Flexibilität, Lernbereitschaft und Lernfähigkeit

Nachweis im Bewerbungsprozess

Nachweis im Anschreiben

Fünf bis sieben der wichtigsten Aufgaben und Anforderungen aus der Stellenanzeige sollten im Anschreiben aufgegriffen und abgehandelt werden.
Zunächst geht es darum, die fachlichen Anforderungen abzuarbeiten. Manche Anzeigen stellen die fachlichen Anforderungen nur knapp dar. So bleibt im Anschreiben Platz, um auf Anforderungen zur Persönlichkeit einzugehen. Da diese meist in einem Katalog von Begriffen herunter gebetet werden, fällt es zunächst schwer zu entscheiden, welche Anforderungen im Anschreiben auf welche Art und Weise angesprochen werden sollen.

Flexibilität, Lernbereitschaft und Lernfähigkeit sollten dann im Anschreiben angesprochen werden, wenn sie ausdrücklich in der Stellenanzeige gefordert sind oder im Rahmen einer Initiativbewerbung betont werden sollen. Der Ingenieur kann im Anschreiben kurz und exemplarisch ansprechen, weshalb er die Anforderungen abdeckt. Hier ein Beispiel:

"Die Vereinheitlichung des Maintenance Management für unseren Instandhaltungsbereich erforderte Flexibilität von allen Seiten. Als Betriebsingenieur arbeitete ich mich in ein völlig neues System sehr schnell ein und wirkte an der Implementierung der neuen Strukturen bzw. Abläufe mit.“

Nachweis im Lebenslauf

Im Lebenslauf gibt es wenige spezielle Stellen, an denen Qualifikationen zur Flexibilität, Lernbereitschaft und Lernfähigkeit aufgeführt werden können – etwa unter Schwerpunkten „Weiterbildung“, „Ausbildung“, „Zusatzqualifikationen“. Zur Beurteilung dieser Schlüsselqualifikationen wird aber viel stärker der gesamte Lebenslauf herangezogen. Sind Flexibilität, Lernbereitschaft und Lernfähigkeit dort erkennbar oder nicht?

Im Extremfall liegt nach einem Elektrotechnikstudium eine anschließende 10jährige Berufspraxis bei einem Arbeitgeber in der Sensorentwicklung als Projektingenieur vor. Was Branche, Positionsebene, Funktionsbereich, Region und Unternehmensgröße angeht, liegen hier hohe Treuegrade und eine hohe Arbeitgeberloyalität vor, die der Flexibilität entgegenlaufen. Starke Lernfähigkeit, Lernbereitschaft und Flexibilität lassen sich aus einem derartigen Lebenslauf nur schwer ableiten. Anders sieht es in einem Lebenslauf aus, der Bewegung zeigt, hinsichtlich Branche, Positionsebene, Funktionsbereich, Region und Unternehmensgröße. Auch allgemeine, fachliche, betriebswirtschaftliche Weiterbildungen usw. können Flexibilität, Lernbereitschaft und Lernfähigkeit unterstreichen.

Fazit: Wer oft das Unternehmen gewechselt, in verschiedenen Positionen, Branchen, Funktionen, Regionen, Unternehmensgrößen gearbeitet und viele Weiterbildungsmaßnahmen genossen hat, zeigt ein hohes Maß an Flexibilität, Lernbereitschaft und Lernfähigkeit. Allerdings muss ein Roter Faden erkennbar sein. Ein willkürliches Wechseln oder nur ein Anhäufen von Weiterbildungen spricht eher für Kopflosigkeit als für Zielorientierung. Es kommen Zweifel auf, ob der Betreffende möglicherweise doch nicht die Anpassungsbereitschaft für die jeweiligen Herausforderungen mitbringt.

Wenn ein Lebenslauf hohe Konstanz zeigt, sollte überlegt werden, wie etwa eine längere Station in mehrere Einzelstationen herunter gebrochen werden kann. In den meisten Fällen gibt es eine Entwicklung von den Aufgaben und der Verantwortung über die Jahre, selbst wenn man bei ein und demselben Arbeitgeber verblieben ist. Sie muss entsprechend dokumentiert werden. Die oben angesprochene Verweilzeit von 10 Jahren könnte z.B. aufgesplittet werden in die Positionen: Trainee – Ingenieur-Sachbearbeiter – Projektingenieur. Über die Darstellung steigender Verantwortungen oder wechselnder Aufgaben/Projekte kann Dynamik in den Lebenslauf gebracht werden. Gleiches gilt, wenn z.B. Projekte in verschiedenen Ländern abgewickelt wurden. Die Länder sollten ruhig im Lebenslauf genannt werden. Wahrscheinlich waren die Projekte ähnlich, die regionalspezifischen Herausforderungen aber recht unterschiedlich.

Nachweis 3. Seite

Manche Bewerber fügen dem Lebenslauf eine "Dritte Seite" bei, auf der sie hauptsächlich die Fragen abhandeln: Wer bin ich? Was will ich? Was kann ich? Unabhängig, vom Sinn oder Unsinn einer solchen Seite, können Ingenieure hier ihre Qualifikationen hinsichtlich der Flexibilität, Lernbereitschaft und Lernfähigkeit ansprechen. Dies ist insbesondere dann sinnvoll, wenn derartige Qualifikationen in der Anzeige zur offenen Position gefragt sind oder zu vermuten ist, dass sie eine entscheidende Rolle spielen, was auch für eine Initiativbewerbung gilt.

Bei der Frage "Wer bin ich?" werden in der Regel Persönlichkeitsmerkmale aufgeführt. Dazu können jetzt Begriffe gebracht werden, die auf Flexibilität, Lernbereitschaft und Lernfähigkeit abzielen und den Personalern aus den Anzeigen in ähnlicher Weise bekannt vorkommen. Hier einige Beispiele: "Fachliche/persönliche Flexibilität“, „Aufgeschlossen gegenüber Neuem", "Lernfähig“, "Weiterbildungsbereitschaft".

Nachweis in den Unterlagen

Bei den Bewerbungsunterlagen steht mancher vor der Qual der Wahl, geht es darum, Seminar-, Trainings- und Schulungsbescheinigungen beizufügen. Seminare, Trainings, Coachings, die Kompetenzen hinsichtlich Flexibilität, Lernbereitschaft und Lernfähigkeit vermitteln wird es in den seltensten Fällen geben. Wenn absolviert, sollten Bescheinigungen beigelegt werden.

Ansonsten verhält es sich wie mit dem Lebenslauf. Die der Bewerbung insgesamt beigefügten Nachweise (Zeugnisse, Seminarbescheinigungen etc.) müssen beim Leser letztlich zu dem Urteil führen, dass die gefragten Schlüsselqualifikationen Flexibilität, Lernbereitschaft und Lernfähigkeit vorhanden sind. Hinsichtlich der Seminarbescheinigungen sollte möglichst ein breites (buntes) Spektrum abgebildet werden. Arbeitszeugnissen sollten eine gewisse Bandbreite von Aufgaben und Projekten enthalten, um hier Flexibilität nachzuweisen. Bei längeren Verweilzeiten bei einem Arbeitgeber sollten aus gleichem Grunde die verschiedenen Stationen in den Zeugnissen dokumentiert werden, auch die dazugehörigen Verantwortlichkeiten etc.

Nachweis im Qualifikationsprofil

Im Qualifikationsprofil stellt der Bewerber neben einer Kurzbiographie in vier oder fünf Schwerpunkten seine Berufserfahrung dar. Unter einzelnen Schwerpunkten können jetzt Ausführungen folgen, die ähnlich wie bei den Stationen im Lebenslauf Flexibilität, Lernbereitschaft und Lernfähigkeit betonen, z.B. "Einarbeitung in das neue Maintenance Management System“,
„Erlernen der Konzernsprache Französisch“. Im Rahmen der Kurzbiographie kann eine Zeile den gesamten Persönlichkeitsmerkmalen gewidmet werden. Hier gilt es, einen interessanten Mix zusammenzustellen, in dem Begriffe fallen können, die Flexibilität, Lernbereitschaft und Lernfähigkeit untermauern. Hier ein Beispiel für einen solchen Mix: "Hohe Lernfähigkeit, geistige Beweglichkeit, situative Lösungsansätze, Mut zu neuen Wegen.“
Insgesamt wird aber das gesamte Qualifikationsprofil zur Beurteilung von Flexibilität, Lernbereitschaft und Lernfähigkeit herangezogen.

Nachweis im Vorstellungsgespräch

Die Themen Flexibilität, Lernbereitschaft und Lernfähigkeit werden im Vorstellungsgespräch mehr oder weniger direkt oder indirekt angesprochen, je nach Tendenz der Stellenausschreibung. Unabhängig davon sollte der Ingenieur das Thema von sich aus ansprechen, wenn diesbezügliche Eigenschaften in der Anzeige aufgeführt wurden oder die Vermutung nahe liegt, dass sie eine Schlüsselrolle spielen, wie etwa im technischen Vertrieb, Produktmanagement, Produktion usw. Der Ingenieur kann zudem in den eigenen Fragen und Antworten jede Menge diesbezügliche Fähigkeiten, Qualifikationen und Erfahrungen abbilden. Hilfreicher als theoretische Abhandlungen sind Beispiele aus der Berufspraxis, aus Praktika usw.: "Wir kamen erst durch eine andere Betrachtung zu den neuen technischen Services. Bislang bestimmten überwiegend Anregungen aus unserer eigenen Entwicklung die Dienstleistungen. Heute sind es die Produktionsleiter der Kunden, die die angebotenen Serviceleistungen wesentlich beeinflussen. Wir mussten hier alle umlernen.“

Zur Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch empfiehlt es sich zudem, eine Liste aller bisher abgewickelten Projekte und Aufgaben anzulegen und im Vorfeld nochmals zu hinterfragen, welche besonders geeignet sind, Flexibilität, Lernbereitschaft und Lernfähigkeit nachzuweisen. Es fällt dann leichter, die konkreten Berufserfahrungen im Vorstellungsgespräch ins Spiel zu bringen oder bei anderweitigen Fragen über kleinere Umwege zum Thema Flexibilität, Lernbereitschaft und Lernfähigkeit zurückzukehren.

Nachweis in der Praxis

Flexibilität, Lernbereitschaft und Lernfähigkeit fallen besonders in der Probezeit auf, wenn es darum geht, das neue Arbeitsumfeld zu ergründen und sich in neue Aufgabenstellungen und Projekte einzuarbeiten. Da nörgelt der Neue etwa sehr schnell an bewährten Konzepten und Abläufen herum, weil er sich in die neue Arbeitswelt nicht hineindenken kann oder will. Ein anderer neuer Mitarbeiter beruft sich in der Probezeit ständig auf seine Stellenbeschreibung, die vom Arbeitsalltag mehr oder weniger abweicht.

Gerade Kandidaten, die sich in der Vergangenheit nur selten in neue Aufgaben, Projekte, Positionen und Unternehmen einarbeiten mussten, tun sich hier schwer. Für sie ist das Risiko besonders hoch, bereits in der Probezeit zu scheitern. Sehr wichtig ist es daher, sich für die Einarbeitungszeit eine methodische Herangehensweise zu überlegen, wie man die neuen Aufgaben und deren Umfeld systematisch erschließen kann (etwa mit Analysemethoden aus dem Prozessmanagement). Gefragt ist zudem eine flexible Denkhaltung. Wahrscheinlich wird beim neuen Arbeitgeber vieles anders gemacht als beim alten.

von Ihr Team von ingenieurkarriere.de

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