10.01.2014   |

Beratung

Angehende Ingenieure sollte Kontakte zu Unternehmen aufbauen

Dass Kontakte im Berufsleben weiterhelfen können, weiß jeder Ingenieur. Die wenigsten denken aber darüber nach, dass sie solch ein Netzwerk schon im Studium starten sollten. Zum Beispiel Praktika helfen später bei der Stellensuche. Denn auch Unternehmen profitieren davon, Kontakte zu Absolventen zu haben.

Kontakte helfen im Berufsleben.

Foto: iStock / Thinkstock

Der Übergang vom Hochschulsystem in den Arbeitsmarkt ist sowohl für Berufseinsteiger als auch für Unternehmen mit besonderen Herausforderungen verbunden, da die meisten Studiengänge nicht auf spezifische berufliche Tätigkeiten zugeschnitten sind. Daher setzen Unternehmen darauf, potenzielle Ingenieure nicht nur über formelle Wege, insbesondere Stellenausschreibungen, auf sich aufmerksam zu machen, sondern auch darauf, informelle Kontakte zu nutzen und schon während des Studiums aufzubauen. Über informelle Kontakte rekrutierte Absolventen können dann sogar mit einem höheren Einstiegsgehalt rechnen.

Unternehmen brauchen Kontakte zu angehenden Ingenieuren

Eine hohe Bindung von Fachkräften an ihren Arbeitgeber führt zu einer geringeren Wechselrate sowie einer langen Beschäftigungsdauer und ist daher für Arbeitgeber von großer Bedeutung. Passgenau qualifizierte Mitarbeiter für hochqualifizierte Tätigkeiten zu finden und einzuarbeiten erfordert Zeit und ist mit Kosten verbunden. Kontakte sind also gefragt. Nach der Einarbeitungszeit steigt der Wert für das Unternehmen durch die berufs- und betriebsspezifische Erfahrung der Ingenieure.

Insbesondere in den sogenannten MINT-Fächern – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik –, in denen man aufgrund von demographischen Veränderungen mit einem zunehmenden Mangel an Ingenieuren rechnet, versuchen Arbeitgeber daher, Kontakte zu nutzen und Hochschulabsolventen direkt nach Abschluss beim Berufseinstieg zu gewinnen und langfristig im Unternehmen zu halten.

Kontakte halten Ingenieure länger im Unternehmen

Bislang gibt es keine Studien, die den Zusammenhang von Stellenfindung und Beschäftigungsdauer bei Hochschulabsolventen untersuchen. Studien für alle Alters-und Qualifikationsgruppen zeigen jedoch, dass die Stellenbesetzung über informelle persönliche Kontakte bei Ingenieuren seltener zu Wechseln und häufiger zu langen Arbeitsverhältnissen führt. Das Bayerische Absolventenpanel (BAP) ist eine landesweite, repräsentative und langfristig angelegte Absolventenstudie für eine breite Auswahl an Studienfächern.

Sie erhebt Informationen zur Ausbildungsqualität der Hochschulen, zum Übergang der Absolventen in den Arbeitsmarkt und zur weiteren beruflichen Laufbahn, auch über Kontakte. Die hier zusammengefassten Auswertungen basieren auf der zweiten Befragung des Jahrgangs 2004 im Winter 2009/2010. Insgesamt 2.769 Absolventen haben daran teilgenommen; das sind 70 Prozent der Teilnehmer der ersten Befragung im Jahre 2005.

Viele Ingenieure haben Kontakte, wenn sie auf Stellensuche gehen

Wie die vorliegenden Analysen zeigen, können bayerische Absolventen aller Fächer sehr häufig informelle Wege, also Kontakte, nutzen, um einen ersten Arbeitgeber als Ingenieur zu finden, wobei Jobs und Praktika im Studium die wichtigste Rolle spielen. Diese Strategie lohnt sich tatsächlich für beide Seiten.

Zwar bleiben die Absolventen allgemein lange bei ihren ersten Arbeitgebern, und über die Hälfte der Absolventen war nach circa fünf Jahren immer noch beim selben Unternehmen beschäftigt. Kontakte als Mittel der Stellenfindung sind aber den formellen Strategien überlegen, wenn es darum geht, langfristige Beschäftigungsverhältnisse aufzubauen. Dies gilt auch für die besonders gefragten Ingenieure aus technischen und naturwissenschaftlichen Fächern.

Ingenieure sollten bewusst Kontakte aufbauen

Die Ergebnisse unterstreichen den großen Wert, den Kontakte in die Praxis für Ingenieure bereits zu Studienzeiten haben. Praxiserfahrungen führen nicht nur zu mehr Kompetenz und Berufserfahrung, sondern schaffen direkte Verbindungen in die Arbeitswelt und zu potenziellen Arbeitgebern. Sie erweisen sich nach dem Abschluss oft als Brücken in den Beruf und ermöglichen den Einstieg in nachhaltige und langfristige Beschäftigungsverhältnisse.

Dies gilt nicht nur für Praktika, sondern auch für studentische Erwerbstätigkeiten. Zumindest fachnahe Tätigkeiten ermöglichen in ähnlichem Umfang wie Praktika den Erwerb von Kompetenzen, und sie bilden eine ebenso hilfreiche Brücke vom Studium in den Beruf. Kontakte über Familien und Freunde erweisen sich für Ingenieure eher als „Notlösung“, die nicht zu besonders vorteilhaften Einstiegsstellen führt.

Kontakte machen sich für Ingenieure auch beim Gehalt bemerkbar

Für Unternehmen lohnt es sich also, Studierenden über Praktika und studentische Erwerbstätigkeiten frühzeitig einen Einblick in das Unternehmen zu bieten und sich als interessanter Arbeitgeber zu präsentieren. Solche Betriebe sind es auch, die neben guten Einstiegskonditionen durch interne Entwicklungsmöglichkeiten attraktive Alternativen zum Arbeitgeberwechsel bieten können. Kleinere und mittlere Unternehmen können damit zwar nicht immer konkurrieren, aber eigene Strategien entwickeln, um Kontakte zu angehenden Ingenieuren zu knüpfen.

Auch finanziell macht sich der Weg über Praktika und ähnliches in ein Unternehmen bemerkbar. Für Ingenieure (nur Diplom-Absolventen, alle Fächer, Uni und FH zusammen), die ihre erste Stelle über eine Stellenausschreibung oder ähnliches bekommen haben, also ohne vorherige Kontakte aus Jobs, Praktika oder Familie, würde man aufgrund der Daten ein durchschnittliches Einstiegseinkommen von 3.050 Euro Brutto vorhersagen. Für Ingenieure, die über informelle Wege, also Kontakte aus Studium und Praktika und so weiter, einsteigen, ist ein Anfangsgehalt von 3.250 Euro Brutto zu erwarten. Dabei wurden andere mögliche Einflussfaktoren (Uni/FH, Abschlussnote) schon herausgerechnet.

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von Fabian Kratz, Dr. Maike Reimer, Bayerisches Staatsinstitut für Hochschulforschung und Hochschulplanung

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