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Checklisten

Rezessionsempfehlungen für Professionals

Generelle Karriereeinstellung für schwierige Zeiten
Gestandene Ingenieure sitzen vermeintlich auch in der Rezession sattelfest, doch verlassen sollte sich darauf niemand. Die Auswirkungen der Bankenkrise auf die Realwirtschaft sind unvorhersehbar und wie tiefgreifend die anstehende Rezession ausfällt, welche Spuren sie in einzelnen Branchen und Funktionsbereichen hinterlässt, kann heute im Grunde niemand vorhersagen. Zwar gibt es auch in der Rezession beruflichen Aufstieg, Lob und Ehre doch in erster Linie heißt es hier, erreichte Positionen, Gehälter usw. verteidigen und die Karriere konsolidieren. Für einen eventuellen weiteren Karriereschritt bleibt noch Zeit, wenn die Talsohle der Konjunktur durchschritten ist und die Wirtschaft wieder besseren Zeiten entgegensieht.

Karriereknick nicht ungewöhnlich
In der Rezession kommt es bei vielen Ingenieuren zum gefürchteten Karriereknick. So kann durch eine Neuausrichtung des aktuellen Arbeitgebers die eigene Position wegfallen oder abgewertet werden. Es kann zur Reduzierung von Verantwortlichkeiten für Personal, Budget, Projekte usw. kommen, der Führungsjob muss gegen eine Fachposition oder eine Position im Projektmanagement getauscht werden usw. Möglicherweise kommt es zur Kündigung, zum Aufhebungsvertrag, zu einer nicht vorteilhaften Versetzung usw. Vielleicht wird auch das Gehalt gekürzt. So bedauerlich der Karriereknick für den einzelnen auch sein mag, es geht jetzt darum, den Schaden weitestgehend durch geeignete Maßnahmen zu begrenzen. Stets bleibt der Trost, nicht alleine von der Misere betroffen zu sein.

Spontane Fluchtgedanken bei Licht besehen
Trüben sich Geschäfts- und Betriebsklima beim aktuellen Arbeitgeber ein, kommt es zu Fluchtgedanken. Der Arbeitgeberwechsel scheint die angemessene Maßnahme und das sollte ja wohl für einen gestanden Ingenieur bei dem Fachkräftemangel überhaupt kein Problem sein, meint so mancher Professional. Voreilig wird die Entscheidung getroffen, den Arbeitsplatz beim aktuellen Arbeitgeber aufzugeben. Ob man dann auf einem neuen Stuhl bei einem neuen Arbeitgeber sicherer sitzt, sei einmal dahingestellt. Das ohnehin immer bestehende Stellenwechselrisiko (Probezeit, unstimmige Chemie usw.) ist in der Rezession wesentlich höher. Letztlich gilt in vielen Unternehmen Last in First out, wenn es um den Stellenabbau geht.

Zeiten für einen Stellenwechsel realistisch planen
Stellt sich die Frage, wie viel Zeit für den Arbeitgeberwechsel kalkuliert werden muss. Von der allerersten Bewerbung bis zum tatsächlichen Eintrittszeitpunkt in ein Unternehmen können in Anbetracht der unklaren Lage auf den Märkten durchaus sechs, wahrscheinlich eher neun Monate vergehen. Wer in den stark gefährdeten Branchen beschäftigt ist, kann teilweise mit noch längeren Suchzeiten rechnen. Gleiches gilt für Professional, die sich in der kritischen Altersklasse von 50+ bewegen. Auch eingeschränkte Mobilität und Flexibilität, Statik im Lebenslauf u.a. führen zu längeren Suchzeiten.

Verhalten bei langer Betriebszugehörigkeit
Wer viele Jahre beim letzten Arbeitgeber verweilt, befindet sich in einer Sondersituation. Er sitzt relativ sicher. Dafür sprechen eventuelle fällige hohe Abfindungszahlungen, durch den Arbeitgeber zu finanzierende Outplacementberatungen etc. Mitarbeiter mit langer Betriebszugehörigkeit haben aber auch ein sehr hohes Stellenwechselrisiko. Sie sind ungeübt im Bewerbungsgeschehen und bei der Einarbeitung in ein neues Unternehmensumfeld. Das Risiko zu scheitern, ist besonders hoch. Solche Mitarbeiter sollten versuchen, sich in dieser schwierigen Phase von Experten wie Fachanwalt für Arbeitsrecht und Karriereberater begleiten zu lassen, um möglichst viel Zeit für effektive Bewerbungsaktionen zu gewinnen, bei den nächsten Stellen nicht den Griff daneben zu tun oder Gefahr zu laufen, in die Arbeitslosigkeit abzurutschen.

Verhalten bei Alternativangeboten des Arbeitgebers
Im Rahmen von Umstrukturierungsmaßnahmen werden Mitarbeitern häufig andere Stellen im Unternehmen angeboten. Diese sind meist auf den ersten Blick weniger attraktiv als die bisherigen Stellen. Dennoch sollte gründlich überlegt werden, ob es sich bei der vermeintlich schlechteren Stelle nicht doch um eine passende und interessante Herausforderung handelt. Es kann ja nicht verkehrt sein, wenn die bisherige Führungskraft lernt, Schlüsselprojekte als Projektmanager zu leiten, einzelne Teilprojekte selbst abzuwickeln und nicht disziplinarisch unterstellte Mitarbeiter zu führen. Es kann möglicherweise auch nicht verkehrt sein, wieder einmal mit hoher fachlicher Ausrichtung zu arbeiten. Kurzum: Es sollte abgewogen werden, ob die angebotene Alternative eine sinnvolle Ergänzung im Lebenslauf darstellt – bevor beim Arbeitgeber missmutig das Handtuch in den Ring wirft.

Wenn nötig, freiwillig den Arbeitgeber verlassen
Gegen einen wohlüberlegten, freiwilligen Wechsel zur Karrierefortsetzung spricht in der Rezession nichts. Zudem ist niemandem geholfen, beim aktuellen Arbeitgeber solange auszuharren, bis die Lichter dort ausgehen. Auch ein drohender, nicht mehr revidierbarer Karriereknick, kann ein Grund sein, den aktuellen Arbeitgeber zu verlassen. Zudem könnte eine längere Weiterbildungsmaßnahme dazu führen, dem Arbeitgeber den Rücken zuzukehren. Es sollte also maßgebliche Anlässe für eine Kündigung in Eigenregie geben, weil eben in der Rezession das Stellenwechselrisiko besonders hoch ist.

Anlässe, die zum Nachdenken führen sollten
Über intensive Bewerbungsaktionen sollte nachgedacht werden, wenn die leiseste Ahnung aufkommt, dass der eigene Arbeitsplatz wackelt. Hier eine Reihe von Anlässen, die die Gedanken in diese Richtung lenken sollten: Unfreiwillige personelle Veränderungen in der Geschäftsführung / schwache Medienauftritte der Geschäftsführer / schlechte Presse zum Unternehmen / Investoren, Controller, Revisoren, externe Unternehmensberater tauchen verstärkt im Unternehmen auf / größere Umstrukturierungen sind geplant / Neueinstellungen werden verkompliziert / Kollegen werden ohne Grund nach der Probezeit nicht übernommen / Vorgesetzte kritisieren im übertriebenen Maße Arbeitsleistungen / Förder- und Gehaltsgespräche werden grundlos verschoben / Vorgesetzte arbeiten länger als sonst / Entwicklungsprojekte werden viel früher als vertretbar dem Kunden als fertige Lösungen präsentiert / Projekte werden plötzlich gestoppt oder in ungekannter Härte durchgepeitscht / Kosmetische Projekte gewinnen plötzlich an Bedeutung / Inhaltlose Moralapelle des Topmanagements

Freiwilliger Rückzug mit Abfindung
Besonders interessant ist die Situation dann, wenn ein Kandidat eigentlich das Unternehmen freiwillig verlassen möchte, er aber nicht auf eine etwaige Abfindung verzichten will. In der Regel tritt eine solche Situation dann ein, wenn der betreffende Ingenieur schon seit einiger Zeit ahnt, dass sein Arbeitsplatz stark gefährdet ist und im Unternehmen schon Abfindungssummen im Raume schweben. Der Kandidat hat sich sinnvollerweise adäquate externe berufliche Alternativen erarbeitet. Er kann jetzt dem Arbeitgeber die freiwillige Kündigung anbieten, das Unternehmen mit Abfindung zu verlassen. Dabei spricht er nicht an, dass er möglicherweise schon eine sichere Alternative hat. Mit Glück spielt der Arbeitgeber das Spiel mit.

Aufhebungsvertrag mit Begleitung
Wenn sich ein Unternehmen von seinen Professionals trennen möchte, bieten sich oftmals die unterschiedlichsten Varianten an. Am einfachsten ist es natürlich, den Mitarbeiter im Rahmen der normalen Kündigungsfristen loszuwerden. In anderen Fällen werden Aufhebungsverträge mit mehr oder weniger interessanten Abfindungen ausgehandelt. Wichtig ist es auch, im Rahmen des Aufhebungsvertrages das gute bis sehr gute Arbeitszeugnis zum Gegenstand zu machen. Wenn es um den Aufhebungsvertrag oder generell die Beendigung des Arbeitsverhältnisses geht, sollte eine arbeitsrechtliche Begleitung des Kandidaten erfolgen.

Outplacementberatung und Transfergesellschaft
Ein möglicher Verhandlungspunkt im Rahmen eines Aufhebungsvertrages ist die Outplacementberatung. Ein Teil der Abfindung soll dafür herhalten. Viele Kandidaten sind mit den Ergebnissen dieser Beratungen nicht glücklich. Empfehlenswerter ist es, sich die Abfindung komplett auszahlen zu lassen und sich dann punktuell mit den ausgewiesenen Experten zusammen zu setzen. Das Abwandern in eine Transfergesellschaft ist eine heikle Angelegenheit. Viele Kandidaten wähnen sich im sicheren Hafen. Tatsächlich trügt der Schein und die Zeit holt die Kandidaten schnell ein. Schon die Tatsache der Inanspruchnahme einer Transfergesellschaft macht lebenslauftechnisch nicht den besten Eindruck. Besser kommt es an, wenn Kandidaten aus eigener Kraft und vor Eintreten der Arbeitslosigkeit eine Anschlussbeschäftigung finden.

Abfindungen zielgerichtet einsetzen
Abfindungen sind eigentlich Mittel, die der Betreffende für die Suche einer neuen Beschäftigung erhält. Häufig werden sie aber völlig zweckentfremdet eingesetzt, für die Weltreise, die Eigentumswohnung oder das Auto, das man immer einmal fahren wollte. Wer heute so vergeht, leitet den Beginn des Karriereendes ein. Ist der Arbeitsplatz verloren gegangen, sollte sich jeder Ingenieur vehement gegen jeden Monat der Arbeitslosigkeit stemmen, insbesondere mit den Mitteln aus der Abfindung. Für lange Experimente am Arbeitsmarkt ist jetzt keine Zeit mehr und die Begleitung durch einen Profi im Grunde unabdingbar.


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