diese wenig schmeichelnde Bewerbungsform nicht. Fürs Arbeiten im Ausland ist sie bei Ingenieuren nicht zielführend.

Die deutschsprachige Bewerbung kann von Ingenieuren fürs Arbeiten im Ausland nur in Regionen gesendet werden, in denen man Kenntnisse der deutschen Sprache voraussetzen kann: Österreich, Teile von Belgien, den Niederlanden und Dänemark. Allenfalls kann eine deutschsprachige Bewerbung an Niederlassungen von deutschen Unternehmen im europäischen Ausland gerichtet werden. Dies ist im Grunde die schwächste Form, sich im europäischen Ausland zu bewerben. Wenn es schon nicht in der Landessprache geht, sollte man zumindest ersatzweise zur englischsprachigen Bewerbung greifen!

Arbeiten im Ausland für Ingenieure: Bewerbungsalternative europäischer Lebenslauf

Die Expertenkommission des CEDEFOP (Europäisches Zentrum zur Förderung der Berufsbildung) hat einen europäischen Lebenslauf fürs Arbeiten im Ausland entworfen, der Ingenieuren eine Bewerbung innerhalb Europas vereinfachen soll. Es handelt sich um ein vorgefertigtes Formular, in das der Bewerber schemenhaft übliche Bewerbungsinformationen einträgt. Das Formular ist in verschiedenen Landessprachen abrufbar. Aufgrund erheblicher Schwächen wurde die Ursprungsfassung zum Europass-Lebenslauf weiterentwickelt. Der Formular-Lebenslauf findet sich auf den Internetseiten europass.cedefop.eu.int.

Der Lebenslauf fürs Arbeiten im Ausland wird eventuell mit einem Bewerbungsfoto eröffnet. Zum Foto wird sich schwammig geäußert: "Ein Lebenslauf muss nicht unbedingt ein Foto enthalten, es sei denn, der Arbeitgeber wünscht dies." Mit anderen Worten: Der Bewerber muss sich hier zunächst mit den landesüblichen Bewerbungskonventionen auseinandersetzen, bevor er das Foto auf dem Lebenslauf anbringt oder auch nicht. Danach geht es um die üblichen Angaben zur Person wie Adress-/Kontakt- und Geburtsdaten. Aber auch Geschlecht und Staatsangehörigkeit werden aufgeführt. Danach wird das gewünschte Berufsfeld oder die angestrebte Position erfaßt.

Arbeiten im Ausland für Ingenieure: Angaben zur Berufspraxis (Europass)

Einem weiteren Schwerpunkt der Bewerbung fürs Arbeiten im Ausland bilden die Berufserfahrungen des Ingenieurs. Gegenchronologisch werden die einzelnen Berufsstationen aufgeführt. Zu jeder Position sind anzugeben: Zeitraum, Beruf oder Funktion, wichtigste Tätigkeiten und Zuständigkeiten, Name und Adresse des Arbeitgebers, Tätigkeitsbereich oder Branche. Umfangreiche Adress- und sonstige Angaben zum Arbeitgeber scheinen fragwürdig. Schwer vorzustellen, welchen Nährwert diese Informationen im Lebenslauf eines älteren Bewerbers haben oder zwischenzeitlich Unternehmen an einem Ort oder nicht mehr oder mit anderer Firmierung existieren.

Auch die Ausbildungsstationen werden gegenchronologisch aufgeführt. Zu jeder Position sind anzugeben: Zeitraum, Bezeichnung der erworbenen Qualifikation, Hauptfächer/ berufliche Fähigkeiten, Name und Art der Ausbildungseinrichtung. Merkwürdigerweise sind keine Felder für Abschlussarbeiten und Noten reserviert. Die eigentliche Crux der Geschichte ist allerdings die Angabe zur Einstufung des Abschlusses. Verlangt wird die Einstufung nach der Standardklassifikation für das Bildungswesen (ISCED). Auf den Internetseiten der UNESCO findet man dazu ein umfangreiches Werk (41 Seiten). Das sollte man kennen, wenn man als Ingenieur das Arbeiten im Ausland anstrebt.

Arbeiten im Ausland für Ingenieure: Persönliche Fähigkeiten, Kompetenzen (Europass)

Eröffnet wird diese Rubrik durch die Muttersprache, gefolgt von den sonstigen Sprachen. Die Sprachen sollen dann im Rahmen einer Selbstbeurteilung nach verstehen, sprechen und schreiben beurteilt werden. Maßgeblich ist die Beurteilung nach der Kompetenzstufe des gemeinsamen europäischen Rahmens. Abgerundet wird dieser Punkt durch Darstellung von sozialen, organisatorischen und technischen, IT, künstlerischen und sonstige Fähigkeiten und Kompetenzen sowie Führerscheine. Denn auch das ist fürs Arbeiten im Ausland relevant. Das sollten Ingenieure bedenken.

Der europäische Lebenslauf fürs Arbeiten im Ausland ist bei Ingenieuren zur Zeit wohl kaum eine echte Alternative zur landesspezifischen Bewerbung. Er setzt ohnehin voraus, dass man der jeweiligen Landessprache mächtig ist. Wer sprachlich soweit ist kann sich sicherlich auch gleich über die entsprechenden Bewerbungsstandards informieren, wodurch dann der europäische Lebenslauf ad absurdum geführt wird. Insofern kann er allenfalls eine Hilfskrücke für den "schnellen" Bewerber sein, der keine Zeit hat sich mit den landesspezifischen Gegebenheiten auseinanderzusetzen. In erster Linie kann man da an Praktikanten denken.

Arbeiten im Ausland für Ingenieure: Europäischer Lebenslauf für nationale Bewerbungen?

Einige Arbeits- und Personalberater verkaufen den europäischen Lebenslauf nach veralteter Macharbeit Arbeitslosen oder Stellensuchenden als das non plus ultra im Bewerbungsgeschäft. Zielarbeitgeber sind dabei nicht etwa Unternehmen im europäischen Ausland sondern deutsche Arbeitgeber im Inland. Für diese Zielgruppe ist der europäische Lebenslauf im Grunde wenig geeignet. Sie erwartet einen in Deutschland üblichen Lebenslauf. Häufig wird damit geworben, dass man angibt, der Lebenslauf sei in allen europäischen Ländern anerkannt. Was heißt in diesem Zusammenhang schon "anerkannt"? Vielleicht wird der Europass-Lebenslauf ja noch zum europäischen Standard. Im Augenblick ist er es auf jeden Fall noch nicht und sehr weit weg davon und bei Ingenieuren wirklich nur fürs Arbeiten im Ausland eine Möglichkeit.

Tipp:
 Mobilität von Ingenieuren in Europa 

Der Europass

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von Bernd Andersch, Karrierecoach

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