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Aktuelle Artikel (VDI nachrichten vom 10.9.2010)

Beraterberuf: Ingenieure haben gute Chancen  

Arbeitsmarkt: Nach einem Jahr kriselnder Geschäfte planen Unternehmensberatungen wieder mit Wachstum - und werden ihre Belegschaften weiter aufstocken. Ingenieure sind als Consultants gern gesehen. VDI nachrichten, Bonn, 12. 3. 10, cha

Besonders deutlich ist der Aufwärtstrend bei den kleinen und mittleren Beratungsunternehmen, die zwischen 5 Mio. € und 45 Mio. € Umsatz erwirtschaften. Das Schild "Wir stocken unsere Belegschaft auf" hängt hier bei 70 % der Dienstleister am Firmentor. Von den großen Unternehmensberatungen sind die Nachrichten etwas verhaltener. Zwar stellen auch sie Mitarbeiter ein, aber oft nur, um Abgänge zu ersetzen: 50 % der Großen, zu denen Unternehmen wie McKinsey, Boston Consulting, Roland Berger und Booz gehören, wollen ihre Belegschaft dieses Jahr nicht ausweiten.

Unter dem Strich aber lässt diese Entwicklung für den Arbeitsmarkt der Unternehmensberater hoffen: Der leichte Aufschwung befeuert die Nachfrage nach Mitarbeitern, immerhin erwarten die Consulting-Unternehmen für 2010 ein Wachstum von 5 %. Mit dieser Prognose ist die Rezession beendet im abgelaufenen Jahr war der Markt noch um 3,1 % geschrumpft, ermittelte der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) in einer Marktstudie.

Unter den großen Rekrutierern ist die Boston Consulting Group (BCG), mit einem Umsatz von 418 Mio. € die Nummer drei am deutschen Markt. Um die 170 neue Berater sollen im Lauf des Jahres eingestellt werden, so lautet die Prognose. Auch Ingenieure und Naturwissenschaftler stehen auf der Suchliste - so wenden sich sieben der zehn für 2010 geplanten Rekrutierungs-Anlässe auch an diese Fachrichtungen. Ähnlich stark wird auch McKinsey, der deutsche Marktführer, auf dem Arbeitsmarkt aktiv sein. "150 bis 170 Talente", nennt Deutschland-Chef Frank Mattern sein Rekrutierungsziel für dieses Jahr. 50 % dieser Neueinstellungen sollen Natur- und Ingenieurwissenschaftler sein.

Auch die Aufgaben, denen sich die Berater dieses Jahr widmen, künden vom Stimmungswandel: "Das Jahr 2010 fängt gut an, es gibt eine Menge Strategiethemen", sagt Mattern, "die Ära der Kostensenkungsprogramme, die uns mitunter nicht so viel Freude gemacht haben, geht langsam zu Ende." Zwar sei die Wirtschaft beileibe noch nicht in einer Schönwetterphase, doch die schwarzen Wolken der Krise geraten allmählich außer Sichtweite.

Alle Kundenbranchen fragen bei den Beratern wieder Projekte nach, wie der BDU zu berichten weiß. Besonders viel gibt es dieses Jahr in den Chemie-, Pharma- und Telekom-Unternehmen sowie der Finanzbranche zu tun. Aber auch der Maschinen- und Fahrzeugbau, der in der Krise viele Beratungsprojekte abblies, meldet sich mit seinem Beratungsbedarf wieder zurück. "Die Geschäftsmodelle werden angepasst, die Firmen gehen wieder auf neue Märkte, Wachstum und Firmenkäufe stehen wieder auf der Agenda der Firmenchefs", sagt Frank Schnieder, Präsident des BDU und Europa-Chef des Beratungsunternehmens Capgemini.

Für die meisten Unternehmen in der Branche ist damit der Einbruch überraschend schnell überstanden. Nur ein Jahr dauerte es, bis die Berater nach dem Finanzcrash wieder auf die Füße kamen. "Wir haben der Krise besser getrotzt als angenommen", sagt Präsident Schnieder. Die Entlassungen von Mitarbeitern hätten sich in Grenzen gehalten, der von Politik, Zentralbank und Unternehmen gebildete Krisenpakt habe gewirkt.

Auch hätten die Beraterkunden schnell erkannt, dass sie auf die Helfer angewiesen sind. "Länger als zwei Jahre können die meisten nicht ohne externe Beratung auskommen", beschreibt BCG-Deutschlandchef Christian Veith seine Erfahrung. Um die Projekte zu bekommen, müssen die Berater freilich bis heute Zugeständnisse beim Preis machen. "Die Preise sind unter Druck, das war deutlich spürbar", lässt der BDU-Vormann verlauten. Von "Krisenrabatten" ist in der Branche die Rede. Der Grund dafür sind die verringerten Renditen bei den Kunden - sie erwarten, dass der Berater einen Teil der Lasten mitträgt.

Die Folgen davon kamen auch bei den Mitarbeitern der Beratungsunternehmen an. Sie mussten in schwierigen Zeiten härter ran, wie eine einfache Rechnung zeigt. BCG etwa hat seine Beratertage zu günstigeren Honoraren abgegeben als noch zu Zeiten des Booms. "5 % bis 10 % Nachlass", beschreibt Christian Veith eine häufige Praxis. Gleichzeitig aber hat sein Unternehmen gegen den Trend mehr Umsatz erwirtschaftet. Das war nur möglich, weil deutlich mehr Beratertage für die Kundschaft erbracht wurden, was einen hohen Einsatz von den Consultants verlangte. "Nächte gearbeitet", lässt Veith mit knappen Worten durchblicken, welchen Tribut die Krisenwirtschaft gefordert hat. AXEL GLOGER

 
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