29.08.2016   |

Bewerbung

Das maßgeschneiderte Anschreiben

Kommt eine Bewerbung auf den Tisch oder Bildschirm, beschäftigt sich der Personalentscheider zunächst mit dem Anschreiben. Überzeugt das Anschreiben nicht, landet die Bewerbung schnell im Postrücklauf. Wichtig ist es daher, sich hier als der maßgeschneiderte Kandidat zu präsentieren. Wenig empfehlenswert ist das 0815-Standardanschreiben. Einmal formuliert wird es für alle Bewerbungen verwendet.

Das Bewerbungsanschreiben.

Foto: iStock / Thinkstock

Anschreiben am Einsteller orientieren

In derartigen Anschreiben werden die eigenen Qualifikationen ohne Bezug auf die jeweilige Stellenanzeige einfach herunter gebetet. Einsteller interpretieren ein solches Vorgehen nicht unbedingt als herzhafte Umarmung. Denken Sie bei der Formulierung des Anschreibens daran, dass den Leser nur eines interessiert: Passt der Bewerber zu meiner offenen Stelle? Kann er mein Personalproblem lösen?

Anschreiben auf Stellenanzeigen

Wer sich auf eine Anzeige bewirbt, sollte entscheidende Aufgaben, fachliche Qualifikationen und persönliche Eigenschaften in der Anzeige markieren. Satz für Satz ist jetzt im Anschreiben zu beweisen, dass der Bewerber den Anforderungen gerecht wird. Ist eine Rufnummer in der Anzeige angegeben, sollte ruhig zum Hörer gegriffen werden. Vertiefende Fragen zu den Anforderungen und zum Unternehmen bringen weiteren Aufschluss. Die Entscheidung Bewerben Ja/Nein fällt dann umso leichter, und das Anschreiben kann noch adäquater formuliert werden.

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Anschreiben zur Initiativbewerbung

Bei Initiativbewerbungen fehlt die Stellenanzeige. Als Ersatz dienen eigene Recherchen zum Unternehmen und zu den Branchen-  bzw. Berufsfeldanforderungen.  Für anspruchsvolle Tätigkeiten im Produktmanagement zeigt sich z.B., dass mehrjährige branchenspezifische Berufserfahrungen entscheidend, betriebswirtschaftliche Kenntnisse wichtig und Erfahrungen in Marktforschung, Produktdefinition, Produktentwicklung usw. gefragt sind. Diese Punkte dienen quasi als Ersatz für die gefragten Anforderungen und Qualifikationen der Stellenanzeige und können jetzt nacheinander im Initiativanschreiben abgearbeitet werden.

Jeder Satz muss passen

Zeigen Sie in jedem Satz des Anschreibens, dass Sie der maßgeschneiderte Kandidat für die offene Stelle sind. Wiederholen Sie die stärksten Argumente aus Ihrem Lebenslauf und liefern Sie darüber hinaus zusätzliche Informationen. Ein gutes Anschreiben entsteht, wenn der Bewerber die gefragten fünf bis sieben fachlichen Qualifikationen, persönlichen Eigenschaften, Aufgaben der Stelle und Aussagen zum Unternehmen aus der Anzeige aufgreift. Der Kandidat sagt im Anschreiben kurz und prägnant, weshalb er genau diese Anforderungen abdeckt. Das gelingt am besten, wenn Sie zu den wichtigen Anforderungen der Anzeige konkrete Beweise anführen.

Ein Beispiel der Beweisführung

In der Stellenausschreibung ist zu lesen: „Die Modifizierung fremder Konstruktionen ist eine wesentliche Aufgabe der zu besetzenden Stelle. Die Bereitschaft zu zeitlich begrenztem Auslandseinsatz für Montage und Inbetriebnahme und gute englische Sprachkenntnisse sind erforderlich.“ Eine gelungene Beweisführung im Anschreiben könnte lauten: „In fremde Konstruktionen arbeitete ich mich während meiner Tätigkeit im Ingenieurbüro ABC ständig ein. Gerne werde ich auch im Ausland für Sie tätig. Auf Grund mehrerer USA-Aufenthalte verfüge ich über gute Englischkenntnisse.“ Schlechter ist die Beweisführung per Behauptung: „In fremde Konstruktionen kann ich mich schnell einarbeiten. Englisch stellt mich vor keine großen Probleme.“ Noch schlechter ist es, wenn eine wesentliche Anforderung der Anzeige im Anschreiben überhaupt nicht angesprochen wird.

Und wie das Anschreiben eröffnen?

Beim Eröffnungssatz beginnt bereits die Crux der meisten Anschreiben. Schlecht ist die Eröffnung: „Ich habe Ihre Anzeige bei ingenieurkarriere.de gelesen und bewerbe mich daher für die Stelle im in der Konstruktion. Die genannten Voraussetzungen erfülle ich." Hier muss der Leser im Grunde fast drei Zeilen lesen, um nichts an relevanter Information zu erfahren. Er kann sich ja denken, dass der Bewerber die Anzeige gelesen hat und die Voraussetzungen erfüllt. Er würde sich ja sonst erst gar nicht bewerben. Nur wenn der Bewerber Satz für Satz auf die Anforderungen der Anzeige eingeht, erfährt der Leser relevante Information. Bereits der erste Satz kann ins Schwarze treffen: „Als Master of Engineering mit den von Ihnen erwarteten Studienschwerpunkt Konstruktion …“

Eine Seite nicht überschreiten

Wenn Sie sich konsequent an der Anzeige orientieren, werden Sie kaum Schwierigkeiten haben, ein gutes Anschreiben zu verfassen. Beschränken Sie sich beim Text auf eine Seite - die zweite wird so gut wie nie gelesen. Vermeiden Sie Bandwurmsätze, komplizierte Satzkonstruktionen und überlange Absätze. Schwer erfassbare Passagen werden allzu leicht übergangen. Kommen Sie dem Leser entgegen. Gliedern Sie das Anschreiben in vier bis fünf Absätze. Beschränken Sie die Sätze auf 12 bis 15 Worte und zerlegen Sie verschachtelte und lange Sätze in mehrere kürzere. Die Schriftgröße sollte 11-Punkt nicht unterschreiten.

Kurz und prägnant soll es sein

Um Ihrem Text Leben einzuhauchen, feilen Sie zum Abschluss am Schreibstil. Bearbeiten Sie Ihr Anschreiben mehrmals, schlafen Sie eine Nacht darüber. Selbst erfahrene Texter brüten lange über wichtige Entwürfe. Meist enthält die erste Fassung alle Informationen, ist aber oft doppelt so lang wie geplant. Geben Sie nicht Ihrem Impuls nach, es dabei zu belassen. Sie tun dem Leser (und in der Folge sich selbst) keinen Gefallen. Das einzige Rezept heißt: Kürzen, kürzen, kürzen. Schon wenn Sie umständliche Formulierungen, Füllwörter wie „aber auch“ und „wie zum Beispiel“ wegstreichen, gewinnen Sie viel. Wiederholungen, umständliche Phrasen etc. gehören in den elektronischen Mülleimer. Schauen Sie sich auch einzelne Worte an. Begriffe mit mehr als drei Silben kann man meistens durch kürzere, prägnantere ersetzen.

Egozentrierung auf jeden Fall vermeiden

Unwichtig im Anschreiben sind Passagen zur Problemsituation des Bewerbers, z. B. „Ich möchte mich in Ihrem Unternehmen für meinen weiteren Lebensweg qualifizieren“ oder „Nach Abschluss meines Studiums suche ich den Berufseinstieg“. Derartige egozentrierte Aussagen orientieren sich ausschließlich an den Zielen des Bewerbers. Er möchte den Einsteller als Mittel zum Zweck benutzen. Das entspricht der Aussage eines Verkäufers: „Kaufen Sie meine Produkte, damit ich reich werde!“ Solche Sätze kann sich wenn überhaupt, nur der gefragte Bewerber leisten - nach dem Motto: Werden dem Verkäufer seine in Mode gekommenen Produkte aus der Hand gerissen, hört kein Mensch mehr auf die Verkaufsargumentation.

Dynamisch formulieren

Vermeiden Sie den Nominalstil und passiv formulierte Sätze mit statischen Verben. Schlecht: „In die Logistiksysteme wurde ich eingeführt. Später wurde mir dafür die Verantwortung übertragen. Die Erstellung von Konzepten, deren Durchsetzung ... sind Schwerpunkt meiner Arbeit.“ Besser: „In die Logistiksysteme arbeitete ich mich ein. Heute verantworte ich diesen Bereich. Schwerpunktmäßig konzipiere ich neue Lösungen und setze sie durch.“ Aktiv formulierte Sätze mit vielen Verben klingen einfach dynamischer, beweisen Initiative und Tatkraft. Letztlich sollten Sie unsichere Formulierungen vermeiden. Worte wie glauben, denken, möchte, könnte, würde gehören gestrichen. Und orientieren Sie sich stilistisch auf keinen Fall an der Sprache in den Stellenangeboten. Oft sind die Ausschreibungen mehr schlecht als recht getextet. Die Anforderungen reihen sich in Schlagworten aneinander, Substantiv an Substantiv. Wer diesen Stil bewusst oder unbewusst übernimmt, weil er den Tenor der Anzeige treffen will, wird ein hölzern klingendes Anschreiben formulieren. Dies kommt statisch daher, bleibt abstrakt und erschwert dem Leser das Verständnis.

Roter Faden muss sich in der Bewerbung fortsetzen

Das, was im Anschreiben niedergeschrieben ist, muss natürlich in den weiteren Bewerbungsunterlagen belegt werden. Wenn Anschreiben, Lebenslauf und Arbeitszeugnisse ein inhaltlich ein einheitliches Bild des Bewerbers ergeben, hat der Kandidat ganz gute Chancen, im Bewerbungsprozess weit zu kommen. Hier zeigt es sich aber auch, wie wichtig es ist, sich entsprechende Gedanken zu Lebensläufen und Arbeitszeugnissen zu machen.

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von Bernd Andersch, Karrierecoach

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