Bernd Andersch, Karrierecoach Düsseldorf
Datum: 5.3.2010
Ob ein Kandidat mit seiner Bewerbung Erfolg hat, hängt maßgeblich von deren Informationsgehalt ab. Die aufgeführten Inhalte sollten sich zu einem roten
Faden verbinden und in hohem Maße zur ausgeschriebenen Stelle passen. Es gilt also herauszufinden, womit genau die Personalentscheider überzeugt
werden können, der Umfang und die Vollständigkeit der beruflichen Tätigkeiten allein sind nicht entscheidend.
Wenn Anschreiben, Lebenslauf, Arbeitszeugnisse und Vorstellungsgespräche ein inhaltlich einheitliches Bild des Bewerbers ergeben, hat der Kandidat gute
Chancen, im Bewerbungsprozess weit zu kommen. Doch woher sollen die Bewerber wissen, was die Personalentscheider aktuell präferieren? Übliche
Informationsquellen sind Stellenanzeigen, Vorabtelefonate, redaktionelle Beiträge in der Presse oder die Homepages der Unternehmen. Durch gezielte
Recherche kann jeder herauszufinden, welche Qualifikationen und Berufserfahrungen Personaler aktuell nachfragen: beispielsweise konkrete Aufgaben-
und Projekterfahrungen, Ausbildung und Weiterbildung, Zusatzwissen, Dauer und Art der Berufserfahrung, EDV- und Sprachkenntnisse oder bestimmte
Persönlichkeitsmerkmale.
Mit Hilfe einer selbst vorgenommenen Stellenmarktanalyse lassen sich Anforderungen und Qualifikationen so verbinden. dass sie genau das gewünschte
Stellenprofil ergeben. Die Analyse sollte zum eigenen Berufsfeld - z.B. technischer Vertrieb, Konstruktion, Entwicklung oder Produktion - und gegebenenfalls
branchenspezifisch angelegt werden. In den Print- und Online-Stellenmärkten können die Bewerber nach passenden Anzeigen der letzten Monate suchen
und sie hinsichtlich der am häufigsten nachgefragten Aufgaben und Anforderungen systematisch auswerten. Solche Auswertungen zu den großen
Berufsfeldern der Ingenieure finden sich auch unter den Berufsprofilen von ingenieurkarriere.de:
www.ingenieurkarriere.de/berufsprofile
Bei Initiativbewerbungen fehlt die Stellenanzeige. Als Ersatz können die Ergebnisse der Stellenmarktanalyse dienen. Für das Produktmanagement zeigt sich
dann beispielsweise, dass mehrjährige branchenspezifische Berufserfahrungen entscheidend, betriebswirtschaftliche Kenntnisse wichtig und Erfahrungen in
Marktforschung, Produktdefinition und Produktentwicklung gefragt sind.
Hier ein Beispiel, wie diese Kenntnisse aus der Stellenmarktanalyse in das Initiativanschreiben einfließen könnten. "Als gestandener Produktmanager der
XYZ-Branche möchte ich gern mein profundes Wissen und meine Erfahrungen in Ihr Unternehmen einbringen. Ich bin 40 Jahre alt und
Maschinenbauingenieur. Zudem besitze ich ein hohes Verständnis für betriebswirtschaftliche Fragestellungen. Insbesondere in der Marktforschung, der
Produktdefinition und der Produktentwicklung habe ich weitgehende Erfahrungen sammeln können." Selbstverständlich muss natürlich sein, dass der
Kandidat die dargestellten Dinge fachlich auch wirklich abdecken kann!
Die Ergebnisse der Stellenmarktanalyse können auch zur detaillierten "Beweisführung" im Anschreiben zur Stellenanzeige einfließen. So heißt es in einer
Anzeige: "Besonderen Wert legen wir auf die Fähigkeit und Bereitschaft, eng mit dem Vertrieb zusammenzuarbeiten." Der Bewerber kann zwar behaupten,
die Fähigkeiten und die Bereitschaft zu besitzen. Besser ist die konkrete Beweisführung mit Beispielen, die den Geschmack der Personaler treffen: "Ich
arbeite seit Jahren eng mit dem Vertrieb zusammen, wobei die Übersetzung von Kundenanforderungen in die Sprache der Entwicklung und die Erarbeitung
der Basisargumentation nur Beispiele sind."
Durch eine Stellenanalyse entwickelt der Bewerber ein gutes Gefühl dafür, welche Informationen unter den Lebenslaufschwerpunkten wie Berufspraxis,
Weiterbildung, Sprachen oder EDV sinnvollerweise dokumentiert werden sollten. Mitunter können die einzelnen Punkte zwar nicht ganz aus der Analyse
übernommen, dann jedoch zumindest modifiziert werden - oder sie liefern sinnvolle Anregungen. Wer mit einer sogenannten "3. Seite" in der Bewerbung
arbeitet, erhält durch die Ergebnisse der Stellenmarktanalyse Anregungen zu gefragten Persönlichkeitsmerkmalen.
Bei den Arbeitszeugnissen achten Bewerber häufig nur auf die allgemein bekannten wertenden "Floskeln" und vergessen darüber die sachlichen Inhalte.
Ein aussagekräftiges Arbeitszeugnis kann den "Roten Faden" der Bewerbung unterstreichen, wenn die dort dokumentierten Aufgaben, Projekte,
Persönlichkeitsmerkmale und Fachkenntnisse zu dem Berufsfeld passen, auf dem sich der Kandidat zukünftig bewegen möchte. Sind die Fakten durch die
Stellenmarktanalyse bekannt, fällt es leicht, Passagen zu Arbeitsleistung, -bereitschaft, und Arbeitsbefähigung sowie zur Führungsleistung im Zeugnis selbst
zu formulieren oder vorzuschlagen.
www.andersch-consulting.de
Bernd Andersch, Karrierecoach Düsseldorf