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Mit dem „Traum vom Fliegen“ fing alles an. Ikarus schließlich war es, der als
erster Mensch um das Jahr 0 nach dem Vorbild der Vogelwelt zum Fliegen kam –
allerdings nur in einer Sage, die zudem bekanntermaßen tragisch endet. Ballone,
Luftschiffe und Gleitflüge standen am Anfang der Entwicklung. Namen wie de
Gusmao, Brüder Montgolfier, Charles, Giffard, Lilienthal und von Zeppelin sind
in diesem Zusammenhang zu erwähnen. Doch erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts
gelang den Brüdern Wright der erste Motorflug und Cornu der erste bemannte
Hubschrauberflug. Wie bei vielen bahnbrechenden Entwicklungen stand zu Beginn
die Jagd nach Rekorden im Mittelpunkt, etwa die erste Überquerung des
Ärmelkanals, des Nordatlantiks usw. In Luftschauen konnten die Flugzeuge
bestaunt werden. Erfinder wie Junkers und Boeing trugen sich in die
Geschichtsbücher ein.
Schnell kam es zur Kommerzialisierung der neuen Fahrzeugart. Die Deutsche
Lufthansa entstand 1926 aus einem Zusammenschluss des Deutschen Aero Lloyd mit
dem Junkers Luftverkehr. Immerhin, so die Chronik der Lufthansa, startete man
damals bereits mit 162 Flugzeugen. Aufgrund der erhöhten Nachfrage nach
Frachtraum wurde in Deutschland die legendäre JU-52 entwickelt und gebaut.
Propellertriebwerke beherrschten das Geschehen. Doch schnell drückten die
politischen Ereignisse der Luftfahrt ihren Stempel auf und im Weltkrieg II
wurden Flugzeuge als entscheidende Waffe ins Feld geführt. Es sei an dieser
Stelle an die Messerschmitt Me 262 erinnert.
In den vierziger Jahren nahm die Luftfahrt ihren eigentlichen Aufschwung. Die
Entwicklung brachte technologische Quantensprünge wie Strahlen-, Düsenverkehrs-
und Überschallflugzeuge. Im zivilen Bereich wurde der Transport von Passagieren
und Fracht als lukratives Geschäft mit großem Potenzial erkannt. So nahm die
Lufthansa mit der Super Konstellation im Jahre 1955 die ersten deutschen
Passagierflüge in die ganze Welt auf. Dennoch waren Flugtickets in diesen Zeiten
für den Normalverbraucher nahezu unerschwinglich und blieben im Grunde einem „exklusiven
Kreis“ vorenthalten. Das Auftauchen eines Flugzeuges am Himmel galt noch Anfang
der 60er Jahre als Attraktion, die mit großen Augen und offenem Mund bestaunt
wurde.
Erst Jahre später wurde die zivile Luftfahrt zum Globus umspannenden
Massengeschäft. Immer größere und/oder schnellere Flugzeuge wurden gebaut, etwa
der Jumbo Jet (Boeing 747) oder die Concorde. Der Flugzeugmarkt wurde lange Zeit
von den Amerikanern beherrscht. 1972 war dann das Jahr der Wende. Am 28. Oktober
1972 hob die europäische Gemeinschaftsproduktion Airbus A300B erstmalig vom
Boden ab. Heute liefert Airbus mehr Flugzeuge aus als jeder andere Hersteller
auf der Welt. Der neue Hoffnungsträger A380 soll die Topposition als größtes
Passagierflugzeug der Welt weiter ausbauen. Doch erste Wolken ziehen auf und
Zweifel werden laut, ob man in Deutschland für die in Auftrag gegebenen
Maschinen des Typs A380 über ausreichend Personal, insbesondere Ingenieure
verfügt. Schon drohen Lieferverzögerungen, die das Unternehmen EADS Kopf und
Kragen kosten könnten. Wenn heute über die Luftfahrtindustrie gesprochen wird,
darf auch der militärische Ableger der Branche nicht vergessen werden. Große
Erwartungen werden hier mit dem Eurofighter, dem Transportflugzeug A400 M und
den Hubschrauberprogrammen verbunden.
Auch hinsichtlich der Luft- und Raumfahrt überließen die Europäer lange Zeit den
Amerikanern und den damaligen Sowjets das Feld. Was die bemannte Raumfahrt
betrifft, mussten sie zusehen, wie Jurij Gagarin als erster Mensch in den
Weltraum startete, Neil Armstrong und Edwin Aldrin ihre Mondspaziergänge
unternahmen und sich die beiden Nationen immer wieder ein neues Kopf an Kopf
Rennen um neue Rekorde und Explorationen lieferten. Erst die strategische und
politische Bedeutung der Satellitenpräsenz im All beflügelte die Europäer zur
gemeinschaftlichen Entwicklung der Ariane 1, die 1979 ihren Erststart
absolvierte. Neben der Ariane darf heute das europäische
Satellitennavigationssystem GALILEO nicht vergessen werden.
Die Luft- und Raumfahrtindustrie gehört in Deutschland eher zu den kleinen
Wirtschaftsbranchen, die allerdings naturgemäß den Großteil ihrer Arbeitsplätze
mit Ingenieuren und Technikern besetzt. Nachdem die Branche turbulente Zeiten
durchgemacht hat, blickt sie wieder optimistisch in die Zukunft. Hohe
Treibstoffpreise und schwierige politische Entwicklungen werden der Branche
allerdings zukünftig weiterhin zu schaffen machen und natürlich auch die Frage
wie es mit dem Airbusstandort Hamburg weitergeht.