27.01.2017   |

Gehalt

Gehaltsstudie: Einstiegsgehälter für Ingenieure

Das Einstiegsgehalt für Ingenieure ist wieder gestiegen. Doch wie hoch darf die Gehaltsforderung als Berufseinsteiger sein? Einige Anhaltspunkte.

Steigende Gehälter für Einsteiger.

Foto: iStock / Thinkstock

Der Ingenieurberuf zählt nach wie vor zu den lukrativsten Berufen in Deutschland. Die Top-Gehälter sind zwar berufserfahrenen Kollegen in höheren Positionen mit reichlich Mitarbeiterverantwortung vorbehalten. Einem Ingenieur frisch von der Hochschule winken aber dennoch gute Einstiegsgehälter. Auf der Suche nach der goldenen Gehaltsforderung können die kumulierten Gehaltsangaben von über 1000 Kollegen weiterhelfen.

Die gute Nachricht vorweg: Im zweiten Quartal 2015 verzeichneten die Ingenieurberufe mit 836.514 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten einen neuen Rekord und die Chancen auf dem Arbeitsmarkt für Ingenieurabsolventen bleiben weiter sonnig. Insbesondere in den Berufsfeldern Produktion & Fertigung sowie Bau, Architektur & Gebäudetechnik gibt es viele offene Stellen für Ingenieure. Die Verdienstmöglichkeiten für Berufseinsteiger mit Ingenieurstudium haben sich dort im Vergleich zum Vorjahr leicht erhöht und liegen derzeit bei durchschnittlich 45.500 EUR.

Doch Vorsicht: Wer diese Zahl jetzt zur Grundlage seiner Gehaltsverhandlung macht, läuft Gefahr, sich zu verzocken. Die Höhe des Erstgehalts richtet sich neben den persönlichen Qualifikationen ebenso nach der Branche, in der das Wunschunternehmen tätig ist, nach der Größe des Unternehmens selbst und nach der Einstiegsposition. Deshalb lohnt ein Blick auf die Details.

Einstiegsgehälter für Ingenieure nach Branchen

Einstiegsgehälter nach Branchen

1.

Fahrzeugbau

49.000 EUR

2.

Chemie & Pharma

48.380 EUR

3.

Elektronik & Elektrotechnik

47.285 EUR

4.

Maschinen- & Anlagenbau

45.545 EUR

5.

Informationstechnologie

45.000 EUR

6.

Energieversorgung

44.300 EUR

7.

Baugewerbe

41.589 EUR

8.

Ingenieur- & Planungsbüros

41.500 EUR

Quelle: Gehaltstest für Ingenieure 2015

 

Gehaltsvergleich: Der Einstieg ist nicht für alle gleich lukrativ

Jährlich verlassen mehr Absolventen mit ingenieurwissenschaftlichem Abschluss die Hochschulen. Im Jahr 2014 waren es 91.897 junge Menschen, die vom Hörsaal in die Unternehmen drängten. Doch Absolvent ist nicht gleich Absolvent: Einige Studienabschlüsse werden beim Einstiegsgehalt höher bewertet als andere. So kommen junge Ingenieure mit einem Uni- oder TH-Abschluss im Schnitt über das durchschnittliche Jahresgehalt von 45.500 EUR, während sich Absolventen der Fachhochschulen und solche mit dualer Hochschulausbildung dafür ein wenig strecken müssen.

Neben der Art der Hochschule spielt der akademische Grad eine Rolle. Die zuletzt 24.998 Masterabsolventen haben was zu feiern: Ihr Abschluss hatte 2014 bereits die alten Diplom-Abschlüsse überholt und konnte 2015 weiter zulegen. Mit durchschnittlichen 46.800 EUR führt der Master die Liste der höchstdotierten wirtschaftsnahen Abschlüsse an (Promotionen sind nicht berücksichtigt). Der Bachelor wird – wie von der Bologna-Erklärung vorgesehen - etwas geringer bewertet, hat sich aber nun seit einigen Jahren auf dem Niveau von 43.000 EUR eingependelt.

Die Faustregel lautet: Die geringsten Gehaltsansprüche unter den Berufseinsteigern haben Bachelorabsolventen, gefolgt Diplom-Ingenieuren von Fachhochschulen. Ihnen voraus sind die Diplomingenieure der Universitäten, der Technischen Hochschulen sowie Masterabsolventen. Am höchsten aber können Promovierte in ihrer ersten Gehaltsverhandlung pokern.

Kostenfreier Gehaltstest für Ingenieure

Mechatroniker sind die Gewinner beim Erstgehalt

Die fortschreitende Digitalisierung der Produktion, aber auch aller sonstigen Lebensbereiche, macht Ingenieure der Mechatronik zu den neuen Lieblingen der Industrie. Denn egal, ob Elektromobilität oder Produktionsautomatisierung, ob Medizintechnik oder Fahrzeugbau, die Spezialisten an der Schnittstelle von Mechanik, Elektronik und Informationstechnik werden überall gebraucht.

Ihr Einstiegsgehalt lag 2015 im Schnitt bei guten 47.000 EUR (wobei die Schwankung wie bei allen anderen Studienfächern stark ausgeprägt ist und von 42.300 EUR bis 52.000 geht). Auf die Mechatroniker folgen mit einem etwas geringeren durchschnittlichen Einstiegsgehalt Absolventen des Wirtschaftsingenieurwesens, des Maschinenbaus, der Elektrotechnik und der Verfahrenstechnik. Deutlich unter den Ingenieurkollegen zurück hinkt – leider immer noch - das Einstiegsgehalt der Bauingenieure, das zuletzt bei 41.500 EUR lag. Es gibt jedoch eine gute Nachricht: Bauingenieure konnten mit einer Steigerung von 6,5% den stärkten Gehaltszuwachs aller Berufseinsteiger verzeichnen.

Grafik-Einstiegsgehaelter-fuer-Ingenieure-2015-nach-Studienfaechern.png

 

Die Gehaltsentwicklung einiger Branchen schwankt stark

Es kommt natürlich nicht nur auf den Absolventen an, sondern auch auf die Branche und deren konjunkturelle Lage. Und die spielt vor allem den Energieversorgern einen Streich. Dort schlagen die Finanz- und Wirtschaftskrise ebenso zu Buche wie die Umstellung auf neue Energiequellen oder die Klima- und Umweltschutzprogramme. Entsprechend sind die Einstiegsgehälter in der Energiebranche sehr volatil. Zuletzt stiegen sie um 3,4% auf im Schnitt 44.300 EUR und machten das Minus des Vorjahres wieder wett. Genau diese Entwicklung machte die Branche bereits im Jahr zuvor durch. Und im Jahr davor. Eine langfristige Aussage über die Gehaltsentwicklung bei den Energieversorgern ist daher kaum zu treffen.

In anderen Branchen sind sehr wohl Aussagen über die Entwicklung der Einstiegsgehälter für Ingenieure möglich: Zu den großzügigsten Arbeitgebern zählen seit Langem die Unternehmen im Fahrzeugbau. Deren Beschäftigte sind mit einem Erstgehalt von durchschnittlich 49.000 EUR in dieser Gehaltsstudie die Topverdiener unter den Jungingenieuren und konnten den Beschäftigten der Chemie- und Pharmaindustrie den Rang streitig machen.

Ebenso erfreuliche Aussagen kann man zu den Einstiegsgehältern im Baugewerbe treffen: Die letzten Jahre ging‘s bis auf ein, zwei kleinere Dämpfer stetig nach oben. Allerdings natürlich von einem ganz anderen Niveau kommend: Ingenieure, die ins Baugewerbe wollen, können sich derzeit an einem Brutto-Einstiegsgehalt von ungefähr 41.500 EUR orientieren. Ein Grund für das geringere Gehaltsniveau der Branche sind die vielen kleinen und Kleinstunternehmen.

Einstiegsgehälter korrelieren mit der Unternehmensgröße

Es ist keine Besonderheit der Bauindustrie, dass die Planungsbüros weniger zahlen als die Industrieunternehmen. Dies folgt einer einfachen Logik: Je größer ein Unternehmen ist, desto mehr Gehalt zahlt es im Schnitt an seine Mitarbeiter. Die Zahlen der Gehaltsstudie machen deutlich, dass es von dieser Faustregel statistisch gesehen keine Abweichungen gibt. Während Einsteiger in den Ingenieurberuf in Kleinst- & kleinen Unternehmen mit höchstens 50 Mitarbeitern jährlich 42.000 EUR brutto im Schnitt verdienen, zahlen mittelständische Unternehmen schon einige tausend Euro mehr. Zwischen dem Einstiegsgehalt eines Kleinunternehmens und dem eines Konzerns liegen im Schnitt bis zu 20%.

Starke regionale Unterschiede

Auch die Lebenshaltungskosten sollte man bei der Kalkulierung des eigenen Gehaltswunsches berücksichtigen. So fallen die Einstiegsgehälter in Ballungszentren wie Stuttgart oder München höher aus als in ländlichen Gebieten Thüringens etwa. Auch in Österreich fallen die Einstiegsgehälter für Ingenieure im Schnitt etwas geringer aus als in Deutschland, in der Schweiz dagegen höher.

Die Unterschiede nivellieren sich etwas, wenn man sie in den entsprechenden Kontext setzt: die Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie den Unterhalt fürs Auto etwa. Um das Beispiel Schweiz aufzugreifen: Allein für Lebensmittel müssen die Eidgenossen im Schnitt 40% mehr Kosten einrechnen. Das Plus in der Lohntüte wird von diesen Mehrausgaben in Teilen aufgefressen.

Gehalt nach Position: Der Einstieg als Projektmanager zahlt sich aus

Wer das Gehalt seiner ersten Ingenieurstelle bei einem Mittelständler etwas aufpeppen möchte, sollte versuchen, eine möglichst hohe Position zu ergattern. Zwar steigen die wenigsten Hochschulabsolventen als Projektmanager in den Beruf ein, es ist aber nicht unmöglich. Vor allem für Absolventen, die bereits vor ihrem Studium Berufserfahrung gesammelt haben, kommt ein solcher Schritt infrage. Der Lohn: Er verdient schon zu Beginn seiner Karriere rund 1500 EUR mehr als die meisten seiner Kollegen.

Ein Großteil der Berufseinsteiger wird als Fach- oder Projektingenieur, also Teilnehmer eines Projektteams angestellt. In diesen Positionen verdienten Ingenieure ohne Berufserfahrung im vergangenen Jahr durchschnittlich 45.500 EUR brutto. Das kann sich jedoch sehr schnell ändern: Schon mit einigen Jahren Berufserfahrung steigt das Gehalt in diesen Positionen um rund 10% an. In den ersten Jahren nach dem Berufseinstieg können ohnehin mit die höchsten Gehaltssprünge erzielt werden, wie die Ergebnisse der Gehaltsstudie nahelegen.

Wer sich nach dem Studium noch nicht auf eine feste Position festlegen, sondern lieber unterschiedliche Abteilungen ausprobieren möchte, der beginnt häufig als Trainee. Die Programme sind sehr unterschiedlich und können von wenigen Monaten bis zu zwei Jahren dauern. Ihnen gemein ist aber, dass sie weniger gut dotiert sind als andere Einstiegspositionen. Im Schnitt erhalten Trainees mit abgeschlossenem Ingenieurstudium rund 44.300 EUR brutto im Jahr.

Sonderzahlungen nicht vergessen!

Es ist so weit, das erste Gehaltsangebot liegt auf dem Tisch – und die Vergütung liegt deutlich unter dem hier angegebenen Durchschnittsgehalt. Zwei Dinge sind möglich: Entweder Sie haben den (aus Gehaltssicht!) ungünstigsten Hochschulabschluss in der Tasche und wollen in ein kleines Unternehmen in einer der schlechter bezahlenden Branche einsteigen. Dann gilt: Ihr Gehaltsangebot setzt vermutlich an der unteren Gehaltsausprägung an, der hier genannte Wert ist der Median aller Gehaltsangaben. Die andere Möglichkeit ist: Sie haben die Sonder- und Einmalzahlungen nicht mit eingerechnet.

Etwa 47% aller Berufseinsteiger in Ingenieurberufe erhalten entweder Weihnachts- oder Urlaubsgeld oder sogar beides. Der durchschnittliche Anteil der Einmalzahlungen am Jahresgesamtentgelt beträgt derzeit 7,5%, was schnell bis zu 2.500 EUR ausmachen kann. Übrigens: Die glücklichen Bezieher von Einmalzahlungen sind überdurchschnittlich häufig in tarifgebundenen Betrieben tätig.

Jeder dritte Berufseinsteiger mit Ingenieurstudium enthält darüber hinaus variable Vergütungsbestandteile. Sie sind besonders hoch in der Informationstechnologie (IT), der Chemie- und Pharmaindustrie sowie der Energieversorgung und finden kaum Anwendung in den Ingenieur- und Planungsbüros. Dennoch sollte man bei der Prüfung eines Gehaltsangebots auf ihre (Nicht-)Anwesenheit achten.

Selbst Einfluss nehmen aufs Gehalt

Wer beruflich oder im Rahmen des Studiums schon mal im Ausland war oder fachliche Zusatzqualifikationen aufweisen kann, hat zwar einen Trumpf für die Bewerbungssituation in der Tasche, an der Gehaltsschraube kann man deswegen aber noch nicht drehen. Auch mit nicht entlohnten Überstunden sollte sich zurückhalten, wer das Gehalt in der Praxis auch tatsächlich in der Höhe verdienen möchte, wie es im Vertrag vereinbart wurde. Denn mit jeder Stunde Mehrarbeit, die nicht ausbezahlt wird, sinkt faktisch das vereinbarte Bruttogehalt.

Das Einstiegsgehalt richtig einschätzen

Fazit: Einstiegsgehälter für Ingenieurberufe sind kaum vergleichbar

Einflussfaktoren auf das Einstiegsgehalt als Ingenieur:

  • Studienabschluss & -fach
  • angestrebte Position & Branche
  • Größe & Standort des potenziellen Arbeitgebers
  • gewährte Sonderzahlungen
  • Qualifikationen wie Auslandsaufenthalte oder fachliche Weiterbildungen

Wer versucht, das eigene Gehalt für die erste Ingenieurstelle richtig einzuschätzen, ist gut beraten, die wichtigsten Einflussfaktoren zu beachten. Dazu gehören der eigene Studienabschluss, die Fachrichtung, die Größe des angepeilten Arbeitgebers und die Branche. Außerdem kommt es natürlich darauf an, auf welcher Position man den Einstieg wagt.

Und Gehalt ist nicht alles: Viele Unternehmen bieten ihren Beschäftigten inzwischen sehr viel mehr als einen schnöden Arbeitsplatz. Der Medizintechnikhersteller Euroimmun beispielsweise offeriert seinen Mitarbeitern eine ganze Palette an Freizeitaktivitäten, Festo bietet als Familienunternehmen hoch flexible Arbeitszeiten.

Was Ihr Wunscharbeitgeber Ihnen bietet und wie Sie ihn überzeugen können, steht in unseren Firmeninterviews. Seien Sie also offen beim Stöbern durch unsere Stellenangebote, schließlich verbringen die meisten Ingenieure durchschnittlich um die 40 Stunden in der Woche bei der Arbeit. Ein hohes Gehalt allein sollte angesichts dieser Aussichten besser nicht ausschlaggebend sein für die Wahl des künftigen Arbeitsplatzes.

Tipp:
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von Lisa Schneider

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