09.02.2017   |

Bewerbung

So antworten Sie richtig im Vorstellungsgespräch

Die Fragen im Vorstellungsgespräch ähneln sich, es gibt Standards. Trotz aller Ratgeberliteratur gilt dies leider auch für die Fehler, die Jobanwärter immer wieder mit halb garen Antworten machen. Auch scheinbar nichtige Fragen können im Vorstellungsgespräch eine große Bedeutung haben.

Abgedroschen wirkende Fragen können eine ungeahnte Dimension entfalten!

Foto: Panthermedia

Sie kommen harmlos daher, sind aber nicht ohne. Chefs und Personaler formulieren die Fragen im Vorstellungsgespräch mit Hintergedanken, woraufhin sie alles, was der Bewerber sagt, mehr oder weniger gekonnt interpretieren, um sich in kurzer Zeit ein möglichst umfassendes Bild von ihm zu machen. Selbst abgedroschen wirkende Fragen können eine ungeahnte Dimension entfalten, wenn man auf sie halbherzig, unüberlegt oder mit ebenso abgedroschenen Antworten reagiert. Deshalb gilt: Vorbereitung ist alles. Und die beginnt damit zu begreifen, was die Frage hinter der Frage ist. Gut ist, sich mit Stichpunkten zu den Antworten für das Vorstellungsgespräch vorzubereiten. Ideal ist, mit einem Freund oder Familienmitglied als Interviewer die Antworten zu üben. Vor allem auf diese 7 Klassiker aus dem Standardrepertoire von Personalchefs sollte man gefasst sein:

„Erzählen Sie doch mal ein wenig über sich“

Klingt nach Anstoß zu einer kleinen Plauderei, doch alles Unüberlegte sollte man hier meiden. Nicht so clever ist auch ein womöglich leicht patziges „Das steht doch alles in meinem Lebenslauf!“. Denn darum geht es gar nicht primär. „Diese klassische Einstiegsfrage ist in Wahrheit die erste Aufgabe, die es zu lösen gilt“, sagt die Hamburger Karrieretrainerin Maren Lehky. Was den Personaler interessiert: Ist der Bewerber in der Lage, strukturiert, stringent und mit den richtigen Schwerpunkten einen Sachverhalt darzustellen? Nicht gut wäre, von der Geburt über den Verlust des Goldhamsters bis zur Scheidung der Eltern ein Leben nachzuerzählen. „Sich wortkarg zu geben und den Punkt in zwei Sätzen abzuhandeln, ist aber genauso schlecht“, sagt Lehky. Der Mittelweg zwischen beiden Extremen ist der richtige, es kommt auf wesentliche Eckpunkte und nicht auf Details an. Ähnlich sieht das auch Bewerberberater Gerhard Winkler von Jova-Nova: „Immer dann, wenn man Sie auffordert, Ihren Werdegang zusammenzufassen, kontern Sie mit Ihrer Story. Der Lebenslauf ist eine Leistungsbilanz.“ Das Anschreiben sei nur die Kurzeinweisung in diese Bilanz. „Die Story zeigt den Menschen hinter den Daten. Sie verfehlen das Thema, wenn Sie nur Stationen des Lebenslaufes unverbunden aneinanderreihen.“ Das Thema lautet nämlich: „Das habe ich aus mir gemacht. Zu Ihnen führt mich mein Weg!“

Warum wollen Sie ausgerechnet bei uns arbeiten?

Anders gefragt: Was wissen Sie über unsere Firma? Warum passen Sie zu uns? „Hier geht es darum, eine Verbindung zwischen dem Unternehmen und den eigenen Qualifikationen zu schaffen. Das gelingt nicht, wenn man die Stellenanzeige nacherzählt“, sagt Lehky. Vielmehr gehe es um konkrete, bildhafte und emotionale Anknüpfungspunkte. Etwa so: „Porsches haben mich schon immer fasziniert. Wenn ich mir schon keinen leisten kann, möchte ich wenigstens an den Sportwagen mitentwickeln.“ Lehky rät besonders Berufseinsteigern von gestanzter Managersprache à la „Die bei Ihnen implementierten Fertigungsmethoden sind State-of-the-Art“ ab. Das ist nichtssagend und unauthentisch. Winklers Rat: „Je allgemeiner Sie auf diese Frage antworten, desto weniger kriegen Sie die Stelle. Was sind Ihre eigenen, konkreten Gründe oder gar Vorteile einer Mitarbeit? Wie genau profitiert der Jobanbieter von Ihrer Leistung?“

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Würden Sie sich selbst einstellen?

Diese Frage leitet zu den Stärken und Schwächen. Ein einfaches „Ja“ genügt als Antwort nicht. Hier geht es darum, glaubwürdig eigene Fähigkeiten darzustellen, die exakt zum Jobprofil passen. Winkler würde sogar etwas forscher parieren: „Ich kann mich nicht selbst einstellen, aber ich kann Ihnen gute Gründe nennen, die für Sie – hoffentlich – maßgeblich sind: 1., 2., 3.“ Es müssen konkrete Beispiele folgen, die für den Job qualifizieren.

Was sind Ihre Stärken und Schwächen?

Die Klassikerfrage. Die Klassikerantwort: Ich bin etwas ungeduldig und zu perfektionistisch. Finger weg von dieser Langweiler-Aussage, die oft genug auch gar nicht stimmt. Hier kommt es auf Glaubwürdigkeit an. Übertreiben sollte man damit aber nicht: „Es sollte keine Generalbeichte abgelegt werden“, merkt Lehky an. Besser für Berufseinsteiger ist beispielsweise: „In meinem Alter bin ich noch nicht fertig gebacken, dieses und jenes muss ich noch lernen“, schlägt die Expertin als Formulierung vor. Die genannten Schwächen müssen auszubügeln sein, durch Training on the Job oder Weiterbildung. Ohnehin sollte man sich bei diesem Punkt nicht zu lange aufhalten, sondern galant zu den Stärken übergehen. Winkler: „Ihr Job als Leistungsanbieter ist es nicht, auszusprechen, was alles gegen Sie spricht.“ Stärken konkret benennen, aber nicht übertreiben, indem man sich als den weltbesten Mitarbeiter präsentiert. Lehky: „Keine Schwächen zu offenbaren, klingt wenig menschlich. Befremdlich ist übrigens auch zu sagen, noch nie über diese Frage nachgedacht zu haben.“

Welche Ziele möchten Sie in fünf Jahren erreicht haben?

„Wer weiß schon, wo man in X Jahren steht? Nur Doofis wissen das“, meint Bewerbungshelfer Winkler. Er schlägt stattdessen vor, hervorzuheben, welchen wichtigen Stellenwert die persönliche Entwicklung genießt, was zunächst mit zwei bis drei Stationen des bisherigen Werdegangs untermauert wird, um dann zwei bis drei mögliche künftige Entwicklungsziele zu nennen, die natürlich im Einklang damit stehen, was die Firma bieten kann. Auch Lehky hält nichts davon, einen detailliert ausgearbeiteten Fünfjahresplan auszubreiten. „Bei Führungskräften kann das sinnvoll sein, nicht aber bei Einsteigern oder Young Professionals, die eine Spezialistenlaufbahn anstreben.“

Was machen Sie in Ihrer Freizeit, welche Hobbys haben Sie?

Im Grunde geht es hier weniger um die Hobbys an sich, als darum, abzuschätzen, wie aktiv, körperlich belastbar und geistig rege der Bewerber ist. Ein bis zwei Auskünfte genügen. „Am besten nichts Polarisierendes oder einen Risikosport nennen“, rät Lehky. Ebenso wenig Aktivitäten, die einen einseitig erscheinen lassen, etwa wenn der ITler in seiner Freizeit gern programmiert. Gern gesehen ist ehrenamtliches Engagement – es muss nur stimmen!

Was würden Sie gerne verdienen?

Das Kitzligste kommt zum Schluss. Falsche Bescheidenheit, zu der gern Frauen neigen, so Lehky, ist hier fehl am Platz. „Wenn mir die Aufgabe Spaß macht, ist Geld nicht so wichtig“, ist also die genau falsche Antwort. So verkauft man sich unter Wert oder bekommt tatsächlich ein inadäquates Salär. Besser ist es, sich vorher zu informieren, was üblich ist, und eine schmale Bandbreite zu nennen.

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von Chris Löwer

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