Martin Hofferberth, Sascha Kamp, Vergütungsexperten bei der Unternehmensberatung Towers Watson
Datum: 5.3.2010
Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit sind Firmenwagen ein Statussymbol. Der Prestigewert des möglichst großen, statusträchtigen und üppig mit Extras ausgestatteten Pkw auf Unternehmenskosten ist nicht zu unterschätzen - und damit seine motivierende Wirkung auf die Mitarbeiter.
Insgesamt hat die Firmenwagendichte im Vergleich zum Vorjahr leicht zugenommen, da Unternehmen immer häufiger auch Angestellten ohne Führungsaufgaben entsprechende Angebote machen. Programme zur Brutto-Entgeltumwandlung haben sich auch im Firmenwagenbereich etabliert. Die Unternehmen versprechen sich dabei einen höheren Motivationseffekt bei den Mitarbeitern als von einer finanziell gleichwertigen Gehaltserhöhung und können so auch von höheren Mengenrabatten bei Leasing-Dienstleistern profitieren.
Traditionell erhalten vor allem Vertriebsmitarbeiter - insbesondere im Außendienst - einen Firmenwagen. Europaweit gibt es in keiner anderen Unternehmensfunktion eine ähnlich hohe Berechtigtenquote für Firmenwagen. Nur bei Führungskräften sind vergleichbare Werte zu beobachten: Ab dem mittleren Management steigt die Anzahl der Firmenwagen sprunghaft an und erreicht - mit wenigen Ausnahmen - eine Vollabdeckung bei den oberen Führungskräften.
Das Fabrikat des Firmenwagens ist meist weniger relevant für Mitarbeiter, die eigentlich keinen Anspruch auf einen Firmenwagen haben, jedoch Gehaltsbestandteile nutzen können, um über die Leasing-Gesellschaft des Arbeitgebers ein Auto zu leasen. Hier sind die meist unschlagbar günstigen Konditionen wichtiger als prestigeträchtige Markennamen. Seit einiger Zeit wächst in allen untersuchten Ländern die Anzahl der Unternehmen, die diese Möglichkeit offerieren. Neben dem positiven Effekt auf die Mitarbeiterbindung und -zufriedenheit können Unternehmen dadurch ihre kritische Masse erhöhen und die Verhandlungsposition gegenüber den Leasingfirmen verbessern.
Während Mitarbeiter der ersten Führungsebene die Dienstwagen zumeist zusätzlich zur Barvergütung voll vom Unternehmen finanziert bekommen, erhöht sich in den darunter liegenden Management-Stufen der Anteil der von den Mitarbeitern teilweise oder ganz finanzierten Firmenwagen. In der Regel geschieht dies über den Einsatz von Gehaltsbestandteilen.
Deutliche Unterschiede in verschiedenen Branchen und Ländern
Welche Mitarbeiter Anspruch auf einen Firmenwagen haben, wie teuer dieser sein darf und ob privat gefahrene Kilometer vom Unternehmen übernommen werden hängt nicht nur von der Führungsebene ab, sondern auch vom Land und der jeweiligen Branche. In der branchenübergreifenden Betrachtung hebt sich bezogen auf die gestattete Leasingrate die Schweiz ab. Besonders Pharmaunternehmen stellen hier ihren Mitarbeitern einen höheren Betrag zur Verfügung als andere Branchen. Während es für einen Mitarbeiter aus der Vertriebsebene üblich ist, einen Firmenwagenanspruch geltend machen zu können, liegt die Berechtigung für Funktionen außerhalb des Vertriebs auf der Ebene des Mittleren Managements unterhalb von 50 Prozent. Wird eine diesbezügliche Leistung gewährt, unterscheidet sie sich kaum von der Leasingrate des Mitarbeiters aus dem Vertrieb.
Die Pharmabranche, die Automobilindustrie und mit einigem Abstand die Hightech-Unternehmen zählen international zu den Firmen mit den meisten berechtigten Mitarbeitern. Dagegen zeigt sich die Finanzbranche zurückhaltender: Nur rund ein Drittel ihrer Mitarbeiter erhalten einen Firmenwagen.
In Bezug auf die durchschnittlichen Kosten pro Firmenwagen zeigen sich weniger branchen- als länderspezifische Unterschiede. Das kleinste Budget mit umgerechnet 21.500 - 24.500 Euro haben die Arbeitnehmer in Großbritannien zur Verfügung, das höchste steht den Mitarbeitern der Schweizer Banken mit umgerechnet 40.500 Euro zu. In Deutschland können die Fahrer von Firmenwagen zwischen 36.500 Euro (Automobilindustrie) und 33.500 Euro (Pharmaindustrie) ausgeben, und damit mehr als die jeweiligen Branchenkollegen in Frankreich und Großbritannien. Es ist aber zu berücksichtigen, dass in einigen Ländern - insbesondere in Deutschland, Österreich und der Schweiz - Autos zur Verfügung gestellt werden, in Großbritannien dagegen vorrangig mit sogenannten Car Allowances gearbeitet wird.
Ob Unternehmen auch die Kosten für Privatfahrten übernehmen, variiert stark je nach Land und Branche. Offenbar sind Pharma- und Hightech-Unternehmen eher bereit, auch die privat gefahrenen Kilometer ihrer Mitarbeiter zu übernehmen als Unternehmen zum Beispiel aus dem Bankensektor. Grundsätzlich werden diese Leitungen in Deutschland großzügiger gewährt als beispielsweise in Italien oder Frankreich.
Alternativen zum Firmenwagen
Sowohl Manager als auch Mitarbeiter haben immer häufiger die Wahl, ob sie den angebotenen Firmenwagen annehmen oder sich ihre Berechtigung auszahlen lassen. Maßgeblich für diese Entscheidungen sind in erster Linie private Gründe, aber auch steuerliche Rahmenbedingungen. So rechnet sich in Deutschland ein Dienstwagen bei sehr langen Anfahrten zur Arbeit oftmals nicht.
Vor diesem Hintergrund entwickeln Unternehmen mehr und mehr Alternativen für Mitarbeiter, die den angebotenen Firmenwagen nicht in Anspruch nehmen möchten. Häufige Angebote sind Bahncards oder Job-Tickets. Damit verhindern sie, dass der positive Effekt ihrer Vergütungspakete auf die Mitarbeiterbindung und -motivation verpufft.
Externe Dienstleister sind gefragt
Auffällig ist die verstärkte Auslagerung der Firmenwagenverwaltung an externe Dienstleister und damit einhergehend eine weitergehende Nutzung von Leasing-Angeboten. Auf diese Angebote greifen mittlerweile mehr als 90 Prozent der Unternehmen zurück. Diese Dienstleister übernehmen die komplette Abwicklung - von der Ermittlung des günstigsten Modells über das Finden der besten Werkstatt im Schadensfall bis hin zur Abnahme und Reinigung des Wagens bei einer Rückgabe nach einem Mitarbeiterwechsel. In der so genannten "Full Service Leasing Rate" sind meist die Kosten für Finanzierung, Wartung, Versicherung, Steuer, Benzin und Betreuung enthalten. Die Vorteile für die Unternehmen: bessere Konditionen, geringere Kosten und vor allem ein deutlich reduzierter interner Aufwand, der insbesondere bei Unternehmen mit einer entsprechend großen Firmenwagenflotte zu Buche schlägt. Und die Mitarbeiter haben über Call Center oft rund um die Uhr und auch am Wochenende Zugriff auf ihren Spezialisten bei Fragen zu Leasingkonditionen oder im Schadensfall.
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Martin Hofferberth, Sascha Kamp, Vergütungsexperten bei der Unternehmensberatung Towers Watson