Nutzen Sie die Möglichkeit nach verschiedenen Karrierebegriffen in der Datenbank zu recherchieren.
Ihre Suchanfrage hat zu folgendem Suchergebnis geführt:
Frage:
Antwort:
Ich möge doch bitte, forderte der GF-Vorsitzende eines größeren Mittelständlers, den Management-Bewerbern, die ich ihm schicke, eindringlich etwas nahe bringen: Sie sollten ihn im Vorstellungsgespräch gefälligst nicht mit "Hallo, Herr Dr. Müller" begrüßen. Schön, meinte ich, dass es so etwas noch gäbe (nicht das Hallo, sondern die Abneigung dagegen. Immerhin ist der Mann ziemlich genau zehn Jahre jünger als ich).
Im weiteren Verlauf des Telefongesprächs überlegte er es sich dann aber noch einmal: "Lassen Sie die Leute ruhig - dann sehe ich sofort, wer hier in meine engste Umgebung passt und wer nicht."
Also ich glaube nicht, dass ein nassforsch-jugendliches "Hallo" gleich und allein zur totalen Ablehnung geführt hat. Aber so etwas prägt den wichtigen ersten Eindruck - von einer spontanen Einstufung bei der Gesprächseröffnung ist schwer wieder herunterzukommen. Und wenn man dann noch andere "Leichen im Keller" hat, festigen sich solche Vorbehalte schnell.
Danach habe ich mich gefragt, warum mir das bei diesen Leuten im Kontakt nicht aufgefallen war. Entweder bin ich viel toleranter (unwahrscheinlich) oder ich gelte bei vielen Kandidaten so sehr als Respektsperson, dass sie "vorsichtshalber" anständig "Guten Tag" sagen. Was mir als Begründung schmeicheln würde, also nehme ich die einmal als stimmend an.
Dabei kennt dieser Kunde meine Nachbarstochter noch nicht. Die wirft mir gelegentlich etwas über den Zaun, was wie "Hai" klingt, aber offensichtlich freundlich gemeint ist. Wie schreibt man das? "High" vielleicht - oder war das nicht der Schlachtruf der Drogensüchtigen? Na, wie dem auch sei.
Was lernen wir nun daraus? Erstens, dass es für Ablehnungen nach Vorstellungsgesprächen stets auch Gründe geben kann, die nicht im fachlichen Bereich liegen - was ich hier seit Jahren predige. Und zweitens, dass man im Verkehr mit ranghöheren Gesprächspartnern, von denen man etwas will(!), gut daran tut, die gesellschaftlich üblichen und im Zweifel eher die etwas konservativer geprägten Formen zu pflegen.
Was mich hingegen echt betrübt, ist dass seit einiger Zeit praktisch ausnahmslos alle jungen Damen (so Ende 20 bis Mitte 30), die ich beruflich empfange, im Wartezimmer spontan zu meiner Begrüßung aufstehen. Das tut man als Frau nur bei deutlich Älteren. Was zwar in diesem Fall gegeben ist, aber dennoch eher nicht schmeichelt.
Nun will jedoch auch ich Zeitgeist-Verständnis zeigen: Also dann hi, Leute, bis nächste Woche, da bin ich wieder voll drauf. Vielleicht sollte ich das aber doch besser lassen. Nachher liest das noch jemand ...
VDI nachrichten Nr. 7, 20.2.2003